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Legenden um eine verborgene Streitmacht der Eldar

Verfasst: So 15. Jan 2012, 14:47
von Lugaidh
Wäret Ihr ein Reisender, der bereits einmal die selten gesehenen Bauten Esteldíns in den Nordhöhen gesehen hat, der bereits einmal die Ruinen von Echad Candelleth bereiste oder in der Verlassene Herberge am Rand der Einsamen Lande nächtigte, dann könnten Euch Geschichten zu Ohren gekommen sein...
Erzählungen, die etwas Seltsames und Ungekanntes in Euch vielleicht regten...
Worte, die wie die alten Legenden zwischen dem Licht der Wahrheit und dem Zwielicht der Fantasien schlummerten.
Es waren Geschichten, die um eine Streitmacht der Elben handelten, ein verborgenes, im Geheimen handelndes Heer, ein mutvolles Aufgebot des Schönen Volkes, ein Licht, das aus dem Schatten stiess wie ein Blitz.
Manchmal hiess diese Streitmacht Thelstê, manchmal Dêla. Manche Leute sprachen von Destel, andere von Stahl der Hoffnung. Auch Speer des Schönen Volkes wurde sie genannt, und Wetterleuchten der Eldar. Einige Langbärte nannten den Namen "Zirak". Späher der Dúnedain gewahrten das ängstliche Raunen von "Golug Ghâsh" in einzelnen Lager der Orks des Nordens und Westens.
Doch die Jäger und Kundschafter des Schönen Volkes in der Wildnis kannten diese Streitmacht sehr wohl, und sie nannten den Namen "Thela Estel", Speerspitze der Hoffnung. Doch nur an enge Freude wurde dieser Name bekanntgegeben, und die meisten haben ihn nie erfahren.


[ooc: einige Übersetzungen -
khuzdul: Zirak = Silber
Orkisch: Golug = Elb(en), Ghâsh = Feuer]

Re: Legenden um eine verborgene Streitmacht der Eldar

Verfasst: Fr 20. Jan 2012, 13:54
von Lugaidh
Erzählungen aus der Verlassenen Herberge:

"Ein grosser Kerl kam herein. Etwas seltsames war an ihm...langer Mantel, hohe Stiefel; Waffen sah ich keine. Doch seine Augen... Ich sage dir, es waren die Augen eines alten Mannes, grau und tief, und sie schienen direkt in das Herz eines jeden Anwesenden zu blicken. Dennoch schien es mir, war der Mann in vollem Besitz seiner jugendlicher Kräfte.
Er blickte sich um, bestellte einen Leib Brot, zahlte gut und war dann verschwunden, ehe ich ihn fragen konnte, woher er denn käme. Erst später fiel mir ein, dass ich bereits einige von solchen Leuten gesehen hatte: das schöne Volk nannte man sie."

[Erzählt von Anlaf, Gastwirt der Herberge]

"Ich sah sie vorüberziehen.
Es war ein grauer Nachmittag, der Regen fiel und ausserhalb der Strasse war es matschig und unwegsam.
Sie waren plötzlich da, in der Nähe der Stallungen, wie aus dem Nichts. Durch den Regenschleier sah ich ihre dunklen Mäntel, hier und da ragte ein grosser Bogen oder eine Speerspitze in die Höhe. Ich wusste kurz nicht, ob ich träumte oder wach war. Geschichten kamen mir in den Sinn, die mein Vater mir erzählt hatte... das Feenvolk, Zauberer und Verführer der Menschen... das schöne Volk, das unermesslich reich und weise war. Waren sie gekommen, um uns in ihr geheimnisvolles Reich zu nehmen? Waren sie gekommen, um endlich die Brut der Bilwisse von Minas Eriol zu vertreiben? Waren sie gekommen, um uns unsere Habe zu nehmen?
Ich konnte nicht sehen, wie viele es waren, doch es schien einem Heereszug nicht unähnlich. Schön war diese Schar, schön und doch fürchtete ich mich."

[Erzählt von einem durchreisenden Arbeiter an der Verlassenen Herberge]

"Keine Ahnung, was das war. Ich erwachte irgendwann, hatte 'nen mordsmässigen Kater. Hatte wohl die ganze Nacht durchgesoffen.
Da kommen so zwei Gestalten die Treppe hinunter. Ich lins zu denen hoch, da hielt die eine und sagt irgendwas in einer seltsamen Sprache. Mir wurde ganz warm ums Herz, keine Ahnung, weshalb. Da kam die eine Gestalt näher und legte mir die Hand auf die Schulter. "Wer bist du?" krächze ich verwundert.
"Das ist unwichtig", sagte die Gestalt, eine wohlklingende Frauenstimme. "Steh auf, guter Mann. der Tag wartet draussen auf dich."
Dann gingen sie nach unten. Ich stand auf und ging nach draussen. Es regnete. Das Wasser floss an mir herunter, doch zum ersten mal in meinem Leben machte es mir nichts aus. Der Schmutz begann zu weichen.

[Erzählt von Willi aus Archet, der oftmals betrunken in der Verlassenen Herberge gesehen ward]

"Dann machten sie sich zum Aufbruch bereit.
Du meine Güte, war das unheimlich. Ich wurde irgendwie ganz erregt, ein grosser Kerl kam vorbei, er führte ein weisses Pferd am Zügel. Mächtiger Schild auf dem Rücken...seltsame Zeichen drauf. Der Gang wie durchdringendes Eisen.
Die zwei Damen weiter drüben, mit diesen gebieterischen Augen. Und ihr Lachen, wie Silber und Gold.
Dann verschwanden die Elben. Eine Weile waren die schillernden, dunklen Umhänge zu sehen. Irgend etwas war im Gang, ich wusste es.
"Wirst sehen, die gehen nach Guruth, will ich wetten. Verflucht gefährliche Reise dorthin. Warum wären die sonst so aufgemacht. Weiss der Himmel was die dort treiben wollen...doch trau niemals einem Elben, sagt mein Vetter immer.
Die können einem das Herz rauben. Alles Zauberei. Bah"
Mein Neffe spuckt aus. Ihm scheint nicht ganz wohl zu sein. Er hat sich ja auch vor ihnen versteckt, hat sie nicht gesehen.
Selbst, wenn ich eine grosse Scheu vor ihnen empfinde - nichts Übles brachte jene wundersame Schar mit sich. Nur Fragen, die keine Antworten haben."

[Erzählt von Nelli, Bedienstete in der Verlassenen Herberge]

"Ich fragte einen der Langbärte, die ganz hinten in der Ecke sassen.
Der blickte mich an und fuhr mit der Hand durch den wallenden Bart.
"Das sind Elben, der Herr." Er nahm einen Schluck von seinem Bierkrug.
"Elben? Was wollen die hier?"
"Das weiss niemand." Der Zwerg macht den Anschein, als ob er irgend etwas vor mir verbergen wollte.
"Selbst ihr Langbärte nicht?"
Er blickt mich an und brummt, sagt aber nichts.
Da meldet sich der andere zu Wort:
"Hört, der Herr. Wir mischen uns nicht in Angelegenheiten der Elben. Wenn Ihr so neugierig seid, warum reist Ihr ihnen nicht einfach nach und fragt sie?"
Die beiden erheben sich, grüssen mich höflich und gehen nach draussen.
Ich kratze mich am Kopf."

[Erzählt vom alten Bannwart, in der Zeit gastierend in der Verlassenen Herberge]

"Ich sprach eine Gruppe von ihnen an, grüsste höflich und fragte sie nach ihrer Herkunft.
Einer von ihnen gab Antwort und sagte:
"Ich grüsse Euch, Reisender.
Unser Weg war lang, und noch ein grosses Stück liegt vor uns.
Wir ziehen gegen den Feind."
Ich fragte weiter:
"Gegen die Bilwisse?"
Er nickte. Eine andere, Dame mit einem edlem Schild, gab Antwort:
"Der Feind kennt viele Formen. Einige Formen liegen offen, andere sind ungesehen. Wir gehen Wege, die ihr nicht betretet."
Das verwirrte mich, da ich mir nichts aus diesen Worten zusammenreimen konnte.
"Nun gut... ich weiss zwar nicht, über was Ihr redet, aber das mit den Formen klingt seltsam."
Sie lachten und sagten:
"Macht nicht so ein langes Gesicht. Wegen Euch wird es noch regnen hier."
Ich war erleichtert und sagte ihnen, ich wäre sehr froh über ihre Ankunft.
Sie sagten:
"Habt Frohmut. Noch ist unser Besuch nicht die einzige Hoffnung. Blickt gen Osten und Westen. Freunde mögen kommen, die Ihr vielleicht zuerst nicht erkennen möget."
Einer, ein hochgewachsener Recke mit edlen Gesichtszügen sagte, dass sie die Lanze der Hoffnung seien, von Fürsten eines Elbenhauses im Westen ausgesandt, um gegen die Finsternis zu streiten. Ihren Namen vergass ich recht bald, da er seltsam klang.
Wartet, er lautete Thelstê, jetzt erinnere ich mich. Das bedeutet in der wundersamen und vergessenen Elbensprache Lanze der Hoffnung.
Ich sagte ihnen, dass die Bilwisse in den örtlichen Bergen Reisende überfielen und für grosse Furcht sorgten.
Sie sagten:
"Sucht nach Freunden, und verzagt nicht. Euer Herz wird Euch dorthin führen, wo Ihr Euren Beitrag leisten könnt. Selbst in der finstersten Nacht leuchten die Sterne."
Voller Freude und Leichtigkeit einerseits waren ihre Mienen, Mut, Stärke und Entschlossenheit andererseits schienen förmlich aus ihnen herauszufliessen.
Ich sah ihnen nach, solang ich konnte, als sie von dannen zogen.
Ein Funken Hoffnung regte sich wieder in mir.

[Erzählt von Halwart, Abenteurer aus Andrag]

Re: Legenden um eine verborgene Streitmacht der Eldar

Verfasst: Mo 30. Jan 2012, 14:37
von Lugaidh
Erzählungen aus Esteldín:

"Eines Tages waren sie da.
Stumm, in schützende Gewandung verhüllt. Wie Gold, über das man einen Schleier breitet. Wir wussten alle: Das Gewitter war nahe. Unweit von Esteldín waren die Heerscharen Angmars aufgezogen, bereit, das gesamte Gebiet zu überfluten mit Hass und Zerstörung. Wir wussten, sie würden Esteldín finden und wir waren zu wenige, um es halten zu können. Der Wille des Feindes hatte diesen Ort schon so lange gesucht.

Sie wussten es.
Sie kamen in Verborgenheit, über die Felder der Toten, denn nur das Volk der Elben wagt sie zu betreten; sie fürchten sich nicht vor den Trugbildern und dem Grauen des Todes. Eine ungekannte, seltsame Freude bemächtigte sich unser aller, als sie kamen. Wir wähnten uns in eine jener alten Erzählungen, in denen das Volk der Elben plötzlich an der Seite der Menschen aufstand und gegen den Feind zog. Unser Hilferuf war erhört worden.


[Erzählt von Dúrhael, Waldläufer aus Esteldín]


"Fürst Aerendir war es, der seine Schar gegen den Feind führte. Einen kurzen Augenblick lang schien es mir, als ob eine sterbliche Frau in den Reihen der Elben dabei wäre, doch Haltham rief mich und ich ging zum Nordeingang.
Die Nacht war finster.
Wir boten den Elben unsere bescheidene Hilfe an. Sie lehnten ab. Sie wussten um die Gefahr, die unserem Volk bevorstand. Es galt, die Aufmerksamkeit des Gegners vollkommen von Esteldín abzuwenden.
Als ich zur mittigen Säule zurückkam, sah ich sie kurz vor dem Aufbruch.
In ihren Gesichtern sah ich die Standhaftigkeit des Schönen Volkes, unweigerlich und unerschütterlich. In ihren Augen der Mut, für dieses Vorhaben bis in den Tod zu gehen. Dann schritt ihr Anführer eilig gen Nordende, und sie folgten ihm. Elbische Befehle hallten kurz in Esteldín wider, doch noch wurden die Banner nicht erhoben."


[Erzählt von Daerlas, Waldläufer aus Esteldín]



"Ich kundschaftete den Rand Dol Dínen's im Nordwesten aus.
Nach dem Schlag, vom Elbenheer durchgeführt, befanden sich die Streitkräfte des Feindes in Bewegung, doch es war unklar, ob es Verwirrung oder klare Befehle waren, die sich dazu trieben. Ich beobachtete eine Gruppe Bilwisse.
In Ihren Augen sah ich Wut und Rachedurst, doch noch viel mehr die Angst und das Entsetzen. Es war eine uralte Furcht, und die Diener des Feindes hatten sie nicht verlernt: Das Grauen vor dem Volk der Elben, die Furcht vor dem Licht.
"Golug Ghâsh" vernahm ich.
Die Armeen Angmars hatten schwere Verluste erlitten. Ihr Angriff hatte sich für einige Zeit verzögert. Der Plan war gelungen.
Wohin unsere Retter zogen, war uns nicht bekannt. Aus der Verborgenheit hatten sie sich erhoben, und sie würden vielleicht auch wieder in die Verborgenheit zurückkehren."

[Erzählung von Candaith, Waldläufer in Esteldín]

Re: Legenden um eine verborgene Streitmacht der Eldar

Verfasst: Mo 30. Jan 2012, 15:41
von Lugaidh
Erzählungen aus Thorenhad
(mit wenigen Ausnahmen lediglich von Elben an Elben erzählt)

"Schweigsam stand der Mond über den Tannen.
Ein Zittern eilte durch die Wildnis, wenn unsere Hände sie berührten. Alle Natur sehnt sich nach Heilung in diesen Tagen.
Zu dieser Stunde näherte sich die Thela Estel den hohen Säulen von Thorenhad.
Freudig waren die Grussworte der Wächter, und voller Heiterkeit wurden die Maethyr empfangen.
In dieser Nacht wollte das Lachen und die Musik am Feuer nicht enden. Einige standen nachdenklich an den Mauern, blickten in die Wälder. Andere versorgten ihre Wunden. Viele vergassen für eine Zeit den bitteren Geschmack des Krieges, denn es gab noch immer Dinge, die selbst die Vernichtung der Welt überdauern würden.
Gross war der Ruhm dieser Schar geworden. Von den Ered Luin bis in den Goldenen Wald waren sie bekannt.
Wir sahen einige von ihnen, die wir beriets von Hörensagen kannten oder schon früher einmal bei uns gesehen hatten in Thorenhad:
Tûr Aerendir, mit sich tragend die Gnade der Herrin Celebrían,
Lugaidh mit der hohen Stirn,
Fuinriell mit dem Willen aus Eisen,
Silanwen, Ruhm mit dem Bogen tragend,
Virindil, Herz der Schlacht und
Iowarthien, Gesang der Freude,
Norliriel aus Gondolin, Weisheit der Erhabenen,
Ranathalion, Bote des Windes,
Lhaingaladh mit der ungebrochenen Hoffnung und
Finelleth mit dem starken Schild,
Lamoriel aus Doriath, Kühnheit der Sindar,
Saelarieth, Heilung der Seele und
Sidhril, Geduld der Wälder,
Haldrandir mit der Kunde der Wildnis,
Amtarion und Amtaruil, Brüder des Morgens,
Celeuil mit dem Mut der Sterne und
Lothuilos, Schweigen des Mondes,
Arandielle, Klang der Klingen und
Nurfiniel mit dem Wissen der Natur,
Amnen, Lachen des Laubs und
Nembain mit dem festen Schritt,
Taraenor, Erfahrenes Auge,
Ciridon der Kundschafter und
Yantarai mit dem schweren Harnisch,
Calvaros, Forscher der Pfade und
Gilharthad mit der Stimme aus Gold,
Erandui, Träger der Heiterkeit,
Moreldur und mit ihm viele andere, die hier nicht genannt, aber dennoch ruhmreich zu nennen sind, und
Einzige in den Reihen der Eldar, Elvelleth, die Elbenfreundin aus dem Westen, Helferin unseres Volkes."


[Erzählt von Lintham, Kundschafter der Elben von Thorenhad.]


"Wir wissen alle um die Gefahr, die um Estel schwebt, den Sohn Gilraens.
Wir wissen alle um die Gefahr, die über das Volk der Seekönige liegt.
Wir wissen alle um die Gefahr, die den Norden bedroht.
Aus den blauen Bergen standen einige unseres Volkes auf. Aerendir, Herr des Hauses Celebriaen aus dem Westen, hat die Streitmacht Thela Estel nach Norden und in den Osten geführt. Meister Elronds weise Voraussicht ward mit dem Schwert bewiesen: die Bedrohung wurde vorerst von Esteldín abgewandt. Die Erben der Seekönige können sich im Verborgenen halten, bis ihre Stunde kommen mag."

[Niedergeschrieben von einem Archivar aus Imladris]