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Entscheidungen

Verfasst: Do 30. Dez 2010, 09:22
von Sathriel
Lange lässt sich Sathriel nicht in der Gemeinschaft sehen. Nur wenige wissen wohl, wo sie sich aufhält. Der Weg durch Khazad-Dûm, die Gewissheit um Eruheran´s Dahinscheiden, ihre vermeintlich neue Bindung an Cylchrion - all das belastet sie und ihre Flucht in die Einsamkeit und Ruhe scheint der einzige, für sie mögliche, Weg.

In der Nacht schleicht sie sich beinahe wie eine Fremde in die Siedlung. Die Wachen am Tor erkennen sie, doch keiner wagt die Respektlosigkeit, sie zu fragen, wo sie nach ihrer langen Abwesenheit so spät nachts herkommt. Langsam und leise bleibt sie schliesslich am Haus des Caun Colgael stehen. Ungehört befestigt sie eine vorbereitete Nachricht am Türgriff, bevor sie rasch die Siedlung wieder verlässt. Nicht weit entfernt hat sie nahe eines kleinen Sees ihr Lager aufgeschlagen, doch Ruhe findet sie keine. Ihr Blick schweift über das ruhige Wasser, in dessen Oberfläche sich die Sterne und der Mond widerspiegeln.

Am frühen Morgen erhält sie von einem Boten Nachricht von Colgael. Schweigend entlässt sie den Boten wieder, ehe sie die Nachricht öffnet und liest. Leise atmet sie auf, ein Hauch Erleichterung huscht kurz über ihr Gesicht. Mit geübten Handgriffen bricht Sathriel ihr Lager am Fluss ab. Anschliessend wendet sie sich gen Auenland. Viel Zeit bleibt ihr nicht, ihre wenigen Sachen nahe der Grenze in einem ausgehöhlten Baum zu verbergen.

Wie verabredet findet sie sich gegen Mittag vor dem Sippenhaus der Celebriaen ein. Ihre Blicke schweifen über das Gebäude, eine tiefe Stille liegt über dem Anwesen. Sie wendet sich herum und kaum hörbar trägt der Wind Harfenklänge zu ihr herüber. Kurz schliesst sie die Augen und atmet tief durch. Langsam geht sie den Weg entlang, bis sie am Pavillon Colgael´s vertraute Gestalt sieht, ins Harfenspiel versunken.

Re: Entscheidungen

Verfasst: Do 30. Dez 2010, 10:27
von Sathriel
Still bleibt sie in einiger Entfernung stehen. Ihr Blick ruht auf Colgael. Doch ihre Augen scheinen trotz der schönen Klänge teilnahmslos und abwesend, leer. Colgael schaut von der Harfe auf und bemerkt Sathriel. Deutlich klingt ihre Stimme zu ihm hinüber: "Le Suilon, Colgael." Colgael erwiedert ihren Blick, seine Begrüssung dringt ebenso klar zu ihr, wie ihre zu ihm: "Sei gegrüsst, Sathriel. Komm doch näher Schwester." "Ich danke dir, das du Zeit hast." Zögernd tritt sie näher zu Colgael, doch hält sie mehr Abstand zu ihm, als vor ihrer langen Abwesenheit. Colgael lässt seine Harfe sinken und mustert Sathriel, lässt seinen Blick schliesslich in ihren Augen verweilen. Ruhig und besonnen klingt er, wie meist, wenn es um ernste Dinge geht. "Dein Herz ist wahrlich bekümmert." Leicht nickt sie. "Bekümmert war es. Doch sollte ich dies eine Mal die richtige Wahl treffen, wird es wieder leicht werden." Colgael wirkt erstaunt. Sathriel weicht seinem Blick aus und schaut gen Boden. Kurz hüllt die Stille der Siedlung die beiden ein, ehe Colgael spricht. "Du sprachst in deiner Nachricht schon von Entscheidung, und Wahl." Erneut nickt sie, den Blick an Colgael vorbei in die Ferne gerichtet. "Ich habe hier zuviel erlebt, was mein Herz verletzt hat. Und ich tat anderen wohl auch weh mit meinen Taten." Colgael nickt langsam.
Sathriel sieht zu Colgael, doch keine Freude ist in ihrem Blick zu erkennen. "Es ist nicht leicht, die vielen Alter in Mittelerde zu verbringen." Leicht schüttelt sie den Kopf. "Leicht ist es nicht, doch war ich gern hier und half. Soweit es meine Kräfte zuliessen." Colgael nickt zustimmend. "Doch ich sehe keine Freude mehr in deinen Augen, keine Hoffnung. Und ohne haben wir keine Kraft." Leise erwidert sie:"Du sprichst wie immer mit der Weisheit deines Alters und deiner eigenen Erfahrungen." Ihr Blick sucht den seinen, haftet an seinen Augen. "Du ahnst, in welcher Entscheidung ich Rat suche, oder irre ich?"
"Ich ahne, was dich bewegt, welche Wahl zu treffen du suchst." Sathriel senkt wie ertappt den Blick. Zögernd nur spricht sie schliesslich: "Und dein Rat in jener Entscheidung?" Colgael überlegt einen Moment. Erneut umschliesst die Stille der Siedlung die beiden, nur leise hört man den Bach plätschern. "Einen Rat gebe ich nicht gern, wenn es um endgültige Entscheidungen geht."
Sathriel nickt. "Doch ich sehe nicht, wie dein Schmerz in Mittelerde geheilt werden könnte." Sathriel hebt den Blick wieder, sieht Colgael an. "Die Entscheidung ist sowieso gefällt. Nur weiss ich nicht, wie ich es den anderen beibringen soll und wann ich gehen werde. Mein Gehen wird einigen weh tun. Und das schmerzt mich. Doch ich sehe für mich keinen anderen Weg mehr." Colgael sagt: "Ich gestehe, auch ich fühle eine gewisse Schwere, und es zieht mich, über das Meer zu fahren." Überraschung zeigt sich auf ihrem Gesicht. "Nein, Schwester, was die Elben betrifft so sollte ein jeder von uns froh sein für Dich, dass Du das Licht sehen wirst. Das Segensreich betreten wirst. Und, vielleicht den einen oder anderen unserer Vorfahren antreffen magst."
Sathriel nickt. "Ohne jene, die ich hier lieb gewonnen. Aber vielleicht hast du Recht." Colgael sieht sie an, während er weiter spricht. "Heilung wirst du dort finden, und Frieden. In gewisser Weise beneide ich dich. Ich konnte diese Wahl noch nicht treffen." "Du hast deine Liebsten hier bei dir. Deine geliebte Frau, Idheriel und viele deiner Freunde. Dich hält hier mehr als mich."
Colgael nickt. "Schon, doch mein langes Leben hat mich ermüdet, ich spüre es. Und unsere Zeit hier geht zu Ende. Das spüre ich ebenfalls. Bald werden die meisten von uns das Schiff genommen haben. Sehr bald. So lange kann und werde ich noch warten." Sathriel sieht Colgael ernst an. "Du wirst unter den ersten von ihnen sein, so wie du redest."

"Hast du schon Nachricht von Círdan, wann das Schiff fertig ist, das dich mitnehmen kann?" Sathriel schüttelt den Kopf. Erneut sieht sie an ihm vorbei, auf den Lauf des Baches."Ich habe noch nicht gefragt. Erst wollte ich dich sprechen und auch den anderen Bescheid geben. Auch wenn meine Entscheidung steht und ich mich nicht umstimmen lassen werde." "Ah. Ich verstehe."
Colgael überlegt einen Moment. "Ja, ich denke, ich werde einer der ersten sein. Dies wurde mir klar, als ich auf unseren Abenden von den vielen Jahren, welche nun hinter uns liegen, erzählte. Aber sag mir, wie möchtest du deine letzten Tage in Ennor verbringen? Feiernd oder leise für dich allein? Dies mag den Zeitpunkt bestimmen, an dem du es allen mitteilst." Ihr Blick trifft wieder den seinen. "Ich werde eine Weile reisen. Mir die letzten ruhigen Orte hier ansehen und Ruhe suchen. So gut es mir möglich ist." Colgael nickt. "Dann brauchst du nicht lange vorher den anderen Bescheid geben. Es genügt, wenn du Nachricht von Círdan hast. Das wäre ein Zeitpunkt, es mit zu teilen." Sathriel nickt. "Wenn ich hierher, in unsere Siedlung, zurück kehre, werde ich hier nicht lange weilen und bald ein Schiff nehmen." "Doch, ich denke, einige von uns erahnen es bereits." Sathriel senkt kurz den Blick, schliesst die Augen. Leise klingt ihre Stimme. "Ja, ihr alle kennt mich doch zu gut und wisst, das ich leide."

Sathriel sieht Colgael ernst an.
"Darf ich dich um etwas bitten?" "Wenn es in meiner Macht steht. Was bittest du mich, zu tun?" "Achte auf Fuinriell." Colgael hebt leicht eine Augenbraue. "In welcher Hinsicht?" Sathriel seufzt leise. "Ich habe Angst, das sie mir folgen will. So wie nach Moria." Colgael schüttelt langsam den Kopf. "Wenn es ihre Entscheidung ist, darf ich es ihr nicht versagen. Doch wieso glaubst du, dass sie dir folgen mag?" "Versuche zumindest, mit ihr zu reden. Ich bitte dich." "Nach Moria zu folgen, aus Sorge um das Leben einer Schwester, dies ist ein Ding. In den Westen folgen, ein anderes." Sathriel seufzt erneut, schaut auf den Bach. "Ich hoffe, sie denkt genauso." Colgael beobachtet Sathriel. "Ich werde ein Auge und ein Ohr für sie offen halten." "Ihre Zeit, in den Westen zu gehen, ist noch nicht gekommen." Colgael nickt langsam.

Sathriel hebt den Blick, sieht zu Colgael. "Bevor ich aufbreche, mich von dieser Welt zu verabschieden, würde ich dir gern danken." Colgael schaut erstaunt. "Für deinen Rat und deine Hilfe. Du bist mir ein guter Freund geworden, den ich achte und schätze. Und ich freue mich schon heute auf den Tag, an dem wir uns wiedersehen. Ich werde an den Kai´s stehen und dich dort begrüssen." Colgael lächelt und Sathriel erwiedert dies Lächeln. "Das würde mich freuen, Schwester. Daher, gib acht auf deine Wege in der Zeit bis zu deiner Abreise." "Das werde ich. Wie bisher auch." Colgael nickt.
"Und auch du achte auf dich. Damit wir uns nocheinmal sehen." "Ich nehme an, du möchtest nicht, dass ich von deiner Entscheidung spreche, bevor du es selber tust?" "Ich vertraue dir. Sollte dich jemand fragen, oder du es für notwendig erachten, so steht es dir frei. Du wirst richtig reagieren, wie immer." Colgael sieht sie fragend an. "Hast du schon mit dem Tûr gesprochen?" Sathriel schüttelt sacht den Kopf. "Das solltest du tun, bevor du aufbrichst." "Ich werde ihn um ein Gespräch bitten. Doch erst, wenn ich wieder zurück bin. Ich möchte innerlich meine Ruhe finden, bevor ich ihm gegenüber trete." Colgael nickt. "Dann werde ich bis dahin auch schweigen." Sathriel nickt leicht. "Ich danke dir." Colgael lächelt. "Freue dich, Sathriel, du wirst bald das Segensreich sehen." Traurigkeit überschattet ihren Blick. "Und euch alle verlassen.Doch es ist das Beste. Und ja, ich freue mich auf die Ruhe und den Frieden dort." "Nur mit deinem Körper, und nur für eine Weile." Sathriel nickt. "Ich werde euch alle dort an den Anlegestellen erwarten und euch begrüssen, wenn ihr dort anlegt." "Das wird ein Moment der besonderen Art." Sathriel nickt. "Doch eine Bitte hätte auch ich an dich. Wenn du zu den Grauen Anfurten reist, erlabe mir, dich dorthin zu begleiten." Sathriel nickt, ihm in die Augen schauend. "Wenn dies dein Wunsch ist, so freue ich mich über deine Gesellschaft." "So sei es. Auch möchte ich gerne Círdan wieder sprechen. Er sieht viel und weit, sein Rat in diesen Tagen ist mir wichtig." "Dann werden wir gemeinsam reisen. Zumindest bis dorthin." Colgael nickt. "Mae." "Danke, das du Zeit für mich gefunden hast. Doch nun werde ich meine Sachen aus dem Haus holen und aufbrechen. Bevor die anderen etwas merken." "Gut, mache das, Schwester." Colgael nimmt seine Harfe wieder auf und beginnt ein wohlbekanntes Lied zu spielen. Leise klingen Sathriel´s Worte in die Klänge hinein. "Mögen die Valar dich schützen, Colgael, Freund meines Herzens." Während sie langsam zum Sippenhaus geht, hört sie noch Colgael´s Ruf hinter sich schallen. "Namarië, Sathriel, namarië!" Leise verstummen die Harfenklänge hinter ihr, als sie das Haus betritt und ihre letzten Habseligkeiten in ein Bündel packt.

Re: Entscheidungen

Verfasst: Do 30. Dez 2010, 13:34
von Lugaidh
Eine dunkle Gestalt stand auf einer Anhöhe, im Schatten einer Ulme, und beobachtete die Sterne.
Regungslos, wie eine Statue der Nacht.
Nicht erkennbar war dieser Elb, denn er hatte sich völlig in sich zurückgezogen.
Dennoch gewahrte er die Elbin, die leise durch die Siedlung ging.

Er hatte zu oft die Abschied nehmenden gesehen, um nicht zu erahnen, was die Gestalt Sathriels im Sinn führte. Der Schritt, die lärmende Stille der Gedanken, das schmerzliche Zögern bei den Blicken zurück.
Er blickte wieder zu den Sternen, doch seine Augen funkelten nicht mehr.
Sie waren vielmehr Wunden, zwei schwarze, klaffende Wunden der Vergangenheit, die ihn nun noch ein weiteres mal eingeholt hatte. Grau, müde und streng wirkte sein Gesicht, als er den Blick von Sathriel wendete, die in der ferne verschwand.
Zu alt war er, um nicht verstehen zu können, und zu oft hatte er das Dahinscheiden erlebt, um ihr diese letzte Traurigkeit nicht nachsehen zu können.
Dennoch umhüllte sich sein Geist mit stummem Bedauern.
Brennend heiss hörte er plötzlich die dunklen Wogen rauschen, fühlte die salzige Meeresbrise auf seinem Gesicht... Ewig ruft uns die Heimat. Doch abermals, das tausendste mal, werde ich deinem Ruf widerstehen. Die Zeit ist noch nicht gekommen, um zu scheiden.
"Lebe wohl, Sathriel...gute Reise" murmelte er.

Er senkte den Blick.
"Wehe unserem Volk", dachte er. "Wehe den Zurückgebliebenen, die sich an eine letzte, närrische Hoffnung klammern."

Re: Entscheidungen

Verfasst: Do 30. Dez 2010, 16:40
von Colgael
Leise summte Colgael die letzten Zeilen jenes Liedes als er Sathriel hinterher blickte:
" Namárië! Nai hiruvalyë Valimar! Nai elyë hiruva! Namárië!"

Re: Entscheidungen

Verfasst: Do 20. Jan 2011, 09:18
von Sathriel
Lange reitet Sathriel durch Eriador, bevor sie sich wieder den Ered Luin zuwendet. Gedanken und Erinnerungen ihrer letzten Reise:

Das Auenland - Hier hat sie für Tashmina ein Smial gekauft und diese hat ihr zu Ehren ein Zimmer gestaltet, in welchem nur Möbel elbischer Handwerker stehen. Leise geht Sathriel ein letztes Mal durch dieses Smial, lässt einen Brief auf dem grossen Tisch im Hauptraum zurück.
Hoffentlich wird ihn ihr jemand vorlesen und ihr alles erklären können. Ein letzter Blick auf das schlafende Hobbitmädchen, bevor sie die Tür hinter sich schliesst.
Nach einer Weile erreicht sie auf Mondschimmer ein weiteres Smial, in einer anderen Siedlung der Hobbits. Ein Blick zu den dunklen Fenstern genügt ihr hier, weder Garten noch Haus betritt sie. An der Mauer befestigt sie ein Pergament, bevor sie ihr Pferd wendet und schliesslich die Siedlungen hinter sich lässt. Ihr Weg führt ins Breeland.


Das Breeland - Land der Menschen. Einen Bogen um Bree reitend erreicht sie Schlucht. Das Waisenhaus, wo sie einige Jahre gearbeitet hat, steht noch immer leer. Ein neues, grösseres soll es wohl in Bree geben. Ihr Blick wandert über das Gebäude, welches langsam Spuren der Zeit aufweist. Danke für alles, was ich hier lernte.
Auf ihrer Stute reitet sie langsam durch Bree. Die Bewohner hetzen wie immer durch die Gassen, finden keine Ruhe. Aus dem Gasthaus dringt Lärm auf den Platz, welcher von einigen Musikanten am Brunnen kaum übertönt wird. Tiefer zieht sie ihre Kapuze ins Gesicht. Am Keilerbrunnen vorbei gen Südtor führt ihr Weg. Kaum hat sie jenes passiert, gibt sie Mondschimmer die Zügel frei und diese galoppiert, in stillem Einvernehmen, gen Osten.

Imladris - Die Zeit steht still. Die selben Wachen, die auch bei ihrer Abreise den Weg bewachten, stehen dort und grüssen sie. Sathriel nickt ihnen zu, hebt grüssend die Hand. Mondschimmer am Zügel führend geht sie den Weg ins Tal hinab. Die Sonne geht grade auf und taucht Imladris in beinahe unnatürliche Schönheit. An den Ställen übergibt sie Mondschimmer einer Pflegerin, bevor sie weiter durch das Tal geht. Erinnerungen stürzen auf sie ein und als diese zuviel werden, sucht sie ihren Lieblingsplatz am Fluss auf, um sich zu ratsen. Tiefe Ruhe breitet sich in ihr aus, während sie mit geschlossenen Augen dem Rauschen des Wassers lauscht.
Bewahre deinen Frieden, Imladris. Nach einigen Stunden erhebt sie sich, um an den Ställen Mondschimmer abzuholen.

Der Weg in die Ered Luin ist lang, doch Sathriel lässt sich mehr Zeit als auf dem Weg nach Imladris. Weiss sie doch, das sie diesen Weg nie mehr reiten wird.