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Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwald
Verfasst: Do 2. Dez 2010, 11:48
von Lugaidh
[halb-ooc: eine kleine Reise, die Lamoriel und Lugaidh nach Dol Guldûr unternahmen, um herauszufinden, wer oder was das Oberhaupt der Festung war, von der viel Bedrohung und Unheil über die östlichen Lande sich ergoss. Zeitlich eingeordnet geschah das nach dem Angriff des Freien Heeres auf Annúminas, also vor Beginn der Einsetzung Lugaidh's als Tîrn im Dienste des Hauses Celebriaen. Dieses sehr gewagte Unternehmen war geheim, die erhofften Informationen allerdings durchaus auch für andere gedacht. Es ereigneten sich allerdings Dinge, die die beiden Elben an ihre physischen und geistigen Grenzen trieben...die Fragmente sind nicht zwingend chronologisch und sollen lediglich einen Eindruck von den seltsamen Ereignissen übermitteln, denn genau beschreiben, was passiert ist.]
"...Wir gehen weiter.
Der Sumpf atmet nicht. Wie die meisten Orte hier wurde sein Atmen erstickt, ein riesiger, lebendiger Leichnam ist er geworden, der die Wahnsinnigen, die es wagen, ihn zu betreten, festsaugt.
Faulige Pflanzen und seltsamer Kot sind im Morast vermischt. Ein stummes, verzerrtes Stöhnen liegt in der Luft.
Vorhin wurden wir von einem verrückten Sumpfkriecher angegriffen. Lamoriel erschlug ihn.
Der Schild lastet schwer an meiner Schulter.
Ist es Mut oder Wahnsinn, der uns in diese Gegend treibt?
Der Schatten des Turmes ist über diesen Wald gefallen."
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Do 2. Dez 2010, 14:27
von Lamoriel
Sie eilten den Hügel herauf, nun hatte er diesem ungestümmen Noldor schon wiederholt sagen müssen, das ein paar Tote Orks nicht so wertvoll sind, wie der Überraschungsmoment wenn sie in den dunklen Turm eindringen wollen.
Gerade so schien er es verstanden zu haben.
Trotz allem hatten er ihm den Rücken freigehalten.
Dieser Flecken Land, den die Truppen der Malledhrim nun angriffen und berannten, war verbrannt, gesalzt und versiegt. Der grüne Wald, wie er ihn einst kannte, exsistierte nur noch in den Herzen der Bewohner, aber nicht mehr vor ihren Augen.
Seine Schwerter sangen das Lied, als sie nun begannen sich durch einige wenige dieser Warge und Kriegsbestien zu schlagen.
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Do 9. Dez 2010, 14:46
von Lugaidh
"Über den Anduin sind wir gekommen, unbemerkt, unerkannt, Reisende und Siedlungen meidend. Die Malledhrim haben überall kleine Lager aufgeschlagen, einige Ruinen besetzt. Unzählige kleinere Scharmützel werden in diesem Gebiet geschlagen, doch noch drang kein Signal eines grösseren Angriffes durch.
Dieser Wald ist verrucht. Je tiefer wir nach Osten stossen, desto mehr feindliche Lager entdecken wir. Der dunkle Turm hat einen Teil seiner Streitkräfte ausgebreitet vor sich. Was haben sie vor? Ich weiss es nicht.
Wir meiden gepflasterte Strassen.
Durch unausdenkliche Wälder irren wir, unsere Wege nicht kennend, aber stets die Richtung wahrnehmend, aus der ein leises, stetiges Grauen dringt.
Die Bäume haben vergessen, zu sprechen. Stumm stöhnen sie, ächzen den dunklen Himmel an, der manchmal sichtbar wird zwischen den Kronen. Die Verderbtheit frisst sich tief, bis in ihre Seelen durch.
Wir haben eine Strasse gekreuzt. Fackeln brennen ihrem Saum entlang.
Lamoriel hat einen Ork-Kundschafter überwältigt.
Ich fürchte um die Geräusche der Klingen. Wenn sie uns entdecken, werden wir um unsere Rückkehr zweifeln müssen.
Wir stehen auf einem seltsamen Fleck. Ein grünliches Licht liegt zwischen den Bäumen, formt einen grossen Kreis.
Hier ist etwas anders.
Mit gezogenem Speer schreite ich leise vorwärts, neben meinem Waffengefährten. Ich lege die Hand auf einen der Baumstämme, höre schweigend hinein.
Dieser Ort erinnert sich.
Der Schatten hat das Herz noch nicht ganz erfasst. Es gibt einen winzigen freien Fleck der Erinnerung, einer uralten, seltsamen Erinnerung.
Ich höre Stimmen der Verehrung, des Staunens. Wer auch immer es war - dieser Ort war einst ein Schrein, ein heiliger Platz. Sind es rufe an Yavanna, oder rufe der Klage um die verloren gegangene Reinheit?
Ich weiss es nicht.
Lamoriel ist ebenfalls stehengeblieben.
Irgendwo vernehme ich das Knarren eines gespannten Bogens. Orkgestank dringt zu uns.
Ich springe vor dem Grauelben, um den schwarzgefiederten Pfeil mit dem Schild abzufangen; zitternd fährt der Schaft in den Boden.
Kalt schimmernd dringt die Speerklinge durch die Kehle des hasserfüllten Schützen.
Wir verlassen eilig den seltsamen Ort. Auch hier ist es nicht sicher. Die Erinnerungen verblassen.
"Es sind die Malledhrim."
Lamoriel bleibt stehen.
Die Valar mögen wissen, woher er das jetzt wieder weiss.
Ich spähe nach vorne, und endlich sehe ich einen goldenen Schimmer zwischen dem Geäst. Ein kleiner Trupp lagert bei einem Felsen, mehrere Elben ziehen enge Kreise der Wacht.
"Wir müssen sie meiden, wenn wir können, mein Freund. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns."
Ich gehe voran, bemüht, keine unnötigen Geräusche zu veranstalten. Sie sollen nichts von uns sehen, hören. Nein, sie sollen nicht von uns erfahren.
Wir sind die Verbündeten, die sich nicht zeigen."
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Fr 10. Dez 2010, 23:15
von Lamoriel
In der Ferne haben wir wieder das Zischen von hunderten von Pfeilen gehört.
Was diese Elben vorhaben kann ich nicht deuten und ich will es auch nicht.
Gerade ist Lugaidh fast auf die Füße von den Elben getreten.
Es scheint ihm schwer verständlich das wir um die anderen und uns zu schützen, ihnen besser nicht begegnen dürfen.
In der Luft liegt der Geruch von etwas altem.
Es klingt nach den Winden der Wiedergekommenen.
Wo wir uns hinwenden sind Warge,Schwarzhäute, diese Winde oder Menschen.
Auf einmal ist das Rauschen der Wasser da. Brandung erklingt in gut 2 Tagesmärschen.
Dort wird es hoffentlich sauberes Wasser geben.
Ich wecke Lugaidh aus seiner Kontemplation, wir müssen aufbrechen, auch wenn er die Ruhe bräuchte.
Mein Klingenstoß durch seinen Unterarm ist zwar verheilt, aber seine Augen flackern, immernoch von den Lichtern vor guten 10 Nächten.
Ich bin kein Feldscher, aber wenn wir nicht bald einen Heilkundigen finden, werd ich ihn nach dieser Reise auf seinem Schild heimtragen dürfen zu seinem Haus.
Langsam rafft er sich hoch und wir beginnen zu laufen, die 2 Tage werden wir nicht ruhen und gegessen wird im Laufen.
Nach den 2 Tagen in der Nähe des Brandungsrauschens knien wir hinter einer dicken Strauchkette und lauschen.
Es klingt nach sicher 10 Menschen und 3 Winden.
Ich deute meinem Kriegskameraden an mit unserem alten Schlachtruf aus Barad-dur über die Feinde zu kommen.
So brechen wir aus dem Dickicht mit einem lauten " LECHO GALAD! DREGO MORN!"
Er rammt 2 Feinde mit seinem Schild in vollem Lauf aus den Stiefeln und bekleidet 2 weitere mit rotem Gewand.
Nordstern singt sein Lied unter den Verderbten. Nach einiger Zeit erwachen wir beide in einem Kreis aus toten Feinden.
Ich lege die Augenbinde ab und das einzige was ich noch erblicke ist das giftgrüne Wasser und die Brücke mit verzierten Menschenopfern und Gedärmen geopferter Tiere.... und all dies überschattet von der Feste und SEINER Götze...
Ich lege die Augenbinde wieder an und werde sie erst wieder ablegen wenn wir auf einem Boot den Anduin herunter rudern.
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Sa 11. Dez 2010, 16:48
von Lugaidh
"Mit gezogenen Waffen arbeiten wir uns vor, Schritt um Schritt.
Schon seit einiger Zeit ist mein Schildarm müde geworden. Was ist das?
Irgend eine unmerkliche, seltsame Macht liegt in der Luft. Ich fühle, wie eine wohlige Müdigkeit meine Glieder befällt, doch mein Wille ist wehrhaft genug, um widerstehen zu können. Dunstschwaden umgarnen unsere Schläfen, es ist, als ob jegliche Geräusche von einer gähnenden Leere unterdrückt werden.
Seltsame Bilder tauchen vor meinem inneren Auge auf.
Ich höre Lamoriel irgend etwas sagen, doch seine Stimme ist weit entfernt und ich sehe ihn nicht.
Ich verschliesse die Tore und die Bilder verschwinden.
"Mellon nín? Wo bist Du, mein Freund?"
Eine seltsame Gestalt geht an meiner Seite. Viele kleine, grüne Bäume trägt er mit beiden Händen, dunkles Blut tropft von ihren winzigen Kronen.
Er wendet seinen Kopf, doch er trägt eine Maske und ich weiche zurück.
Lamoriels Stimme dringt abermals schwach von der Ferne zu mir.
Ich biete meinen Willen auf, die Gestalt verschwindet.
Irgend jemand packt mich am Ellbogen. Ich möchte herumwirbeln, dem fremden Angreifer den Arm in den Hebel zwingen, doch ich stocke. War das der Grauelb?
Ich blicke angestrengt durch den Nebel, sehe dann das Gesicht meines Kampfgefährten.
Plötzlich lodern Lichter auf, viele, blasse Lichter voll seltsamer Anmut.
Jemand schreitet vor mir daher.
Ich gehe einige Schritte vor: ist es.........?
Ungläubig lasst ich Schild und Speer fallen. Das kann nicht sein.
Fürst Maglor?
Eine ungeheure Freude droht in mir auszubrechen, eine, die mir jeglichen Verstand rauben wird. Ich halte kurz inne, doch dann lasse ich meine Vorsicht fahren.
"Hîr Maglor!"
Ich rufe und eile zu ihm. Ich sehe nur sienen Rücken, tiefblau leuchtet sein Panzer, ich erkenne die typischen Muster aus Lothlann.
"Hîr Maglor! Hîr Maglor!"
All die Jahre habe ich nach ihm gesucht, Berg und Wald, Fluss und See durchkämmt, und nun endlich habe ich ihn gefunden, den letzten Sohn von Fëanor, dem Erhabenen!
Ich rufe, doch vergeblich. Ich eile, doch vergebens - kaum tragen mich meine Beine voran.
"Heru Macalaure!" Ich rufe in der alten Sprache des Westens.
Er bleibt stehen. Beginnt sich umzudrehen, langsam.
"So lange habe ich Euch gesucht, Herr! Ich bin Lugaidh Anorfael aus Gondolin.
Ich hätte nie erhofft, Euch hier zu..."
Ich schweige plötzlich. Ist das denn Fürst Maglor?
Er blickt mich an. Nicht das mutige Gesicht des grossen Sängers.
Nein, es ist hart und kalt wie totes Gestein. Die weiss glühenden Augen bohren sich tief in die Meinen.
"Du wirst nicht entweichen, Angehöriger aus dem Stamm der Weltenverderber.
Die Macht des Herrn von Mordor steht hinter meinem Rücken."
Hasserfüllte Zeichen sprechen, ein Bann legt sich auf mir. Ich greife nach meinem Speer, doch er ist weg. Ich ziehen das Schwert, doch es ist schwarz geworden.
Ich weiss, ich bin verloren. Mein übermächtiger Wunsch hat mich geblendet, mir meinen Willen genommen. Blitzschnell kommt die Erkenntnis meiner Narretei über mich.
"Niemals...wird dein Herr...über jene gebieten, die in ihrem Herzen die Freiheit...die Freiheit verehren!"
Schwach klingen meine Worte. Das Wesen lacht leise.
"Denn diese Freiheit hat...hat vor langer...langer Zeit...
M - "
Ich vermag den Namen nicht auszusprechen. Die Gestalt kommt näher.
Plötzlich dringt ein jäher Schmerz in meinem Unterarm.
Die Bande zerreissen, ich fühle plötzlich wieder die verpestete Luft des Sumpfes.
"...vor langer Zeit Manwë Súlimo selbst unseren Vorfahren gelehrt!"
Ich sehe Lamoriel, der einen Dolch von meinem Arm wieder herauszieht. Das fliessenden Blut bringt mich wieder zurück. Der Name des Ainu wirkt wie ein Schwertstreich.
Die Gestalt zieht sich zurück.
Ich starre den Grauelben an, versuche, zu Atem zu kommen.
"Lamoriel?"
Später eilen wir von diesem verfluchten Ort, der Sinda voran, ich hinterher. Ich verbinde mir notdürftig den Unterarm. Die Wunde ist nicht gefährlich, und dankbar bin ich, sie empfangen zu haben.
Es gibt viele uralte Wesen in dieser Welt, und vielen wärest du alleine nicht gewachsen, Lugaidh, alter Narr.
Ich danke Elbereth, dass in der Stunde der Not einer da war, um mir zur Seite zu stehen."
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Di 21. Dez 2010, 14:35
von Lamoriel
"Fang an zu schwimmen" schrei ich ihm zu während, wir von einer Brüstung springen die sich an verwinkelte Gänge anschloss.
Ich höre ihn noch etwas schreien, aber verstehe es nicht.
Das Wasser schlägt mir gegen das Gesicht. Wir liegen am Strand, der Elb neben mir sieht wie jemand den ich noch vom Cuiviénen zu kennen glaube.
Er trägt Hauszeichen und Wappen der Noldorhäuser.
Ich sollte den Dolch bereithalten, so kann ich mich ihm am schnellsten entledigen, da er zu schlafen scheint.
Schnell beuge ich mich über ihn und der Griff des Stoßdolches rutscht schon in meine Hand. Da erkenne ich den Geruch und den Klang und werde gewar, das es Lugaidh ist.
Mein rechter Oberschenkel ist durchbohrt und ihn ihm klafft eine ausgebrannte schwarze Wunde breit wie ein Bolzendurchschuss. Die Schuppen meines Beinkleides verdecken ihn.
Als ich mich richtig aufrichte merke ich die vielen Wunden unter meiner Brünne.
Möge mein Haus wissen, wie sie dahin kamen.Die Brünne ist stark lediert.
Das linke Bein scheint notdürftig geschient zu sein und der Bruch einigermaßen sauber verheilt.
Es dringt Sturmgeheul an mich heran und man hört Waffengänge und das Surren von Pfeilen.
Dieser Noldor schläft immernoch und murmelt etwas von Falathlorn und Lembas.
Ihm werd ich schon Lembas geben, wenn es so weitergeht.
Nach einer sehr saftigen Ohrfeige öffnet er verschlafen die Augen. Auch sein Körper scheint sehr mitgenommen zu sein, denn er stöhnt vor Schmerz auf.
Ich greife nach meinen Waffen und mache mich sturmbereit, da die Geräusche immer näher kommen und zwar von allen Seiten.
Er steht auf und ergreift das geborstene Schild und den Speer " lass uns hier verschwinden." höre ich nur noch von ihm gesprochen.
Wir laufen los, da unser nächster Ruheort Thangulad oder gar Caras Galadhon sein wird.
Dort weiss ich das Nothrim Nissithil mit der goldenen Herrin noch Verträge hat, die um die Versorgung der unseren handelt.
Wollen wir doch mal sehen, was die alten Eide noch gelten, bei der Frau die übers Eis wandern musste.
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Di 21. Dez 2010, 17:12
von Lugaidh
Wir blicken hinunter in die Schlucht. Wie ein Abgrund gähnt sie uns entgegen, und aus diesem Rachen ragen dunkle Zähne herauf, schwarze Türme mit grün glimmenden Fenstern.
Bei Elbereth, diese Nacht ist finster wie die Wache Dorthonions, die Sterne sind verhüllt und wagen es nicht, zu diesem abscheulichen Ort hinunterzublicken.
Doch wir sind bis hier vorgedrungen, wir Wahnsinnigen.
Wir schleichen uns durch zerstörte Tore, über alte Treppen gelangen wir immer tiefer in die Schlucht.
Ein unablässiges Geflüster und Gemurmel liegt in der Luft, ich vermag ihre Bedeutung nicht zu erkennen, doch ich diese Sprache hat etwas Widerwärtiges.
Kann es sein, dass...?
Am letzten Tor partoullieren dunkle Gestalten. Es sind Menschen!
Es reut mich, meine Waffe gegen sie zu erheben. Narren! Das Schicksal dieses Zeitalters liegt in euren Händen, und was macht ihr? Ihr vergeudet eure Zeit und eure Kräfte an Lügen und Macht.
Wir schnellen hervor, überwältigen die erste Wache.
Ein Novize ist es, der da liegt, mit bleichem Gesicht.
Phantome haben sie erschaffen, mit denen sie diese Schlucht zur Hölle machen für jene, die sich vor dem Jenseits fürchten.
Wir bahnen uns eine schnelle Schneise und dringen in die grosse Feste ein, bevor man uns bemerkt.
Schliesslich stehe ich vor einer Statue, tief atmend und überströmt von Blut und Dreck. Wir hinterlassen Spuren von Leichen der unglücklichen Wächter.
Grauen umfängt mich. Diese Statue strahlt Verderbnis und Bosheit aus.
Ihre Augen sind tot, doch stets beobachtet sie uns. Ich muss mehrere unsichtbare Mauern durchbrechen, bis ich nahe genug an ihr herangetreten bin, um die Runen zu entziffern, die auf dem Sockel stehen:
"Wahres Sein ersteht in Macht.
Entbiete Deinen Gruss an den Verwalter der Eisernen Burg, den Herrn von Minas Tirith, den Meister der Gaben, den Herrn von Númenor und Eregion, den Gebieter des Schwarzen Landes."
Wie eine Welle der Übelkeit durchfährt es meine Glieder.
Gorthaur!
Kann das sein?..
Lamoriel steht etwas abseits, ihm scheint es ebenfalls nicht zu behagen hier.
Wir eilen weiter.
Stahl kracht auf Stahl, Knochen auf Knochen. Lamoriels Klingen schneiden einen tollkühnen Angreifer sauber entzwei. Ein listiger Wächter springt mir auf den Rücken. Mein Schild zermalmt ihm die Brust samt Rüstung.
Wir stehen vor der nächsten Statue.
"Wahres Sein ersteht in Macht.
Entbiete Deinen Gruss an den Verwalter der Eisernen Burg, den Herrn von Minas Tirith, den Meister der Gaben, den Herrn von Númenor und Eregion, den Gebieter des Schwarzen Landes."
Wieder Gorthaur.
Ein Anfall der Kraftlosigkeit droht sich mir zu bemächtigen.
Das kann nicht sein...Wir wissen, dass der Verfluchte im Schwarzen Land weilt.
Doch was in aller Welt ist dann hier?
Wer ist das Oberhaupt des Turmes vom Düsterwald?
Schreie ertönen hinter uns, Klirren von Waffen.
"Wir haben keine Zeit mehr" ruft mir der Grauelb zu.
"Es reicht! Wir haben gefunden, was wir hier brauchten!" schreie ich ihm zu.
Wir hasten den Zinnen entlang. Ein stinkender Wind bläst.
Wir rennen überstürzt die Treppen hinunter.
Am Tor stehen mehrere dutzend Krieger bereit.
Ich blicke Lamoriel an. Nicht verkehrt, an der Seite eines Kämpfers der Sindar zu sterben.
"In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass Du wie ein Mädchen kämpfst!"
Rufe ihm ihm zu und stürze mich grimmig lachend ins Getümmel.
Er eilt mir sofort nach, um es mir heimzuzahlen.
Mehr taumelnd denn rennend verlassen wir die verfluchte Schlucht.
Meine Armschienen sind zerstört und meine Wade von einer Kampfhacke zerfleischt. Wir halten erst inne, als wir den Saum der Kiefern auf dem Kamm erreicht haben.
Wachsames Herz, versage jetzt nicht.
Noch immer ragen die gigantischen Umrisse des dunklen Turmes auf. Es mögen nur noch einige Meilen sein bis zum ersten Zwinger.
Ich beruhige meinen Atem wieder, spähe die Richtung nach Thangûlhad aus, mich auf meinen Speer stützend.
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Mi 22. Dez 2010, 15:21
von Lamoriel
Wir sind drinnen!
Eine dunkle von Fackeln erleuchtete Arena erschliesst sich um uns herum.
Überall liegen Knochen,Schädel und andere Reste von Gefallenen, ob die der freien Völker oder der anderen, ist nicht mehr zu erkennen.
Jeder unserer Schritte knirscht laut.
Lugaidh stellt sich vor den Feldscher, den wir dabei haben.
Sein Schild ist gespickt von Pfeilen. Wir erblicken 8 Trolle mit Trommeln um die Arena herum verteilt. neben ihnen jeweils 2 Menschen und in der Mitte erblicken wir etwas, das uns innehalten lässt.
Ein Nazghul sitzt auf seinem Reittier und blickt uns ruhig entgegen.
Sein Gestank lässt Galle in der Malledhrim aufsteigen die uns begleitet.
Man hört deutlich ihr würgen und das Entleeren des Magens.
Lugaidh murmelt etwas von „ Hab Acht Lamoriel, es scheint eine Falle zu sein.“
Ich hatte doch schon immer gewusst, das er halt doch Noldorblut in sich trägt.
Nachdem kontrollieren des Sitzes meiner Augenbinde schreite ich vor.
„ Mein Name ist Lamoriel Sternensturm!“ schreie ich ihm herüber, doch nichts rührt sich.
„ Klingentänzer aus Beleriand, Mitglied Nothrim Nissithils, dem dritten Kriegshaus des hochehrwürdigen Doriaths!“ rufe ich weiter. Auch da rührt sich nur wenig, man merkt das die Menschen unruhig werden.
„Ich bin hier um euch die heilige Fehde anzutragen um euer Haus, euer Ehre und euer Besitz.“
Daraufhin beginnt das Tier des Nazghul zu kreichen in einer Ohrenbetäubenden Lautstärke und der Nazghul stimmt in diesen Lärm mit ein.
Hinter mir höre ich wie der Noldor seinen Stand verfestigt und die Pfeile mit dem Speer abhebelt. Die Elbe beginnt zu wimmern.
Es beginnen die Trolle zu trommeln. Erst ist der Takt ruhig und wird dann immer schneller.
Jede Takterhöhung beginnt Wellen von unterscheidlichsten Ausgeburten der Finsternis aus den 3 Toren der Arena zu speien.
Doch wir halten uns.
Weithin hört man schon fast den Ruf „ Lecho Galad! Drego Morn!“ den wir fast wie Gebete bei jedem zweiten Schlag zu sprechen beginnen.
Lugaidhs Geist scheint wirklich etwas abbekommen zu haben, sein Verhalten deutet daraufhin das er nicht mehr weit entfernt ist von der Bärenwut.
Irgendwann hören die Trommeln auf und die Wellen verebben.
Als der Nazghul das zu sehen scheint, sucht er sein Heil in der Flucht.
Wieder einmal habe ich meinem Haus Ehre und Ruhm gebracht.
So beginnt unser Weg nach draussen und hinein in den aufgewühlten Bienenkorb.
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Do 23. Dez 2010, 20:38
von Lugaidh
Von Thangûlhad sind wir aufbegrochen.
Eine Heilerin der Malledhrim schliesst sich uns an. Ihren Bruder, ihren Onkel und ihren Sohn verlor sie während den Scharmützeln im Düsterwald, nun weicht sie vor nichts mehr zurück, denn sie hat nichts mehr zu verlieren.
Wir kommen durch halb abgebrannte Wälder immer näher an die dicken Mauern der Festung heran.
Stumme Tränen rinnen in mein Herz und hinterlassen brennende Narben, als mein Auge über die Lichtungen schweift, wo die Kämpfe an den vordersten Linien besonders hart gewütet haben.
Überall liegen die Körper der Gefallenen.
Ich rolle den hässlichen Leichnahm eines grossen Berserkers auf die Seite, und betrachtet das schöne, bleiche Gesicht eines dahingeschiedenen Elbenkriegers.
Seine Lippen sind geschwollen und leicht bläulich, die Augen friedvoll geschlossen, nur die Augenbrauen zeichnen innige Linien leiser Melancholie.
Wer warst du, mein Freund?
Wie hiess der Bach, an dem du als kleines Kind spieltest?
Wie hiessen die Berge, die Du so oft von der Ferne erblicktest?
Wer war deine Geliebte, die nie mehr dein Lächeln sehen wird?
Was ahntest du, als du hierhin zogest, um deinen eigenen Tod zu suchen?
Schön ist das Angesicht der Toten, der Siegreichen.
Ich wende mich schweren Herzens ab.
"Ruhe in Frieden, befreite Seele, ruhe in Frieden..."
Genug Tode und Niederlagen sah ich, um viele Leben damit zu füllen, doch jeder Verlust wiegt gleichviel wie die Last von all den hunderten von Jahren.
Wir setzen unseren heimlichen Pfad zwischen den Bäumen fort.
Lärm rauscht in den Ohren, stumme Schreie, dumpf donnernder Klang schweren Gesteins, das Knirschen von Eisen, das Kreischen von unausdenklichen Kreaturen, der Druck des Feindes senkt sich über uns.
Wir brechen durch eines der Nebentore von Dol Guldûr.
Es ist offen...
Eine Falle?
Mit viel Mühe und Not passieren wir die grausamen Wächter aus Stein.
Einige ahnungslose, patroullierende Krieger überwältigen wir in sekundenschnelle.
Unablässig rufe ich mir das strahlende Antlitz Elbereths in den Sinn, ihre Augen, die durch jede Finsternis dringen, ihre deutende Hand, die einst die Sterne erschuf.
Steh' uns bei, Sternenentzünderin, Wahnsinn und Vernunft zugleich trieben uns an diesen verfluchten Ort, den kaum jemals einer freiwillig betrat.
Stunden über Stunden gelangen wir immer tiefer in die Feste, Ring um Ring, Mauer um Mauer, Zwinger um Zwinger. Immer wieder laufen uns Wächter über den Weg, die wir zu ihren erschlagenen Freunden schicken.
Ich blicke nach oben.
Keine Sterne sind zu sehen, pechschwarze Finsternis scheint wie ein Brodem des Hasses von der Feste emporzusteigen, alles Lebendige verschlingend.
Tausende glitzernde Fenster glimmen mit grünen und roten Lichtern.
Die Valar wissen, was dort drinnen alles geschieht.
Riesig ist der Turm.
"Falls sie Alarm schlagen, ist es vermutlich aus mit uns, Lamoriel", sage ich meinem Schwertgefährten.
Die Heimlichkeit ist unsere einzige Hoffnung.
Einige gewaltige, gepanzerte Trolle marschieren an uns vorbei, während wir uns in dunkle Nischen verbergen.
Ziemlich weit oben greifen wir einen Trupp Orks an.
Bevor sie fallen, lässt ihr Anführer ein gehässiges Lachen fahren.
Ich ramme ihm die Zähne bis hinunter in den Hals mit der Schildkante.
Doch dann merke ich, dass etwas nicht stimmt.
Augen ruhen auf uns, tausende wachsame, boshafte Augen.
Ich spüre ihren Blick, auch wenn ich sie nicht sehe.
Das Geräusch vieler leisen Füsse dringt an mein Ohr...
"Lamoriel, schnell!"
Ich packe den Sinda am Arm und zerre ihn weiter hinauf.
Beim ersten Hof rennen wir hinein, doch das Tor zur Halle ist geschlossen.
Bewegung fährt durch die Luft. Ich spüre den Atem der Horden, die nun in Bewegung gesetzt wurden, um uns zu zerdrücken.
"Hier hinein!" Ruft Lamoriel, doch kein Riegel ist zu sehen.
Ich stosse den Speer mit aller Macht gegen die Tormitte, doch mit einem hellen Klirren zerbricht die Waffe und ein grausames Zeichen blitzt in meinen Gedanken auf. Ein starker Bann versperrt uns den Weg.
Ich ramme das Tor mit dem Schild, wieder und immer wieder, leise Worte an Aulë murmelnd.
Es wankt und stöhnt, doch es öffnet sich nicht.
Schliesslich schmettert Lamoriel seine Zwillingsklingen dagegen und die Torflügel brechen auf. Hinter uns vernehme ich bereits Gekreisch und Geschrei, wir stürmen in den Saal, gerade noch schwinge ich mir den Schild auf dem Rücken, als ein unerwarteter Pfeilregen auf ihn niederfährt.
Gerade noch schliessen wir die Türe, verriegeln sie mit allem, das uns in die Hand fällt.
Die einzige Hoffnung liegt nur noch darin, weiter in die Halle vorzustossen, deshalb eilen wir den Gang hinauf und betreten eine Arena.
Den nutzlos gewordenen Schild befreie ich von den Geschossen und lege ihn zu Boden.
Úlaira!
Ein schattenloser Diener des Feindes erwartet uns, und das Grauen ergreift mein Herz. Auf einem enormen Flügeltier sitzend, blickt sein leeres Gesicht uns entgegen.
Elbereth, steh uns bei!
Doch warum zurückweichen, wenn man doch sowieso keinen Rückweg mehr hat?
Ich bezwinge die Furcht und schreite weiter voran, auch wenn ich weiss, dass selbst eine Einheit gut gewappneter Elbenkrieger gegen diesen Feind machtlos wäre.
Der Mut unserer Begleiterin, die mit stoischem Willen die Entbehrungen und Nöte dieses Ausfluges ertrug, bricht nun in sich zusammen.
Hier sind wir dem Feind ausgeliefert, und wir wissen es alle.
Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa
Verfasst: Mo 3. Jan 2011, 15:25
von Lamoriel
Wir sind in der Dunkelsenke angekommen!
Eine Überfahrt nach Lothlorien ist auch schon gebucht.
Man schifft uns mit anderen Verletzten über den Anduin.
Gestern habe ich leise mit einem der Galladhrim gesprochen ob es möglich sei bei Celeborn und Galadriel ein Gespräch zu bekommen, wir hätten wichtige Informationen.
Er sagt uns zu, wenn wir im goldenen Wald wären, das man dort unsere Bitte weitertragen würde.
Nun sind es schon 2 Tage die wir am Ufer des Anduin ruhen und von den Feldschern versorgt werden. Es steht nicht sehr gut um meinen alten Noldorfreund.
Er spricht im Wundfieber über den See und das wir nicht sicher sein.
Scheinbar hat er das selbe Problem wie ich, nur das ich so denke, ohne an Wundfieber darnieder zu liegen.
Man legt uns immer wieder frische Verbände auf die Wunden und sie singen heilende Lieder.
Ständig glauben wir beide die Stimme der goldenen Herrin zu hören.
In einer wachen Phase spricht Lugaidh, er fühle sich wie nach dem ersten Millenium. So ungebunden und jung.
Ich lache und meine, das wir nicht mehr die jungen Männer seien, die wir damals waren.
Das ich heute ein Gast seines Hauses bin, weil mein Rat mich darum bat um auf den Tûr des Hauses Acht zu geben.
Daraufhin nickt er verstehend und lacht dann wieder als er meint "Na solang du uns Noldor nicht wieder auf die Nase bindest, was damals so alles falsch gelaufen ist, wird dir niemand bei uns Groll wollen."
Verwundert schaue ich ihn an, nun merke ich das es das Fieber ist, welches ihn so sprechen lässt und doch glaube ich das er meint was er sagt, auch wenn seine Zunge sehr gelöst zu sein scheint.
Man trägt mich auf Bahren herum, da meine Beine nicht mehr wollen.
So also fühlt es sich an, wenn man am Rande des Lichtes ist.
Sie lassen uns soweit auskurieren bevor wir erfahren, das Haus Galadriel uns eine Audienz gewährt. Früher hätten Sie sich gefreut von Haus Nissithil zu hören, aber die Welt wandelt sich nun scheinbar wirklich, wenn man selbst in Lothlorien nicht mehr die Zeit findet Bekannte aus alter Zeit am Krankenbett zu besuchen.
Lugaidh legt sich schon die schönsten Gewänder bereit die er hat, für die Audienz, er hat sogar in Caras Galladon sich eine neue Robe schneidern lassen für diesen Augenblick.
Irgendwie vermute ich das wir hier mehr erfahren werden, als wir dort drüben hinterm Anduin schon erfahren haben.
So also lasse ich mir helfen dabei, meine Brünne zu putzen und die ehrenvollen Hausgewänder darunter anzulegen.
An den Gedanken das Lothlorien im goldenen Wald selbst sicher sein solle, kann ich Anbetracht der Schwarzhäute drum herum nur schwerlich glauben.
Aber das sagen sie ja auch über Falathlorn und da steht keine der mächtigsten Elbenfrauen mit ihrer Macht dahinter und behütet sie.
Das Anlegen der Brünne verursacht sehr wohl Schmerzen bei mir, aber die zeigen mir das ich lebe und nicht hinter dem Anduin der Finsternis anheim gefallen bin.
Nachdem Rüsten begeben wir uns zum weißen Baum....