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Erinnerungen an das Letzte Bündnis

Verfasst: Mo 22. Jun 2009, 16:06
von Lugaidh
Erinnerungen an das Letzte Bündnis
Fragmente aus den Notizen von Caragrist Turmaluin und Telemnar aus Arnor


Vorwort.
„Das Dritte Zeitalter der Sonne ist nun angebrochen.
Im ungewissen Schimmer einer kühlen Morgensonne ersteht diese Zeit vor den Augen der noch in Mittelerde weilenden Elben.
Wo sind wir angekommen? Welche Fragen, welche Dunkelheit, welche Nebel wird uns dieses Zeitalter stellen? Die Menschen tragen eine gottgegebene Hoffnung in den Herzen, doch der Elben zu viele haben bereits zu tiefe Wunden davongetragen, die selbst die Zeit nicht heilen kann. Im Glauben, einen Feind niedergeworfen zu haben, ersteht er in einer anderen Form, einer anderen Gestalt, einer anderen Herausforderung.
Gorthaur mag niedergeworfen sein – doch wer vermag die Saat zu tilgen, die er gesät?
Nur die Form kann man einem Ainu nehmen, doch nicht den Geist. Mögen die Hoffnungen der Menschen wahr werden und möge der Name des Feindes auf ewig in der Finsternis der formlosen Ohnmacht gebannt bleiben.
Dieser neue Morgen ist nur einer von vielen Sonnenaufgängen, und eine lange Nacht eilt ihr voraus. Lasst mich von dieser Nacht künden, damit wir den Aufgang der Sonne auf ein neues, unverfälschtes mal im Herzen verehren mögen.
Unsere Völker boten dem Dunkel die Stirn und durch unsere Mühen und Schmerzen sind wir nun hier an der Schwelle des Dritten Zeitalters.
Diese Berichte sind Fragmente aus den Tagen des Letzten Bundes zwischen Ereinion Gil-Galad und Elendil dem Langen und ihren Völkern. Sie wurden von mir und meinem teuren Freund Telemnar durch einen Zeitraum von Sieben Jahren verfasst, als wir zusammen gegen die Heere des Schattens fochten an der Seite unserer Mitstreiter.
Durch abschliessendes Zusammenfassen dieser Berichte bringe ich meinem Freund die letzte Ehre und Kunde meiner Zuneigung dar; denn er ist einen Tag vor Anbruch des neuen Zeitalters aus diesem Leben geschieden.
Wie einst schon Finrod Felagund, der „Höhlenschleifer“ und Freund Berens gesagt haben soll:
„Keine Kraft dieser Welt, und weder Tulkas noch Eonwë werden die Finsternis, die im Herzen Ardas wuchert, von dir fernhalten können, solange du nicht den Weg nach Valinòre findest, die Hoffnung der Kinder Ilùvatars als dein Feuer in dir tragend.“
Damit fasste er die verstehende Geisteshaltung der Hochelben und Edain Beleriands im Ersten Zeitalter in eine Aussage.
Doch welches war nun die Herausforderung des Zweiten Zeitalters der Sonne an uns und haben wir sie erfüllt?

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Nachdem sich Hoher König der Eldar, Ereinion Gil-Galad und Elendil Amandilion, König der Menschen Nùmenòrs beraten hatten, sahen sie die Macht Sauron Gorthaurs in einem unaufhörlichen Wachstum seiner Kräfte und im andauernden Zwiespalt zwischen den Völkern Mittelerdes erstehen. Sie beschlossen Kraft ihrer Weisheit und ihrer Voraussicht, die Völker zu einen und gegen den Feind zu ziehen, solange die Zeit reif war. Diese Erhebung Elendils des Langen und Gil-Galads gegen den Schatten wird der Letzte Bund genannt, und seine Ereignisse spielten sich in einem Zeitraum von neun Sonnenjahren ab, am Ende des Zweiten Zeitalters der Sonne.



„Heute bin ich lange an den Hängen südlich der Barad Nimrais gewandert. Mein kleiner Sohn wird morgen zu Norniel nach Annuminas reisen.
Als meine Dienstzeit kam, trat ich durch das Tor und in die Feste der weissen Türme.
Vor der Treppe begegnete ich Canadhir und später Calenglas vor dem Saal; als ich ihn abgelöst hatte, trat ich in meine Kammer und nahm die Waffen.
Herr Elendil weilte heute wieder auf der Terasse des kleinen Saales neben seinem Zimmer. Ich prüfte den Raum und stellte die Abwesenheit einer möglichen Gefahr sicher.
Ich sprach kaum mit meinem König.
Heute stand er wieder ganz still da, wie ein grosser Baum aus fernen Elbenlanden.
Er blickte gen Westen, über die See; schweigend, unglaublich ruhig.
Tut er oft, und ich weiss auch, weshalb.
Wenigen ist aufgefallen, was ich sah: wenn er den Blick über das Trennende Meer schweifen lässt, sind seine Augen gebrochen, pochender innerer Schmerz trübt sein Sehvermögen.
Zu sehr warst du uns ans Herz gewachsen, Numenòre, Land der Sieben Gestirne.
Deinem Untergang in den Wassern werden wir auf ewig nachtrauern müssen…“
(14. Tag 7 Monat, 3429 Jahr des 2. Zeitalters der Sonne. Geschrieben von Telemnar)





„Lindurs Liederabend war sehr inspirierend. Seine Bilder und Visionen waren eindrücklich, beschworen Gefühle der Entsagung und der Zuversicht.
Es ist warm heute, Eulen und Nachtigalle schwärmen durch die sternklare Nacht.
Später ging ich zum Rondell am See und löste Anduhir von seiner Nachtschicht ab.
Hoher König Ereinion sass immer noch an seinem Tisch aus Nan-Tathren;
er betrachtete mit seinen klaren, scharfen Augen aufmerksam eine Karte Rhovanions.
Die unzähligen Papierbündel, die rechts und links verstreut herumlagen, erweckten den Eindruck grosser Geschäftigkeit und Dringlichkeit.
Ich lehnte mich an meinem Speer und schaute auf den See hinaus. Spiralen an der Oberfläche zeugten von einem beachtlichen Vorkommen der Fische hier.
Einige Zeit später stand Herr Ereinion auf und faltete die Karten zusammen.
Er wünschte mir eine gute Nacht und verschwand lächelnd im Vorhof des Palastes.
Seine Freundlichkeit und sein grosses, tapferes Herz lassen ihn jede Seele gewinnen, die mit ihm in Berührung kommt.
Hinter dem Pavillon quakte ein einzelner Frosch leise zu den Sternen hinauf.“
(19.Tag 7 Monat, 3429 Jahr des 2. Zeitalters der Sonne. Geschrieben von Caragrist)



„Gestern kam die Kunde, dass Prinz Isildur in Lindon mit einigen Schiffen ankam.
Der Feind scheint Gondor angegriffen zu haben; der Turm des Mondes ist genommen worden, Prinz Anàrion verteidigt Osgiliath gegen die Horden.
König Elendil ist sofort abgereist, als die Kunde kam; ich soll einstweilen mit anderen königlichen Gardisten bei den Türmen bleiben.“
(7.Tag 8 Monat, 3430. Geschrieben von Telemnar)



„Der Rat hat entschieden: wir werden ein Bündnis zwischen den freien Völkern Mittelerdes schliessen und Mordor angreifen.
An der Weisheit Herrn Ereinions und der Weitsicht König Elendils zweifle ich nicht.
Gewiss erstarkt der Feind hinter den Mauern des Schattengebirges, während wir untätig sind. Es dämmert mir: dies wird einer der entscheidendsten Kriege (und hoffentlich der letzte) in Mittelerde sein. Sollten die Valar uns einen neuen Morgen zuteil werden lassen, möge es ohne den Schatten Sauron Gorthaurs geschehen!
Ich fühle mich bereit.“
(12. Tag 10 Monat, 3430. Geschrieben von Caragrist)



„König Elendil hielt einige letzte Paraden in Annuminas am Abendrotsee ab…
Dann zogen wir mit ihm und der Vorhut durch das nördliche Arnor bis hin zu den Wetterbergen; die Reise dauerte etwas mehr als eine Woche.
Am Amon Sûl empfing uns Turmherr Halmir mit gebührendem Empfang.
Diese grosse Turmbefestigung ist sehr stark und liegt auf einem hohen Berg, den gemeine Menschen hier die Wetterspitze nennen. Sollte hier einmal ein Angriff erfolgen, werden sich die Wachen ausgezeichnet zu verteidigen wissen!
Der König verbrachte einige Tage in seiner Kammer und schien einigermassen beruhigt zu sein. Ich denke, er hat über den Palantìr von Amon Sûl Verbindung zu Prinz Anàrion, und des Königs Ruhe ist eine gute Neuigkeit, da der Prinz den Feind vermutlich zurückgedrängt hat


[hier scheinen einige Seiten zu fehlen]



„Obwohl ich bereits einmal in Imladris war, erstaunt mich dieses Tal nun mehr als zum ersten mal. Man hat wahrhaftig das Gefühl, aus der Welt hinauszutreten und in Gefilde vollkommener Ruhe, Freude und Erfrischung einzutauchen.
Die Vielfalt der erschienenen Streiter ist gewaltig; doch die Elben hier begegnen jedem mit gleich ausgesuchter Höflichkeit und freundlichem Vertrauen. Hatten König Elendil und König Gil-Galad doch schon beim Amon Sûl ihre Garden und ihre jeweilige Vorhut gemustert, so war hier wohl beinahe ganz Arnor und Lindon versammelt.
Da ich zwei Tage Dienstpause hatte, schlenderte ich duch das Tal und betrachtete eingehend die lagernden Gäste. Imladris schaut zwar klein aus, aber im ganzen Tal ist dennoch unglaublich viel Platz; auch wurden vermutlich die Höhlensysteme in den Felsen zur Beherbergung genutzt.
Alles war voll von bunten Zelten und wehenden, farbigen Bannern.
Von unserer Streitmacht war wohl nur ein Zwölftel zurückgeblieben, um Annuminas zu sichern; alle anderen waren mitgezogen, um an der Seite ihres Herrn zu kämpfen.
Ausser der königlichen Garde und der Vorhut König Elendils war Prinz Isildur der Mächtige mit vielen Tausenden von Bogenschützen und Schwertkämpfern aus Arnor gekommen.“
(8.Tag 5. Monat 3431. Geschrieben von Telemnar)



„Als die Heere der Elben und Menschen gemustert waren, hielten König Elendil und Ereinion Gil-Galad Rat mit Cìrdan aus Mithlond, Elrond, Herr von Bruchtal und Erster Herold Ereinions, Isildur und Beregond, General der Streitkräfte Numenors.
Es wurde beschlossen, alle Pferde in Imladris zurückzulassen, da das Relief der vorgezeichneten Strecke zu Fuss leichter zu bewältigen schien. Ausserdem war vorerst keine Eile geboten, da Osgiliath einstweilen in Sicherheit war. König Elendil beharrte darauf, so viele Streitkräfte wie möglich unterwegs um uns zu scharen (auch auf Kosten der schnellen Fortbewegung). Das Datum des Abmarsches wurde festgelegt und anschliessend folgten einige Ruhetage.
Anbetracht der Lage war ich froh, aber mir schien, dass ich nie und nirgends sonst ein dergleichen grosses und prächtiges Heer der Elben und Elbenfreunde gesehen habe…
Schon nur die Vielfalt der Banner raubte einem schier den Atem.
Ich ahnte zwar, dass Mordor uns an Zahl nicht nachschlagen würde, aber ein gewisse stolze Vorfreude, auch wenn sie mit einigen Zweifeln verbunden war, bemächtigte sich meiner. Am letzten Tag vor der Abreise entliess mich Herr Ereinion am Abend vom Dienst und riet mir lachend, mich zu den Elben aus Harlindon zu gesellen, die oft ausgiebige Feste feierten und sich dem Wein, der Dichtkunst und dem Tanz hingaben…“
(29. Tag 5. Monat 3432. Geschrieben von Caragrist)




„Heute Mittag hat unsere Reise-Abteilung den Rothornpass erreicht. Manchmal denke ich mir: sind wir die Getreuen und Kämpfer König Elendils oder ist er unser Diener?
Oft stapft er allein in den dicken Schnee Schneisen für uns und nimmt so den grössten Teil der mühseligen Wanderarbeit auf sich. Dauernd sieht er nach uns und springt jedem von uns bei, wenn er in den Schnee versinkt oder ausrutscht…
Er ist wohlgemerkt ein König unter Menschenkönigen und jedem Zwergenfürst an Würde und Macht überlegen, und dennoch ist er jeden Augenblick bereit, der niederste Diener für jeden beliebigen seiner Untertanen zu werden; seine Weisheit, Voraussicht und sein beinahe erschreckender Mut und unbeugsamer Hoffnungstrieb machen ihn eben zu jenem Mann, den wir, seine königlichen Gardisten, so verehren: unser König im Exil.
Jeder von uns würde bedenkenlos sein Leben für ihn geben, sollte es einmal dazu kommen.“
(21. Tag 3. Monat 3433. Geschrieben von Telemnar)



„Morgen werden wir, so das Wetter und die Umstände es erlauben, das Schattenbachtal erreichen. Die lange und anstrengende Überquerung der Hithaeglir haben dazu geführt, dass wir mehrere Lager für eine längere Rast einlegen müssen, da wir, obwohl zu Fuss, dennoch viel Gepäck und Kriegswerkzeug mit uns führen.
König Ereinion weigerte sich, Hadhodrond (Khazad-Dûm auf der absolut unmusikalisch-barbarischen Sprache der Naugrim genannt) mit dem Heer zu betreten, als Elrond Earendilion dies als Möglichkeit erwog (möglicherweise wollte er die Freundschaft zwischen Zwergen und Elben nicht durch ein so kriegerisches Auftreten ausreizen). Er schickte jedoch eine Gesandschaft von Noldor aus dem ehemaligen Eregion in die Minen (mit denen sich die Naugrim am besten verstanden), um die Zwerge um Beistand zu erbitten; vor allem auf die Unterstützung des Volkes von Durins hoffen Ereinion und Elrond.
Wegen den dichten Frühjarsnebeln kommen wir nur langsam voran und dauernd schwärmen Späher nach allen Richtungen aus. So seltsam es scheint: kein einziger Feind wurde bis jetzt auf der monatelangen Reise gesichtet. Was hat das zu bedeuten?
Die Tirn en Aran (auch Wache des Königs) sichert stets die Lager und befindet sich meist in Nähe von König Ereinion. Dieser edlen Schar mit anzugehören ist mir eine grosse Ehre, zudem sind wir bereits fast wie Brüder, nach all den langen Jahren zusammen in den Ennorath…“
(23 Tag 4. Monat 3433. Geschrieben von Caragrist)



„Nach dem längeren Rast am Anduin, und nachdem eine Schar Zwerge aus Moria zu unserm Heer dazugestossen waren, schloss sich uns eine Streitmacht der Elben von Lòrien unter Fürst Amdìr mit vielen wendigen Booten an. Die Galadhrim sind gut gerüstet und sehr geschickte Jäger und Krieger, wenn es darum geht, dem Gegner an Schnelligkeit und Verstand überlegen zu sein.
Ich kenne mich zwar nicht gut unter den Elbenrassen aus, aber diese Elben scheinen sowohl zu den Grau-Elben als zu den Hochelben zu gehören.
Die Hochelben sind in der Armee Gil-Galads mit Abstand am meisten vertreten; sei es ob ihrer uralten Macht und ihrem unbeirrbaren Glauben oder ob ihrer überlegenen Kriegstüchtigkeit. Die Sindar sind eher Dichter und Wanderer denn Kämpfer, wobei auch sie in einer beachtlichen Zahl in den Reihen vertreten sind, soweit ich es im Überblick habe. Gerade eben wird ein Kriegsrat der vereinten Heere abgehalten; ich befinde mich eben neben einem grossen Zelt neben der Ratslichtung und schaue auf den Anduin hinaus. Ausser dem Grünwald im Nordosten ist eine leicht flimmernde Dunkelheit im Südosten bemerkbar, vermutlich ein Sturm. Eine kühle Brise weht, der Himmel ist leicht bewölkt. Mein Schwert hatte eine Beule am Knauf, vorher hat Caragrist sie mir geglättet…“
(2 Tag 6. Monat 3433. Geschrieben von Telemnar)




„Gerade eben sind zahlreiche Abteilungen von Waldelben unter Herr Oropher und seinem Sohn Thranduil aus dem Norden eingetroffen; begleiet werden sie von (wie mir scheint) wilden Menschen, Jäger und Wilderern. Zumindest werden sie Kundschafterarbeit leisten können; die Waldelben indes dürften geschickte Bogenschützen sein. Die blosse Gegenwart König Gil-Galads hat eine Leidenschaft in diesen sonst sehr verschlossenen Elben entfacht, dass es mir schwierig scheint, ihre Pfeile vorerst zu zügeln.“
(30 Tag 11 Monat 3433. Geschrieben von Telemnar)



„Gestern haben wir den Anduin mit den Boten der Galadhrim schichtweise überquert und befinden uns gerade auf einer Umrundungsreise um den südlichen Grünwald.
Die Heerführer haben am anderen Ufer des Anduin die Trompeten blasen lassen und die Streitkräfte der vereinten Heere haben Aufstellung angenommen (da wir nach ihrem Erwägen bereits in Reichweite des Feindes sein könnten). So kommen wir zwar sehr langsam voran, sind aber geschützt und bereit, auf einen Überraschungsangriff zu reagieren. Bevor wir losmarschiert sind, haben König Elendil und König Ereinion Gil-Galad uns aufgefordert, die Sinne wach und offen, die Gedanken konzentriert und die Herzen rein und kühn zu halten. Ereinion sprach (in der Weisheit seiner Voraussicht) von einem baldigen Zusammentreffen auf den Feind und auf die enorme Wichtigkeit unseres Zusammenhaltes. König Elendil beteuerte den Zusammenschluss der Freien Völker Mittelerdes und schwor, entweder als Sieger aus dem Kampf mit Sauron Gorthaur hervorzugehen oder für eine Zukunft freier Menschen, freier Elben und freier Zwerge zu sterben. Daraufhin hat er sein riesenhaftes Schwert (das von den Numenorern Narsil genannt wird) in die Höhe gehoben und mit einem gewaltigen Schlachtruf riss er die Heere mit in seine Begeisterung und Leidenschaft. Danach trat König Gil-Galad vor und rief die Valar als Zeugen grenzenloser Einheit zwischen den Kindern Iluvàtars an; und die Könige umarmten sich und mischten demonstrativ ihre königlichen Garden, sodass Herr Elendil nun von Elben wie Menschen beschützt wurde und so auch Herr Ereinion.
Da waren alle Bande zwischen den Völkern gebrochen und mit Freude stellten sich Zwerge, Menschen und Elben untereinander, um zusammen zu kämpfen oder zusammen zu sterben. Nie habe ich an jenem Tag und in den darauffolgenen Tagen eine vergleichbare Freundschaft zwischen den Rassen erlebt….als ob die Schleier, die uns voneinander trennen, durch das Mitgefühl und die Weisheit König Gil-Galads und die Voraussicht und den Mut König Elendils niedergerissen worden wären. Von da an stand ich Seite an Seite mit Telemnar, meinem verehrten Freund und abwechselnd schirmten wir den Elben- und den Menschenkönig.“
(14 Tag 2 Monat, 3434. Geschrieben von Caragrist)



„Heute Morgen ist der Grossteil der Heere Prinz Anàrions zu uns dazugestossen. Die Bogenschützen und Schwertkämpfer sind zahlreich, gut bewaffnet und furchtlos. Prinz Isildur hat seine drei ältesten Söhne zu Meneldil, dem Sohn Anarions nach Osgiliath geschickt, um Gondor zu sichern.
Mit Freunden begegnete König Elendil seinem Sohn, und auch Prinz Isildur war froh, seinen Bruder Anàrion wohlauf und unversehrt wieder zu sehen.
Anàrion ist meist schweigsam und zurückhaltend, doch sehr tapfer und hat ein grosses, mitfühlendes Herz für jedes Elend und jede Not dieser Erde; in seiner Voraussicht und seiner Gabe der klaren Betrachtung der Dinge schlägt er ganz seinem Vater nach.
Isildur, der ältere Bruder und Prinz, ist eher aufbrausend und der Abenteurer von den beiden. Über seine Taten gibt es bereits Dichtungen und Anekdoten!
Fürwahr, er ist ein gewaltiger Krieger und mutiger Anführer, doch manchmal steigt ihm seine Unbesonnenheit zu Kopf, und dann ist Prinz Anàrion der goldene Ausgleich an seiner Seite.
Wir setzen unseren Weg vorsichtig und langsam fort, haben gerade nördlich der Emyn muil abgebogen in Richtung der Braunen Lande, ein von vergessenen Kriegen verheertes Land, das öde und unbewohnt ist, dessen Erde brach liegt.Was mein kleiner Junge denn wohl gerade macht? Der kleine tapfere Löwe?..
Caragrist hat zwar keine Kinder, doch er versteht meine zeitweilige Abwesenheit im Geist und ist mir auch im Stillen eine unschätzbare Hilfe…“
(27 Tag 3 Monat, 3434. Geschrieben von Telemnar)














Die Schlacht in der Dagorlad

„ ….Es fing alles damit an, dass ein Spähertrupp nicht mehr von ihrer Kundschaft nach Süden zurückkehrte. Ziemlich bald meldete Erster Herold, Elrond von Imladris die Absenz. Daraufhin beriten sich die Könige und Fürsten und beschlossen, in Kampfaufstellung nach südosten Richtung Morannon zu marschieren. Da gibt es ein karges Sumpfgebiet, in dem die Heerführer ihre Position als Füsskämpfer auszunutzen gedachten. Nachdem der zweite Spähtrupp nicht mehr zurückkam, erkannte König Gil-Galad ein Netz von feindlichen Spähern und auch viele andere Elben fühlten die Anwesenheit des Feindes. Daraufhin bewegten sich die Waldelben unter Oropher gen Morannon und dank ihrer meisterlichen Tarnkunst gelangten sie durch alle Spitzelspiralen und meldeten später eine sehr grosse Streitmacht des Feindes vor dem Schwarzen Tor, die anscheinend nach nordwesten zog und sich sehr vorsichtig verhielt.

Die Heerführer berieten sich und teilten die Armeen in einen grossen offenen Halbkreis mit vielen Dîrnaith und Tî maeth- Kampfformationen. Das Zentrum des Heeres, das Grösstenteils aus Nahkämpfern bestand, sollte die Armeen des Feindes Front bieten, während leicht bewaffnete Truppen und Fernkämpfer dem Angreifer in beide Flanken fielen.
Nach einigen Tagen des Wartens jedoch ereignete sich ein unangenehmer Vorfall: die Jäger aus den nördlichen Wäldern, die Orophers Waldelben begleitet hatten, griffen einige Spähertrupps des Feindes an und somit wurde unsere Position aufgedeckt. Die Orks bezwangen die schlecht gerüsteten Menschen vermutlich, denn niemand kehrte je wieder zurück…
Da liess König Gil-Galad bis zum Randgebiet des Sumpfes zurückweichen, um Distanz zu gewinnen. Nach drei Tagen Wartezeit artete eine Diskussion zwischen Oropher, Thranduil und König Gil-Galad in einen Streit aus, da die Waldelben den enormen Druck und die Beharrlichkeit des wachsamen Wartens nicht gewöhnt waren und Herr Ereinion der Untätigkeit beschuldigten. Entgegen allen Bemühungen des Elbenkönigs, der zu Vernunft und Eintracht ermahnte, sagte Oropher sich vom Bund los und liess seine Heere separat formieren. Dann liess er zumAngriff blasen und eilte in Richtung Osten. Durch überlegene Anwendungen des Maeth corw (gemeint ist der Heimtückische Kampf) wurden die meisten Spähtrupps der Orks bezwungen und die Waldelben griffen die Vorhut von Saurons Heer an. Was dort geschah, wissen wir nicht, aber Elendil sah den Tod der Voreiligen voraus und drängte zur umänderung der Schlachtpläne und einem direkten Angriff von zwei Seiten. Die Liebe König Gil-Galads zu seinem Volk war weitaus grösser, als seine Vorsicht, und er mochet die im Feldkrieg unerfahrenen Waldelben nicht in den aussichtslosen Tod schicken, sodass er einwilligte, und Elrond liess die Heere zum Angriff ordnen.
König Elendil und König Gil-Galad stellten sich an die Spitze der Heere und im Eilschritt wurde das Sumpfgebiet durchquert, bis die ersten Linien der Feinde gesichtet wurden.
Da wurden die Trompeten geblasen und die Banner erhoben, und die Erde schien unter dem Kampfgeist der Freien Völker zu beben. Wie ein klarer, reiner Strahl der Sonne eilten Elendil und Gil-Galad dem Feind zu, uns allen ein Beispiel gebend, und wir, ihre Gardisten, folgten ihnen in ihre Fusstapfen. Das ganze Heer stürmte uns nach…
Hinter uns brachen die Wolken auf und wir hörten Schreie von Adlern, wie sie hoch über uns daherflogen. Adler! Sie waren wohl Boten Manwë Sùlimos, Sein Siegel auf unsere Tapferkeit auftragend. Blitzschnell fuhren sie in die Schwärme der Krähen und Fledermäuse, die der Feind geschickt hatte, um unsere Aufmerksamkeit zu zerstreuen.
Unsere Vorhut stiess wie ein Hammer auf die Spitze der Gegner. Narsil, das Schwert Elendils, und Aeglos, der Speer Gil-Galads glänzten in einem überirdischen Licht, und ihr tödlicher Rhythmus war das Pochen unserer Herzen.
Zusammen mit Telemnar stürmte ich gegen die Reihen der Feinde, und wir hieben unseren Mitbrüdern und unseren Königen die Seiten frei.“
(7 Tag 4 Monat, 3434, Geschrieben von Caragrist)



„Vierter Tag der Schlacht. Habe mich gerade im provisorischen Lager hinter dem Heer zurückgezogen; meine Armschiene ist gespalten, ich werde sie später reparieren.
Was für ein Ansturm!
Gewaltig und felsenfest waren unsere Seelen in diesen Tagen; gebündelt und geläutert durch Zwei Männer, die alles für uns und für unsere Sache gaben: Elendil der Lange und Gil-Galad, Sternenlicht seines Volkes.
Da der Gegner jedoch eine bedeutende Übermacht darstellt, mache ich mir doch einige Gedanken über den Ausgang dieses Kampfes.
Aus einem unerklärlichen Grund schaffen es die Heerführer, einen Überblick zu behalten in diesem Getümmel.
Zweifellos ist dies die gewaltigste Schlacht, in der ich jemals teilgenommen habe; und nichts war bisher so überragend in ihren Ausmassen und Absichten; es sei denn der Untergang unserer geliebten Heimat, Nùmenòre…“
(11 Tag 4 Monat, 3434, Geschrieben von Telemnar)



„An diesem Tag (der fünfzehnte der Schlacht) haben wir uns zurückgezogen und einige Tî maeth gebildet, um den ständigen Ansturm des Feindes zu ermüden.
Auf der linken Flanke stehen Elrond von Bruchtal und Cìrdan der Schiffsbauer mit Schwertkämpfern und Bogenschützen der Sindar und Noldor – die Gegner fallen unter ihren Waffen wie die Fliegen. Rechts stehen die Prinzen Isildur und Anàrion mit der Streitmacht der Nùmenòrer und der Zorn der Westmenschen lässt die Feinde zerschmettern wie Spreu.
In der Mitte steht das Hauptheer der Könige, gemischt kämpfen Zwerge, Elben und Menschen, an der Spitze Elendil und Gil-Galad mit ihren gemischten Garden.
Einmal hatte ich Gelegenheit, Herr Elendil zu verteidigen, als ein grosser Uruk von der Seite auf ihn eindrosch. Seine Rüstung war stark, doch mein Speer war schärfer.
Elendils Machtausstrahlung und die gebieterische Stärke seiner Hiebe schneidet durch jeden gepanzerten Gegner.
Er und König Gil-Galad rufen sich beim Kämpfen Aufmunterungen und Linnods aus dem alten Valinor zu und ihre Anwesenheit ist der beste Schutz gegen den drückenden Schatten, der im Osten heranzuwachsen scheint.
Telemnar kämpft mit der Leidenschaft der Altvorderen und oft stehen wir Schulter an Schulter. Wie oft er mich beschirmt oder ich ihn geschützt habe, ist unwesentlich, denn wir zählen diese Augenblicke nicht mehr. Für mich ist er einfach nur mein Bruder des Schwertes.Ich halte gerade im Lager Wache, irgendwo im südosten scheint es noch Scharmützel zu geben zwischen den Truppen Anàrions und wilden Ostlingen.“
(22 Tag 4 Monat, 3434. Geschrieben von Caragrist)




„Nachdem bekannt wurde, dass der Fürst der Waldelben, Oropher gefallen sei, zogen sich die übriggebliebenen seines Gefolges aus dem kampf zurück (es waren keine zweitausend mehr geblieben) und verliessen unter Führung von Orophers Sohn Thranduil die Dagorlad, um hernach ein für alle mal das Feldgefecht zu verlassen und für immer zu meiden, in Schmerz um ihren Toten Fürst und in Furcht vor dem Schatten Saurons.
Wir kämpfen bereits Wochen – ich zähle die Tage nicht mehr. Von jedem von uns wird äusserste Willensanstrengung für das Durchhalten verlangt, dessen Beispiel uns die Heerführer geben.
Die Gardisten der Elben überraschen mich immer wieder: im Kampf mit Schild und Speer sind sie wahrhaftig unübertroffenen Meister, wie König Gil-Galad selbst.
Es dürfte sich hier um eine uralte Kampftechnik der Verteidigung handeln, die im Ersten Zeitalter entwickelt wurde. Caragrist erklärte mir während einer Verschnaufpause, dass sie von Ecthelion, dem Wächter der Brunnen Gondolins entwickelt wurde, um sehr vielen oder einzelnen sehr mächtigen Gegnern die Stirn zu bieten und an einer felsenfesten und erbitterten Verteidigung die Kraft und Zuversicht zu rauben (aus alten Erzählungen weiss ich: Ecthelion erschlug, bevor er selber fiel, während der Verteidigung Gondolins den Fürst der Balrogs, Gothmog, der viele Elbenfürsten und Könige zuvor erschlagen hatte, Kraft seiner Grösse, Macht und Bosheit des Geistes).
Caragrist erklärte mir, dass er nicht besonders auf diesen kampfstil fokussiert hätte, machte mich jedoch auf andere Gardisten aufmerksam, die diese Techniken tatsächlich sehr effektiv zu nutzen wussten.
Wir Verteidiger des Königs setzen lieber auf den Mut des Herzens und die Kraft der Hand, um unsere Langklingen gegen den Gegner zu führen.
Eine Trompete erschallt gerade – ein neuer Angriff wird gemeldet.“
(29 Tag 4 Monat, 3434. Geschrieben von Telemnar)



„Ich denke, fast alles, was Leben hat, nimmt an dieser Schlacht teil. Von jeder Rasse (ausgenommen die Eldar) kämpfen Vertreter auf beiden Seiten. Es sind zwar nicht viele Zwerge dabei, doch Naugrim vom Stamm der Grimmhands verteidigen oft Uruk-Hauptleute mit Langäxten.
Die Schar aus Moria gehört zum Volk Durins, einem tapferen und sehr kampftüchtigen Zwergenschlag; sie ziehen mit unseren Reihen gegen die Gegner.
Die Orks werden von zahlreichen Armeen aus dem Osten und Süden unterstützt, Ostlinge, Haradrim (die einige Mûmakil, riesiege Elefanten als Schlachtbastionen einsetzen) und Variags aus Khand drängen sich wie verrückte Berserker ständig vor, ihre Zahl will nicht enden. Den Stahlbögen der Westmenschen und den Klingen der Eldar sind schon etliche zu Opfer gefallen, doch das Schwarze Tor scheint andauernd mehr Gegner auf uns herauszuspeien.
Ich schirmte König Gil-Galad zusammen mit Telemnar vorgestern, ein Ork-Berserker rannte mit entzündbarem Pulver auf ihn zu, doch wir überwältigten ihn unterwegs und Telemnar warf ich hoch durch die Luft in die Reihen der Feinde, während das Pulver sich in Stichflammen verwandelte.
Andere Gardisten wie Hîrluin oder Lugaidh haben einen Mûmak zu Fall gebracht, als er den König der Eldar mit einem Kolbenbewehrtem Rüssel den Helm spalten wollte.
Ein andermal sprang Elendil der Lange Gil-Galad bei und zerschnitt mit einigen mächtigen Streichen Voreilige der Variags, die den Pfeilsturm von Elronds Bogenschützen überlebt hatten. Elendils Statur allein ist schon so furchteinflössend (er misst mehr als sieben Fuss!), dass bei seinem Auftauchen sofort Orkrücken sichtbar werden. König Gil-Galad ist wegen seiner strahlenden Machtgestalt von weit her zu sehen und eines der beliebtesten Ziele des Feindes. Wenn sein Schild nicht mehr ausreicht, bilden wir einen keilförmigen Schildwall, in dessen Schutz er seine Heilkraft sammeln kann und seine Abwehr stärkt.
Die tödliche Anmut seines Speeres Aeglos ist wahrlich unbeschreibbar – wie eine Dichterfeder schreibt sie Kampfpoesie! Scheinbar mühelos und elegant überwältigt er Uruk-Hauptleute, die im Besitz bestialischer Kräfte sind.
Eben gerade haben wir eine Schar gepanzerter Troll-Berserker in die eigenen Reihen


[hier scheint ein grösserer Abschnitt des Textes zu fehlen]







….schmerzhaften Verlusten dafür bezahlen müssen.
König Gil-Galad entzündete eigenhändig Hundertachzig Fackeln mit Noldorin-Blaufeuer und steckte sie zwischen den Gefallenen zur ewigen Ruhe der Walstatt. Dann wandten wir uns dem Schwarzen Tor Mordors zu.“
(9 Tag 5 Monat, 3434. Geschrieben von Telemnar)






Die Belagerung von Barad-Dûr


„Wir haben die restliche Verteidigung am Morannon schnell zerschmettert. Nachdem die Verteidigungsanlage gründlich zerstört war, drangen wir weiter im Udûn-Tal vor und betraten somit Mordor.
Ein namenloses, grässliches Land mit erstickender Finsternis und würgendem Staub.
Der Dunkle Turm ist bereits in Sicht. Der Kriegsrat hat entschieden, die Festung im Sturmangriff zu nehmen. Viele fürchten sich. Und ich mit ihnen. Was erwartet uns am Turm des Feindes?“
(15 Tag 5 Monat, 3434. Geschrieben von Caragrist)



„Es war ein Desaster. Selbst Herr Elendil und König Gil-Galad oder Elrond hatten mit ener derartigen Verteidigung nicht gerechnet.
Unser Ansturm brach beim Dritten Tor der Hauptbrücke in sich zusammen; mit grossen Verlusten zogen sich die Heerführer zurück. Gil-Galad wurde mit einer Schusswaffe schwer verwundet. Er hat sich zwar bald darauf geheilt, doch beim zweiten Sturmangriff kamen wir lediglich ein Tor weiter, und das hat den meisten die Zuversicht geraubt. Viele stürzten in die Lava unter uns und König Elendil sprach von Siebzehn Stahltoren.
Die Geschossmaschinerie von Barad-Dûr funktioniert mit einer entsetzlichen Präzision.
Ein immer noch grosses Orkheer hält sich vermutlich innerhalb der Festung auf (der Dunkle Turm ist riesig…viele Werst hoch bohrt er sich in den schwarzen Himmel, und eine Bosheit ist hier am Werk, gegen die jede Hoffnung versiegt.
Die Adler sind weg, und viele der unseren sind nicht mehr. Wir haben die Dunkelmenschen besiegt, doch der Widersacher ist noch geblieben, mit den treuesten seiner Diener. Wir bauen gerade einen grosses Belagerungsring um Barad-Dûr.“
(16 Tag 5 Monat, 3434. Geschrieben von Telemnar)



„Wie lange noch wird diese drückende Belagerung dauern? Die Sache ist zum Verzweifeln. Dauernd kreisen die Ulàiri, die Neun Diener Gorthaurs ausser Reichweite der Pfeile über uns und ihre Gegenwart und ihre Schreie dringen durch Gehirn, Knochenmark und Herz.
Vorgestern hat ein Gardist der Nùmenòrern den Verstand verloren, er sitzt nur noch am Boden und weint und lacht über die Beschaffenheit von versteinerten, dunklen Fossilienresten. Viele sind innerlich am Ende, einige von unserem Volk versuchen, die Männer mit Harfenspiel und Poesie aufzumuntern. Unermüdlich eilt Gil-Galad durch die Menge, orgenisiert Wachen, prüft den Verteidigungsring, schaut nach Lücken und lässt viele Scheinangriffe durchführen. Er ist wahrhaft der strahlende Stern unseres Zeitalters: wo er auch ist, da wächst wieder Hoffnung, richten sich die Krieger auf und fassen neuen Mut. Er spricht viel mit den Kriegern, hört ihnen aufmerksam zu und steht jedem offen zur Rede und Antwort. Da unser Nachschub praktisch auf Null gesetzt ist, haben wir bereits unsere Vorräte rationiert. Viele von unserem Volk beteiligen sich auch an Heilarbeiten, denn die Menschen vertragen Krankheiten, Gift, Wunden, Hunger und Dunkelheit nicht im selben Masse wie die Eldar. Herr Elrond vollführt teilweise wahrhaftige Wunderheilungen. Von den Naugrim ist niemand mehr hier.“
(11 Tag 2 Monat, 3435. Geschrieben von Caragrist)



„Keine Regung heute. Kein Pfeil hat gezischt, kein Bolzen gepfiffen, kein Felsblock gerauscht. Barad-Dûr liegt in drohendem Schweigend gehüllt vor uns.
Ich versuche, aufmerksam zu beobachten, aber der Hunger, die Finsternis und die schlechte Luft lassen mich erschlappen wie einen müden Hund!
Bei den Valar, ist mein Schwert schwer heute…
Ich habe viel mit Caragrist und anderen Gardisten geredet heute.
Wir machen uns gegenseitig Mut, Meneldramb, Lugaidh, Hîrluin und Faradir haben sich uns mitverschworen, um die Nachricht, falls wir fallen sollten, zu unseren Familien zu bringen. Faradir und Lugaidh sind schon älter und haben viele Schlachten gesehen; der Schatten scheint ihnen zwar zuzusetzen, aber sie ertragen es mit beinahe stoischer Willenskraft. Da sie einst Schüler von Ecthelion selbst waren, sind sie meist in den vordersten Reihen zu sehen, wo sie ihre Herren mit ihren Körpern und Schilden aufs waghalsigste beschirmen. Meneldramb, ein tapferer Mann und Kamerad, gab mir sein Schwert, und ich ihm seins, als zeichen der anhaltenden Treue gegenseitig.
Denn Treu müssen wir einander bleiben, bis in den möglichen Tod.“
(2 Tag 7 Monat, 3438. Geschrieben von Telemnar)



„Gestern liess der Feind einen plötzlichen Ausfall machen; viele erlagen dem Ansturm, nur mit Mühe konnte Elendil ihre Flanke umrunden und Angreifer in die Festung zurücktreiben. Mit der Anspannung seiner gesamten Kräfte hieb Prinz Isildur auf das vorderste Stahltor und schlitzte es auf (er verfügt über enorme Leibeskräfte, so etwas habe ich bisher nur von Zwergenfürsten aus Belegost oder womöglich König Fingolfin in alten Zeiten gehört).
Aber das Tor konnte nicht gestürmt werden, da schwelender Pech von oben herabstürzte und die Nùmenòrer sich zurückzogen.
Telemnar denkt viel an seinen kleinen Sohn und seine Gemahlin. Wahrhaftig, wenn ich könnte, würde ich sein Schicksal beeinflussen, indem ich die Lebensgefahr, in die er geraten könnte, auf mich nehme.
Die Heerführer sind ratlos, lediglich die Hoffnung und die Beharrlichkeit sind gefragt. Schon Jahre sind wir jetzt hier in diesem verfluchten Land und belagern aussichtslos den gewaltigen Turm eines Gewaltigen unter den Ainur!“
(18 Tag 5 Monat 3440, Geschrieben von Caragrist)




„Verflucht seist du, Ebene von Gorgoroth, und Du, verfluchter, feiger Feind, elender Sauron, widerwärtiger, grausamer Unterdrücker! Hast du keinen Mut? Zeig dich, du Hund!
Fluch diesem Tag…
Prinz Anàrion bestand darauf, die Tore Barad-Dûrs endlich zu stürmen.
Mit seiner Garde und Prinz Isildur, der wie sein Bruder zermürbt und angeschlagen von der kraftraubenden Warterei war, drang er eines Morgens ohne Vorwarnung und gegen den Rat der Heerführer auf der Hauptbrücke vor. Ich weiss nicht, was sich da ereignet hat oder wie weit sie gekommen sind.
Nach einigen Stunden aber liess Elendil plötzlich seine Vorhut auf die Brücke los und in höchster Erregung stürmte er nach vorne.
Zurück kamen die übriggebliebenen Streiter Anàrions und da kam Prinz Isildur, seinen Bruder auf den Armen tragend, das Gesicht vor Wut und Schmerz verzerrt, der Helm Anàrions war gespalten, überall Blut…der edle Recke war kaum wiederzuerkennen (wie ich später erfuhr, war er an jenem Tag von einem Feuerbolzen an den Kopf getroffen worden).
Alle Gardisten stürzten wir uns sofort auf das Gefolge und durch einen Schildwall gedeckt gelangten wir in die Abteilungen der Heilung, wo Elrond aus Imladris sich sofort des verwundeten Prinzen annahm. Die Behandlung dauerte jedoch nicht lange.
Elronds Miene wurde immer ernster, und Prinz Isildur, der Anàrions Hand hielt, blickte mal mit wild hervorquellenden Augen zu dem Elben, mal neigte er sich voll Panik zu seinem Bruder, dessen zerschmetterte Lippen unhörbare Worte zu formen versuchten.
König Elendil sass zu Füssen seines Sohnes und schwer lehnte er sich an den Griff von Narsil, dessen Licht sich zu verdunkeln schien. Dann war alles ruhig…
König Ereinion legte seine Hand sachte auf die Schulter Elendils, doch dieser hatte nur den Kopf gesenkt, in unaussprechbarem Gram. Tränen schossen Meneldramb und vielen anderen aus den Augen, doch Isildur sprang nach mehreren leichten Ohrfeigen auf den Ohren seines Bruders auf und verzweifelt und heiser schreiend warf er sich vor dem Zelt in den dunklen Staub und würgenden Dreck, sich die Haare raufend. Wie Blut rannen seine Tränen in die stumme Schlacke, und er schrie mit einer entsetzlichen Grabesstimme den Namen seines toten Bruders, als ob er ihn ins Leben zurckrufen wollte. König Gil-Galad legte seine rechte Hand aufs Herz und sprach ein feierliches altes Cyerme der Eldar, ein Gebet für den Seelenfrieden Anàrions. Ich schmiss mein Schwert zu Boden und lange sass ich neben der Leiche meines hingeschiedenen Prinzen.“
(13 Tag 9 Monat 3440, Geschrieben von Telemnar)






„Wo seid ihr, Sterne Elbereths?
Meine erblindeten Augen können euch nicht mehr sehen…

Keine Worte vermögen zu beschreiben, wie es ist, wenn der Elb zurückbleibt und der Mensch sich von den Kreisen Ardas entbindet. Unser Los ist es wohl, zu bleiben und zu ertragen, die Wunden der Zeit und der Finsternis zu pflegen.
Er ist von uns gegangen, mein teurer Telemnar.
Er war ein Juwel im Herzen, ein kühner Geist, ein edles Herz und ein unersetzbarer Freund.
Wo flohst du denn dahin, mellon nîn, warum hast du mich in der Dunkelheit allein gelassen…
Welche Worte des Trostes soll ich deinem Sohn und deiner Gemahlin nun bringen?
Ein Herz, das in Tränen erstickt, vermag keinen Trost zu spenden.
Meneldramb, Lugaidh, Hîrluin und Faradir halten die letzte Totenwache für Telemnar dem Tapferen.

Am Abend war es wie gewöhnt ruhig, doch urplötzlich brach aus einem Nebentor eine grosse Streitmacht der Orks aus und die unseren schwenkten nach rechts ab, um sie abzufangen.
Es war weder eine drohende Gefahr noch ein waghalsiger Augenblick. Ich und Telemnar standen auf, um mit Herrn Ereinion nach Osten zu laufen.
Telemnar blieb kurz stehen und ich drehte mich nach ihm um.
Die anderen Gardisten hatten sich bereits von ihm entfernt.
Ich weiss nicht, woher die Wurflanze kam, die auf einmal in seinem Rücken steckte.
Er verbot mir, sie herauszuziehen.
„Siehe nur, mein lieber Caragrist“ sagte er langsam und mühselig, während er innerhalb einer Palisade später gegen meinen Schild lehnte, „ die Schicksale von uns Menschen sind nicht an die Kreise dieser Welt für lange gebunden. Als ein Mensch des alten Westens habe ich die Gabe, zu entschlafen, wenn die Zeit da ist.
Nun ist der Augenblick gekommen, mein Freund.“
Stumme Tränen rannen auf eine schweigende Erde.
Doch er lächelte tapfer. „Mein Körper kann nicht länger in den Dienst der Könige treten, und meinen Geist verlangt es nach Befreiung…ich gebe mich lieber hier in die Arme des Meisters Tod, als später langsam dahinzusiechen und die Schlachten als kranker Soldat verpassen zu müssen.
Sprich von mir zu meiner geliebten Frau und meinem geliebten Sohn…
Chebio i-estel en dùnedàin, sag ihnen dies!“
Er blickte mich ruhig an.
„Lebe wohl, mellon nîn Caragrist. Weiche nicht dem Dunkel, es liegt ein Licht vor uns.“
Er schloss die Augen. Ich hielt seine Hand, dann legte ich sie zur anderen, mit der er das Schwert hielt.
Ein heulender Wind wehte durch das verlassene Lager und wirbelte dunklen Staub auf.“
(1 Tag 3 Monat, 3441, geschrieben von Caragrist)






Das Letzte Gefecht
An den Hängen Orodruins



„Nach jenem Abend, als Telemnar aus diesem Leben schied, gab es einen zweiten Ausfall aus dem Dunklen Turm.
Dieser war nun weitaus heftiger als alle bisherigen; unsere Reihen wurden versprengt und die vereinten Heere über die Ebene der Gorgoroth bis hin zu den Hängen des Orodruin getrieben. Viele fielen bei diesem Rückzug, und vergeblich mühten sich die Heerführer, die Reihen zu ordnen. Dann erschienen die letzten Verteidiger von Barad-Dûr, schwarze Nùmenòrer mit Garden von riesigen gepanzerten Trollen und Katapulte ziehenden Bestien. Der Orodruin fing an zu beben und Feuer und Lava wurden aus seiner Spitze herausgeschleudert; die Luft war erfüllt von Schwefel und Staub.
Verzweifelt warfen wir uns diesem letzten Aufgebot des Feindes entgegen; von der Seite sürmten die Reste des immer noch grossen Orkheeres auf uns ein. Dort Stellten sich Gil-Galad und Elrond ihnen in Tî maeth-Formationen entgegen; hinter den Schwertkämpfern schossen Bogenschptzen der Elben tödliche Salven auf die immer wieder anstürmenden Orks; als sie in Schwertnähe waren, griffen die Maethyr des Königs zu und in blitzschnellem Gleissen wurde dem Ansturm eine würdige Parade geboten.
König Ereinion Gil-Galad fällte mehrere Bergtrolle und warf seinen Schild wie einen Wurfring durch die Kehle des Trollhäuptlings; Herr Elendil erschlug den Anführer der Schwarzen Westmenschen und mit einem letzten Kraftaufgebot wurden die Reihen des Feindes zurückgedrängt; Aeglos und Narsil frohlockten.
Dann näherte sich etwas.

Wir spürten es zuerst, denn sofort scharten sich die Reste der Garden und später des vereinten Armeen um die Heerführer.
Und er zeigte sich: durch seine fliehenden Heere kam Sauron Gorthaur selbst geschritten,
ein in dunkler Form verkörperter Ainu, oberster Diener Morgoths, korrumpierer Nùmenòrs und Eregions, zerstörer Eriadors und Rhovanions und Herr der Spottkreaturen.
Sein Herankommen war so gewaltig, dass die meisten entweder flohen oder niederfielen; Schilde barsten, Waffen verglühten und der Mut der Freien Völker Mittelerdes drohte zu versagen. Mein Schild schmolz einfach im Brodem eines unbeschreibbaren Hasses dahin, und ich erlitt eine Lähmung der rechten Schulter und der rechten Hüfte.
Die einzigen, die standhielten, waren Ereinion Gil-Galad mit seinem Herold Elrond und Cìrdan, dem Schiffsbauer und Elendil der Lange mit seinem Sohn Isildur; ausserdem einige wenige jener Noldor, in denen das Licht der alten Westens stark genug war, um sich mit dieser Gestalt der Finsternis zu messen…
Dann umfing mich Dunkelheit.“
(9 Tag 6 Monat 3441, Geschrieben von Caragrist)





Epilog

Ereinion Gil-Galad, Hoher König der Eldar Mittelerdes und Elendil der Lange, König der Westmenschen sind durch Saurons Hand gefallen.
Wer weiss, ob es eine günstige Wendung der Valar oder eine explosive Aufbietung der Kräfte Prinz Isildurs war, die Sauron stürzen liess.
Er verschwand, und sein Geist war nicht mehr spürbar.
Die Weisen sagen, dass ein Ring an Saurons Finger, den der Prinz abgehauen hatte, zerstört werden sollte,- Isildur sich jedoch geweigert hatte.
Welche Auswirkungen dies hat, kann ich nicht sagen, denn ich blicke diesem neuen Zeitalter mit Freude wie auch mit Leid entgegen und habe nicht den Weitblick durch die Gefilden der Zeit.
Telemnar ist nicht mehr, und Faradir und Meneldramb und Hîrluin sind dahingeschieden.
Soviele Verluste haben wir zu beklagen…kaum ein Zwölftel der Elben hat diesen Kampf überlebt, die meisten der Noldor sind erschlagen oder werden gen Westen segeln, wie ich auch.
Ich fühle, dass die Völker von nun an sich gegenseitig fremd werden, und nie wieder wird es einen solchen Bund geben, wie ihn Gil-Galad der Strahlende und Elendil ins Leben gerufen haben.
Die Eldar haben ihre alte Macht verloren.
Die Reiche Arnor und Gondor mögen weiterdauern, da dies Zeitalter nun wohl den Menschen gehört, doch das Reich der Elben ist in Zwielicht eingetaucht.
Trage mich heim, weisses Schiff. Trage mich heim zu ewigweissen Stränden in unverfälschtem Sonnenschein und in sternklaren warmen Nächten, zur alten Heimat meines Volkes, das sich so hingebungsvoll für die Lande ihres Exils geopfert hat.
Mein Geist sehnt sich nach Frieden und Heilung.
Namàrië, ennorath.
Ihr Erben dieses neuen Zeitalters! Hört, wofür wir unser Blut gegeben haben!
Geht nicht leichtfertig mit euren Absichten um, denn jeder Entschluss zählt und ruft eine Veränderung in dieser Welt hervor.
Mittelerde!
Welches wird deine Herausforderung in diesem Dritten Zeitalter sein?
























(ooc: frei nach dem Stil des "Silmarillon" und "Herrn der Ringe";
Quellen: http://ardapedia, das Silmarillon, der Herr der Ringe, Nachrichten aus Mittelerde, the History of Middle-Earth.
cheers 8-) )
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Re: Erinnerungen an das Letzte Bündnis

Verfasst: Mo 22. Jun 2009, 16:16
von Aerendir
Lange Zeit saß Aerendir in seinem Sessel und las die verschiedenen Zeugnisse erneut. Sie riefen alte Erinnerungen wach und abwesend starrte er in das leise knackende Kaminfeuer.

(Sehr schön! Dank dir!)

Re: Erinnerungen an das Letzte Bündnis

Verfasst: Di 23. Jun 2009, 08:36
von Lugaidh
Während das Kaminfeuer mit unregelmässigen Rhythmen knisterte, öffnete sich die Türe und Lugaidh kam herein.
Als er sah, was Aerendir las, lächelte er, nicht ohne einen Schatten in den Tiefen seiner Erinnerung wahrzunehmen.
"Diese Textfragmente... hinterliess Caragrist in Mithlond, bevor er Mittelerde verliess. Einer der Archivare Cìrdans gab sie in meine Obhut, und nun habe ich sie hierher gebracht."
Lugaidh zündete eine kleine Pfeife an und stiess bedächtig lange, dünne Rauchschwaden aus, die sich in Richtung einer der Zimmerecken ringelten.
"Ich weiss, Ihr wart dabei, und es gibt nur noch wenige, die sich erinnern."




(gern geschehen!)