Die Chroniken von Daerost

Eine Menge Schriftrollen seht ihr vor Euch auf dem Tisch liegen. Zögernd greift ihr Euch eine und beginnt zu lesen und zu verstehen.
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Isildirion
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Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Stimmen im Wald

Langsam, aber unaufhaltsam versanken die letzten Sonnenstrahlen zwischen den Wipfeln der Bäume und machten der drohenden Dunkelheit der Nacht Platz. Noch waren keinerlei Sterne zu sehen und selbst der Mond war nur eine schwache Silhouette, ohne Drang seine ganze Pracht jetzt schon zu entblößen. Knisternd und flackernd brannte das Lagerfeuer, welches alsbald die letzte Lichtquelle darstellen sollte, um der Finsternis der Lichtung entgegenzuwirken. Das Zwitschern der Vögel verstummte allmählich, dafür waren nun andere Geräusche zu hören. Düsterer, wie das Wispern von Verborgenem, das nur darauf wartete, hervorzubrechen und aus dem Hinterhalt über die Personen an dem Feuer herzufallen. Isildirion, der die Furcht in den Augen seines Gastes sah, wie sie geschwind nach links und rechts flohen, immer schauend, ob sich nichts ihnen nähern würde, beschwichtigte ihn mit einer Handbewegung.

"Habt keine Furcht, mein Freund, solange dieses Feuer brennt, wird uns hier nichts geschehen. Doch kann ich Euch auch verstehen, denn auch mich ängstigten einst diese Geräusche, denn es sind weder Wölfe noch sonstiges Getier, das sich in der Nacht heimisch fühlt. Hört genau hin. Vernehmt Ihr das Wispern? Unzählige Stimmen werden durch den Wind zu den Blättern und Sträuchern getragen, fangen sich dort und werden erwidert, bis es zu einem Chor anwächst, der sich in Eure Ohren brennt, Euch kaum zur Ruhe kommen lässt und Euch anfangs um den Verstand bringen kann. Doch sind es keine bösen Wesen, sie klagen nur ihr Leid, singen von vergangenen Tagen und rufen auf ihre Art um Hilfe."

Die nun kühlere Luft tief einziehend, schloss Isildirion kurz die Augen und lauschte dem eigenartigen Gesang, bis er schließlich selbst sachte die Lippen dazu bewegte. Seufzend legte er einen Holzscheit nach, um das Feuer nicht ausgehen zu lassen.

"Sie trauern, mein Freund, und es wäre nicht ratsam sie momentan zu stören. Dieser Wald ist ihr zuhause und sie werden ihn verteidigen, wenn sie bedrängt werden. Ihr wollt wissen, was sie sagen? Das Land krankt, ihre geliebten Bäume sterben und der einstige Glanz dessen, was hier einmal heimisch war, ist längst vergangen. So wie der Wald schwindet, so geraten auch sie in Vergessenheit. Und obwohl sie dies wissen, so behüten sie das, was hier liegt, immer noch, denn sie sind die Nia´Waër, Waldgeister, die Wächter des Waldes von Daerost...meiner Heimat. Wenn Ihr morgens den Tau auf den Blättern seht, so wisst Ihr, dass ihre Klage die ganze Nacht überdauert hat. Lasst uns bis zum Sonnenaufgang abwarten, dann zeige ich Euch, wo sie leben und was genau sie bewachen. Woher ich dies weiß? Nun, mein Volk ist an ihrem Fluch nicht unschuldig. Doch nun solltet Ihr versuchen etwas zu schlafen, Ihr seht mir erschöpft aus, mein Freund."

Etwas von seinem Wasserschlauch nehmend, lehnte sich Isildirion an einen krummen und zerfurchten Baumstumpf, um dem Gesang der Geister zu lauschen...und um über seinen Gast zu wachen.
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Ein Funken Hoffnung

Knirschend und knackend bogen sich die Ästlein unter Isildirions Stiefeln, als er seinen Gefährten bei den ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages weiter hinein in den Wald führte. Niedriges Buschwerk, das wie sanfte Fingerkuppen über seine Hose strich und ihn umgarnte, glitt an ihm vorüber, immer versuchend ihn wieder zu erhaschen. Blätter, die er mit einer Hand aus seinem Gesicht wischte, rangen um seine Aufmerksamkeit, indem sie den zarten Tau des Morgens auf seine Wangen tröpfeln ließen. Doch widerstand er allen Versuchungen und lenkte seine Schritte unbeirrbar weiter in das dunkler werdende Dickicht, immer darauf bedacht den, der ihm folgte, nicht aus den Augen zu verlieren.

Je tiefer sie in den Wald eindrangen, desto geringer wurde das Licht der Sonne, bis es allmählich gänzlich verschwand. Bäume, die bis vor kurzem noch in sattem Grün erstrahlten, besaßen nun ein abgemagertes, krankes Antlitz. Knöchern waren sie geworden und ihre Rinde zierten tiefe Furchen, die wie grotesk auszuschauende Grimassen jede Bewegung zu beobachten schienen. Schemenhafte Gestalten schwirrten durch das Unterholz, verschwanden so schnell wie sie gekommen waren und hinterließen krächzende, tief ins Mark gehende Geräusche. Ansonsten herrschte Stille, Tiere waren längst schon nicht mehr zu vernehmen.

„Dies, mein Freund, ist die Grenze des ehemaligen Reiches von Daerost. Einst stand hier eine prächtige Festung aus alabasterfarbenem Gestein, doch nun sind kaum noch Ruinen davon übrig. Eine große Schlacht fand hier statt und hat meine Heimat als Schatten dessen zurückgelassen, was es eigentlich einmal war. Ich sehe die Gärten, die in den schillerndsten Farben blühten, jetzt noch vor mir, doch ist all dies nur eine Erinnerung an Zeiten, die längst vergangen sind. Es schmerzt mich, was aus diesem Ort wurde.“

Morsche Äste brachen und verwelkte Blätter fielen auf den moosigen Untergrund als sie ihre Reise fortsetzten. Ein strenger, fast schon Übelkeit verursachender Geruch von verfaultem Gras stieg in ihre Nasen und schnürte ihnen fast den Atem zu.

„Es ist noch schlimmer als ich zunächst vermutet hatte, vielleicht war es ein Fehler Euch dies zu zeigen. Doch sollt Ihr wissen, welchen Flecken dieser Welt ich einst mein Zuhause nannte.“

Erneut schob Isildirion einen widerspenstigen Ast beiseite, um sich einen weiteren Weg zu bahnen. Doch plötzlich hielt er inne und schien wie gefesselt von dem Anblick, der sich ihm bot. Mit Vielem hatte er gerechnet, doch nicht damit. Inmitten einer kleinen Lichtung, umrahmt von abgestorbenem Gehölz, wuchs eine kleine Blume. Stark und kräftig, dem Wald trotzend, reckte sie ihre, wie in reinstes Silber gegossene, Blüte in die Luft. Sichtlich nach Luft schnappend erläuterte er seinem Gefährten die Bedeutung dieser Pflanze.

„Syansandrala, die Blüte des Mondes. Alle fünfhundert Jahre sieht man eine und dann auch nur, wenn man außerordentliches Glück hat. Sie ist ein Symbol der Hoffnung, dass etwas Krankes wieder heilen wird. Hier wuchs seit fast dreitausend Jahren keine mehr und dass sie gerade jetzt erscheint, ist für mich kein Zufall. Dies muss es sein, weswegen die Geister um Hilfe riefen und ich fürchte wir werden tief in die Ruinen von Grindolan eindringen müssen, um etwas darüber herauszufinden. Auch wenn dies bedeutet, dass wir dem Fluch von Daerost begegnen könnten, mein Freund.“
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Schatten der Vergangenheit

Mehrere Stunden waren vergangen seit Isildirion die Pflanze bemerkt hatte. In dieser Zeit führte er seinen Gefährten tiefer in das fast undurchdringliche Gewirr aus verdorrten Wurzeln und abgestorbenen Zweigen. Doch an einem Ort, der ihm nicht so widerlich und unangenehm zu riechen schien, hielt er plötzlich an.

„Dies ist weit genug für heute, mein Freund. Die Nacht wird bald hereinbrechen und wir sollten bei Kräften sein, wenn wir die Ruinen erreichen wollen. Außerdem ist dies ein guter Zeitpunkt, Euch etwas über mein Volk und diesen Ort zu erzählen.“

Rasch war ein Feuer entzündet, kein wirklich schwieriges Unterfangen, denn in diesem kargen, trockenen Landstrich gab es nichts, was brennendes Holz hätte verhindern können. Ein paar Bissen Brot, dies war ihr ganzes Festessen an diesem Abend gewesen, bevor Isildirion zu seinem Gefährten aufsah und schwer seufzte.

„Es sah hier nicht immer so aus. Einst war dies ein blühendes Land, kristallklare Flüsse schlängelten sich durch die Auen des Waldes und überall gab es Orte, die zum verweilen einluden. Hoch in den Himmel ragende Bäume mit mächtigem Stamm labten sich an dem Licht der Sonne und bildeten einen Schutz für die Pflanzen und Tiere, die dem Schatten mehr zugetan waren. An der Nordgrenze des Reiches, wo der Wald in das Gebirgsmassiv der Taer´Lada überging, ergoss sich ein Wasserfall, der in vielen Farben glänzte, sobald ein Strahl der Sonne in traf. Doch entfaltete er erst im Mondlicht seine ganze Pracht, denn dann mutete er wie ein Schwall flüssiges Silber an, welches sich langsam seinen Weg ins Tal suchte, um dort den Irrlichtern ein Nährboden für ihren eigenen Glanz zu sein. Und all dies wurde jäh zerstört, als sich mit Volk zerstritten hatte. Eines Tages brachten Jäger einen funkelnden Smaragden mit nach Grindolan, doch obwohl die Weisesten unseres Volkes Böses ahnten, so diente er fortan dem Symbol der Macht. Als der damalige Herrscher verschwand, kamen Neid und Missgunst auf. Wer sollte den Stein nun besitzen und die Wächer über Daerost anführen? Als sie sich nicht einigen konnten, setzten sie einen Rat aus fünf Personen ein und jeder sollte ein Stück dieser Kostbarkeit erhalten.

Doch wussten sie nicht, woher der Stein stammte und was genau seine Bedeutung war. Und so musste geschehen, was prophezeit wurde. Die Zerstörung des Smaragdes brachte das Gleichgewicht von Daerost durcheinander, unser Volk starb und der Wald verdorrte. Erst viel später erfuhr ich durch meine eigenen Nachforschungen, dass er in einer Grotte gefunden wurde, die Salhya, der Göttin des Lebens geweiht war. Die Zerschlagung des Steines bewirkte dabei nur Eines: Die Linien des Lebens wurden durchtrennt, so dass das Land der Krankheit anheim fiel und letztlich zu dem wurde, was Ihr hier seht.

Die Pflanze, die Ihr saht, sie ist das Symbol der Hoffnung, vielleicht galt es uns oder anderen Wanderern, aber eines ist gewiss: Etwas regt sich wieder in diesem Wald, doch ob es uns freundlich gesinnt ist oder feindlich, dies vermag uns nur die Zeit sagen, sobald wir die äußeren Mauern Grindolans erreicht haben. Doch nun schlaft, ich habe Euch schon zu lange wach gehalten und Ihr müsst bei Kräften sein, wenn wir morgen weiterreisen.“


Lange noch schaute Isildirion nach Osten, sich fragend, was ihn wohl dort erwarten würde. Denn nicht nur das Vermächtnis von Grindolan sorgte ihn, sondern auch eine Sache, die er bewusst verschwieg. Doch wie lange er dies noch konnte, wusste selbst er nicht zu beantworten.
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Die Ruinen von Daerost

Ob die Nacht schon vergangen war, wusste Isildirion nicht, er ließ sich eher nach seiner Intuition leiten. Denn kein Sonnenstrahl traf diesen Bereich des Waldes, so dass jegliches Zeitgefühl nur noch eine ferne Erinnerung war. Doch wollte er nicht mehr auf dieser Lichtung verweilen. Schon zu lange waren sie dort und er wollte möglichen Feinden keinen Nährboden für einen Hinterhalt geben.

Einzelne Äste mit dem Schwert zertrennend, bahnte er sich einen Weg weiter hinein und bis zu Stelle, an der er seinen Gefährten anwies innezuhalten. Vor ihnen rankte sich Efeu nach oben, nicht an einem Baum, sondern anscheinend an einer glatten Oberfläche. Wie eine Schlange ihre Beute fesselnd, kroch es nach oben bis es schließlich wieder etwas weiter hinten aus dem Sichtfeld verschwand. Feuchtes Moos wuchs auf dem Boden, ließ jeden Schritt erscheinen, als wollte man mit der Hand über ein weiches Bettlaken streichen. Sanft schob Isildirion etwas von dem Efeu zur Seite, um einen Blick auf das zu erhaschen, was er zu sehen erhoffte. An die nun freie Stelle trat ein brüchiges und verwittertes Gestein, fast wie Alabaster gefärbt, doch nicht so hell, eher etwas dunkler und mit teils braunen Flecken versehen. Und überall verunstalteten tiefe, zerfurchte Risse das Bild.

„Wir sind da, mein Freund. Dies sind die äußeren Mauern Grindolans, doch nicht von dem, was Ihr hier seht, ist auch nur annähernd das, was die Stadt in ihrer Blütezeit ausmachte. Nichts ist mehr übrig von den Türmen, die majestätisch in den Himmel ragten oder von den Gärten, in denen ihr nicht weniger als einhundert unterschiedliche Pflanzen hättet entdecken können. Nun ist all dies nur noch eine Erinnerung, ein Schatten aus längst vergangenen Tagen. Ein verlorener Ort, der niemals mehr zu seinem alten Glanz zurückfinden wird.“

Vorsichtig tastete er weiter an der Mauer entlang, versuchend einen Durchlass zu entdecken, doch so sehr er auch suchte, finden konnte er keinen. Leise fluchend, kehrte er der Wand den Rücken.

„Der Eingang nach Grindolan ist magisch versiegelt, um ihn vor neugierigen Blicken zu schützen. Nur mein Volk kennt die Stelle, doch scheint dieser Ort in all den Jahren seine eigene Art von Magie entwickelt zu haben. Ich fürchte, ich werde die Stelle nicht mehr finden können und ich verstehe die Zeichen dabei nicht. Ist es nun gut, weil dort etwas ist, was man besser nicht wecken sollte, oder gibt es einen anderen Schutz, der allen Außenstehenden ein Eindringen verwehren soll? Doch wenn wir das Geheimnis lüften möchten, so müssen wir einen Weg finden und glaubt nicht, man könnte die Mauern erklettern. Ihr würdet stets herunterfallen, egal wie geschickt Ihr seid oder welche Hilfsmittel Ihr verwendet. Nein, wir müssen einen anderen Weg hinein suchen.“

Angestrengt versuchte er seine Gedanken zu ordnen, bis ihm seufzend eine Möglichkeit einfiel.

„Es gibt einen unterirdischen Gang, er wurde damals angelegt, um den Smaragd sicher in einer Art Tempel zu verbergen. Allerdings gibt es noch einen weiteren Eingang. Hinter dem Wasserfall, von dem ich Euch gestern erzählte, gibt es eine Grotte, die ebenfalls einen Zugang darstellt. Aber ich muss Euch warnen, denn auch mir ist nicht bekannt, was sich dahinter verbirgt. Es könnte auch eine Falle für unvorsichtige Reisende sein, aber ich fürchte, dies wird unsere einzige Möglichkeit sein, den inneren Ring der Stadt zu erreichen. Lasst es uns zumindest versuchen, mein Freund. Sollte es wirklich eine zu große Gefahr sein, so können wir immer noch umkehren, auch wenn wir dadurch den Zorn der Geister auf uns ziehen werden, denn wir haben ihnen bereits unsere Hilfe angeboten, indem wir in diesen Teil des Waldes gelangt sind.“

Schweren Herzens führte Isildirion seinen Gefährten also um die einstigen Mauern der Stadt herum, darauf hoffend, den Wasserfall ohne Zwischenfälle zu erreichen.
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Schattenhafte Bewegungen

Obwohl es Isildirion nicht behagte, führte er seinen Gefährten auch in der nächsten Nacht weiter durch den Wald. In diesem Teil hielt er es für unklug auch nur eine kurze Rast einzulegen, denn mehrmals vermutete er einen Schatten im Unterholz wahrgenommen zu haben, der ihnen seit Stunden nicht mehr von der Seite wich. Äste knackten, doch nicht von seinen Stiefeln verursacht und stets ging ein leichter Windhauch durch niedrige, verbrannte Sträucher. Oder war es gar kein Lufthauch, sondern etwas anderes?

Sein Schwert immer griffbereit haltend, setzte er vorsichtig einen Schritt vor den anderen, denn erneut vermutete er etwas hinter einem der krummen Baumstümpfe vor ihm. Einen Finger auf seine Lippen legend, wies er seinen Gefährten an, sich möglichst still zu verhalten, während er nach dem schauen wollte, was sich dort verbarg. Langsam, die Klinge schützend vor sich haltend, näherte er sich den Geräuschen, bis er schließlich mit einem schnellen Satz hinter den Stumpf sprang, um der Gewissheit ins Auge zu sehen, dass sich dort außer etwas feuchtem Moos nichts verbarg. Seufzend steckte er das Schwert wieder zurück in die Scheide und winkte seinen Gefährten heran.

"Etwas beobachtet uns, mein Freund, und weiß sich sehr gut zu verbergen. Oder aber meine Sinne spielen mir einen Streich. Seid also auf der Hut und ruft, sobald ihr etwas entdeckt. Es scheint sehr scheu zu sein, ansonsten wären wir diesem Ding bereits begegnet, denn es ist heimisch hier und könnte uns wohl mit Leichtigkeit in einen Hinterhalt locken."

Den letzten Satz kaum ausgesprochen, wirbelte er erneut herum, denn hinter seinem Rücken schien sich etwas in einem niedrigen Busch zu bewegen. Seinem Gefährten bedeutend ihm zu folgen, setzte er dem Geräusch nach und folgte ihm durch das Dickicht. Mehrfach war es an ihm, nicht auf dem moosigen Untergrund und dem etwas abschüssigen Gelände auszurutschen, bis er schlussendlich über eine weit aus dem Boden herausragende Wurzel stolperte und den Halt verlor. Zwar konnte er sich schnell wieder aufrichten, doch das Geräusch war nun nur noch ein entferntes Wispern. Fluchend legte er die Klinge an die Wurzel und war zumindest dahingehend beruhigt, keinerlei Verletzungen von dem Sturz davongetragen zu haben.

"Was auch immer es ist, es weiß sich durch diesen Wald zu bewegen und ist weitaus flinker als wir. Ich hoffe für uns, dass es ein Einzelgänger ist und nichts, was uns zu anderen seiner Artgenossen locken sollte. Lasst mich versuchen die Orientierung wiederzufinden, wir müssen weiter, denn ich möchte hier nicht lange verweilen in der Gewissheit, dass uns etwas beobachtet."

Doch so sehr er auch nach Anhaltspunkten suchte, diese Stelle war ihm unbekannt. An keinen Baum und keinen Strauch konnte er sich erinnern oder aber es sah nun so verändert aus, dass er sich nicht daran zu erinnern vermochte. So blieb ihm nur eine Wahl. Mit einer sachten Handbewegung legte er ein wenig des Mooses beiseite, um seine eigenen Spuren zu finden und so den Rückweg zu der Stelle zu finden, an der sie von ihrem Pfad abgebogen waren, um dieser schattenhaften Kreatur zu folgen.

Dies war genau die Art von Zwischenfall, die Isildirion zu vermeiden versuchte, denn sein Magen und vor allem seine Augen verrieten ihm, dass sie weiter von ihrem Ziel abgekommen waren, als er es beabsichtigt hatte. Sie würden bald wieder eine Rast machen müssen und eine innere Stimme beschwor ihn, besser nicht an diesem Ort ein Lager aufzuschlagen.
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Der Zug der Sterne

Der Rückweg war beschwerlich und Isildirion sah, dass sein Gefährte eine Rast brauchte, so wie er auch. Rasch versuchte er zumindest einen notdürftigen Lagerplatz auf dem feuchten Moos zu errichten. Leicht stöhnend durch die Anstrengung ließ er sich schließlich an einem Baumstumpf nieder und schaute gen Himmel. Ein leichter Lufthauch bewegte die knorrigen Äste der Baumkronen hin und her, gab den Blick auf die zunächst noch dunklen Wolken frei und riss diese dann entzwei. Anhand der einzelnen Sterne, die nun funkelnd und hell leuchtend am Firmament auftauchten, wusste er, dass sie nun fast zwei Tage auf den Beinen waren. Seufzend betrachtete Isildirion das Schauspiel und sah dann wieder zu seinem Gefährten.

"Seht Ihr die Sterne dort oben, mein Freund? Alle haben einen Namen und eine tiefere Bedeutung, die bei meinem Volk hoch angesehen wird. Schaut zu ihnen und sie werden sich in Euren Augen spiegeln, so dass Ihr fühlt, den Glanz, den sie verströmen, aufzunehmen. Und nun seht einmal genau hin. Es gibt einen von ihnen, der besonders hell erstrahlt, doch ist dies nicht immer derselbe. Jeder nimmt einen anderen Stern wahr, der für ihn leuchtet.

Der kühle Wind wird in diesen Gefilden verblassen, er schwindet bereits. Viele Opfer hat mein Volk gebracht, wurde verstreut, hat sich erneut gefunden und sind schließlich vergangen. Und immer noch sind es ihre Stimmen, die der kühle Lufthauch flüstert. Wispernd sprechen sie Euren Namen, rufen nach Euch und versuchen Euch auf den Weg zu führen, der Euch vorbestimmt ist. Auch wenn die Sonne gänzlich von hier gehen wird, der kalte Winter des Vergessens Einzug hält und das Land selbst stirbt, werden die Sterne überdauern und stumme Zeugen dessen sein, was sich einst zugetragen hat.

Mein Volk hat diese Welt schon längst verlassen, einige waren Freunde, andere wiederum Verbündete und eine weitere Gruppe nur lose Bekanntschaften. Trauer über ihren Verlust trug mich mehrere Jahrhunderte weit, nicht wissend wohin ich gehen sollte und wie ich sie bewältigen konnte. Auch Ihr werdet einmal über Euch nahe stehende Personen trauern oder habt es bereits getan, doch wisset dies: Sobald ihr könnt, verlasst die Pfade von Angst, Verlust, Tod und dem Gefühl der Einsamkeit. Die Zeit wird die Wunden heilen, vielleicht nicht hier, nicht jetzt, doch irgendwann schon.

Und dann blickt erneut in den Himmel bei Nacht. Ihr werdet all diejenigen wieder finden, die ihr verloren glaubtet, sie wachen über Euch und sind auf immer bei Euch, denn Eure Erinnerung an sie gibt ihnen den Nährboden, den sie brauchen. Und einer davon, der, der Euch am meisten bedeutet hat, wird am hellsten erstrahlen und immer auf Euren Pfaden wandeln. Nichts wird seinen Glanz trüben können, denn er beschützt Euch wohin Ihr auch geht."


Lange noch, selbst als sein Gefährte bereits eingeschlafen war, schaute Isildirion zu den Sternen, bis sie schließlich erneut von Wolken verdeckt wurden. Doch wusste er, dass sie da waren, auch wenn sie momentan nicht sichtbar waren, denn seine Erinnerung behielt er stets in seinem Herzen. Erst viel später ertappte er sich dabei, wie er mit dem kleinen Seidenfetzen spielte und war froh, dass sein Gefährte dies nicht bemerkt hatte. Zumindest hoffte er dies, denn dies war nicht für dessen Ohren und Augen bestimmt, zumindest jetzt noch nicht. Langsam lehnte auch er sich weiter zurück und ließ der ihn überkommenden Müdigkeit freien Lauf, denn sie hatten noch einen langen Weg vor sich bis zu dem Wasserfall.

Youtube Link: Elvin´s Tales - Winds are silent
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Die Höhle hinter dem Wasserfall

Immer dichter wurde das Buschwerk und die einzelnen Äste ragten daraus hervor wie Haken, die an Isildirions Hose kratzten und oft musste er zu seinem Schwert greifen und sich einen Weg durch das scheinbar nie enden wollende Geäst bahnen.

"Es sah hier nicht immer so aus, mein Freund. Einst konnte man hier gut entlanggehen ohne Gefahr laufen zu müssen von diesen Dornen und Ranken aufgespießt zu werden. Doch seht selbst, was der Fluch von Daerost dem Land selbst angetan hat. Nichts ist mehr übrig von der Schönheit und der Blüte der Zeit, in der ich den Oberen diente."

Weitere Dornenranken fielen vor seinen Füssen raschelnd auf den sumpfigen Untergrund und versanken leicht darin, so dass nur noch ihre stachelbewehrten Spitzen wir feine Klingen aus dem Untergrund hervorragten. Einen Fuss vorsichtig vor den anderen setzend, versuchte Isildirion nicht den Halt zu verlieren, rutschte teilweise und konnte sich teils nur mit größter Mühe noch an Ästen und weniger scharfem Gestrüpp festhalten. Auf einer kleinen Anhöhe kniete er sich hin und zeigte auf ein weiter entferntes Bergmassiv.

"Wir sind da, dort hinten ist das Gebirge, doch was ist hier geschehen?"

Stirnrunzelnd und voller Sorge ließ er seinen Blick über das Tal unter ihm schweifen. Dort wo einst der Fluss in seinem Bett schlummernd vor sich hin gluckerte, war nun nur noch ein Gemisch aus braunem Schlamm und Geröll zu beschauen. Von dem Wasserfall, der sich krachend in das Tal ergoss, waren nur noch die Ausbuchtungen im Berg übrig geblieben, Wasser schien dieser schon seit langem nicht mehr zu führen. Am unteren Ende des Hanges war eine kleine Auswölbung zu entdecken, nicht sehr breit, mit Moos und Efeu an den Rändern bedeckt.

"Seht ihr das, mein Freund? Dies scheint mir eine Art Höhle zu sein, die wohl tief in den Berg hineinführt. Das muss der Gang sein, von dem ich Euch erzählt habe, als wir die Ruinen der einstigen Stadt Daerost besichtigt haben. Doch hoffte ich, dass er durch das Wasser weiterhin verdeckt wäre, denn so kann sich nun alles Mögliche in der Grotte tummeln. Der Eingang ist groß genug nicht übersehen werden zu können und ich bezweifele, dass nur wilde Tiere diesen als Unterschlupf zu nutzen wissen."

Sein Schwert wieder in die Scheide führend, besah sich Isildirion den Untergrund, tastete nach nicht so feuchten Stellen und versuchte einen Weg zu finden, der die beiden Gefährten weitestgehend trocken und gefahrlos ins Tal herabführen konnte.

"Lasst uns einen sicheren Pfad ins Tal suchen, um zu dieser Höhle und dem inneren Heiligtum zu gelangen. Ich spüre, dass wir bereits wieder lange unterwegs waren und der Tag sich womöglich dem Ende neigt. Und ich möchte nicht vor der Grotte noch einmal ein Lager aufschlagen müssen."

Sich langsam vortastend, prüfte er jeden seiner nächsten Schritte und trat öfter einmal auf der gleichen Stelle auf, um sich sicher zu sein, dass er in keinem morastigen Erdloch versinken würde. Trotz des schwierig zu passierenden Geländes, mahnte er sich selbst zur Eile, denn das Geschöpf, welches sie vor wenigen Tagen noch verfolgten, war bestimmt immer noch in der Nähe und würde nur darauf warten, dass sie einen Fehler machten und dann gnadenlos zuschlagen. Doch nicht nur die Gefahr in seinem Rücken beschäftigte ihn, auch die vor ihm liegende und ihm behagte es keineswegs nicht zu wissen, was dort alles auf die Gefährten lauern könnte.
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Das verborgene Heiligtum

Der Abstieg war schwieriger als es sich Isildirion anfangs vorstellte und nicht nur einmal wäre er beinahe auf dem glitschigen Untergrund ausgerutscht. Das fahle Licht machte es nicht unbedingt einfacher, denn nicht nur die Beschaffenheit des Bodens, sondern auch diese endlose, diffuse Dämmerung bargen Gefahren in sich, die immer zu einem Scheitern des Unterfangens hätten führen können. Mit einer Spur der Erleichterung zog er die Luft kräftig ein, als er schließlich die letzten Wurzeln überwunden hatte und vor dem Eingang zu der Höhle stand. Ein stechend beißender Geruch stieg ihm von jenseits der Grotte in die Nase und ließ ihn sich fast daran verschlucken.

"Wir sind endlich da. Doch fragt mich nicht, was uns in dem Inneren erwarten wird, ich weiß es selber nicht. Wilde Tiere, Räuber, Waldgeister, Fallen und andere Dinge könnten uns hier erwarten, seid also auf der Hut und bleibt stets hinter mir. Und achtet ein wenig auf das Geschöpf, was uns scheinbar immer noch folgt."

Sich langsam vortastend, betrat Isildirion die Höhle. Es dauerte eine Weile bis sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt hatten, doch außer kahlen, von Efeu und Ranken bedeckten, steinernen Wänden war nichts besonderes zu entdecken. Einzig das stete Tropfen von Wasser auf den blanken Stein drang an seine Ohren.

"Seltsam, der Wasserfall ist ausgetrocknet, aber in der Höhle hört man das Wasser tropfen, sie muss also auf eine Art feucht gehalten werden. Vielleicht hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein See hier gebildet. Doch wo eine Wasserquelle ist, dort könnte auch anderes Leben verborgen sein."

Weiter hinein führte er seinen Gefährten und tatsächlich wurde der Stein zunehmend rutschiger und feuchter, bis sie schließlich mit den Schuhsohlen im Wasser standen und kaum noch Halt auf dem Boden fanden. Sich an den Wänden mit der Hand abstützend, hangelte sich Isildirion weiter, bis sie zu einer kleinen Rampe kamen, die in den Felsen geschlagen wurde und ein wenig nach oben aus dem seichten Wasser heraus führte. Sie endete auf einer Empore, die kreisförmig um eine tiefe mit Wasser gefüllte Absenkung herum angelegt war und im hinteren Bereich in einen bronzenen, aber mit Moos behangenen Torbogen mündete.

"Hier hat sich tatsächlich das Wasser gestaut, nur wie, werden wir wohl nicht mehr erfahren. Dafür sind schon zu viele Jahre vergangen und das Gestein hat sich bereits zu sehr verändert. Doch seht, dort hinten. Diese Pforte muss unser Ziel sein."

Eilig umrundete Isildirion den Aufgang bis er vor dem verwitterten Torbogen Halt machte. Der einst klare, bronzene Ton des Gemäuers war durchsetzt mit schwarzen, unansehnlichen Furchen, die den metallischen Überzug an mehreren Stellen abblättern ließen. Die Glyphen, welche die Seiten zierten, waren abgenutzt, kaum noch lesbar und doch war soviel daraus zu entnehmen, dass es eine stumme Warnung an unachtsame Wanderer war. Auch wenn er nicht mehr entziffern konnte, was genau dort stand, das menschliche Skelett, welches auf dem Boden nahe des Torbogens lag, wies unmissverständlich darauf hin, dass den Gefährten hier Gefahr drohen würde. Sein Schwert griffbereit am Knauf haltend, durchschritt Isildirion die Pforte und heftete seinen Blick auf den Gang vor ihnen.

"Hoffen wir, dass dieser arme Reisende Durst und Hunger zum Opfer gefallen ist und nicht eines unnatürlichen Todes starb. Wenn nicht, so werden wir bestimmt bald erfahren, welche Schrecken mittlerweile in dieser Grotte ein neues Zuhause gefunden haben."
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Die Smaragdkammer

Das schroffe, kahle Gestein, welches bisher ihren Weg begleitet hatte, wurde zunehmend glatter, bis aus ihm eine ebene, in sanftes Schwarz getauchte Fläche wurde. Bronzene, schlichte Halter zierten die Wände alsbald, jeder eine hölzerne Fackel tragend, die jedoch schon längst erloschen war. Nur eine rußverschmutzte Stelle am oberen Ende zeugte noch davon, dass sie einst ein Licht abgegeben und den Gang beleuchtet hatten.

"Dies muss der Eingang sein, die Wände des Heiligtums wurden direkt in den kalten Stein geschlagen, doch werden wir es in dieser Dunkelheit schwer haben etwas zu finden. Wie Ihr seht, sind die Fackeln erloschen und auch wenn meine Augen sich schnell an diese Bedingungen gewöhnen, so tun es die euren wohl nicht."

In der Tat hatte sich sein Gefährte schon seit geraumer Zeit gefragt, wie Isildirion den Weg in dieser Schwärze, die fast dunkler als eine wolkenverhangene Nacht war, finden konnte. Er würde ihn fragen, so sich eine Gelegenheit dafür böte, doch momentan war er vielmehr damit beschäftigt dicht bei ihm zu bleiben, um ihn nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren.

Auch wenn sich der Gang wand und in verschiedene Richtungen seinen Verlauf änderte, so gab es kaum Abzweigungen. Höchstens einmal eine Nische, in die ein Podest eingelassen war oder in der Glyphen und Ornamente in den Berg gemeißelt wurden. Weiter führte Isildirion seinen Gefährten, bis sie schließlich an eine Stelle kamen, an welcher der Weg etwas breiter wurde und auf ein eigenartiges Portal zuführte. Zwei Fackeln zierten es an der linken und rechten Seite, die, auch zu seiner Verwunderung, in einem fahlen, blauen Schein erstrahlten und zumindest ein wenig Licht spendeten. Ein schweres, kupferfarbenes Tor, bestehend aus zwei massiven Flügeltüren, versperrte ihnen den Weg, doch gab es auf den ersten Blick keinerlei Mechanismus dieses zu öffnen. Runen, teils zerkratzt und verwittert, waren am unteren Ende, fast auf Bodennähe, in die Pforte geprägt worden. Sich niederkniend tastete Isildirion nach den Zeichen, berührte sie sanft mit den Fingerkuppen und las sie zunächst leise, bevor er sich sicher war, was sie bedeuteten. Mit strengem Blick drehte er sich zu seinem Gefährten herum.

"Dieses Tor schützt die innerste Kammer, da, wo der Smaragd aufbewahrt wurde. Doch sind die Zeichen auf der Tür eine stumme Warnung an all jene, die versuchen sie zu öffnen, denn sie besagen, dass der Wächter der Kammer nie schläft und jeden Eindringling daran hindern wird den Saal zu betreten. Wollen wir dem Wald helfen, so müssen wir da durch in der Hoffnung, dass dieser Wächter, was auch immer er sein möge, nicht mehr existiert."

Mit aller Kraft stemmte sich Isildirion gegen die schweren Flügel, doch so sehr er es auch versuchte, sie gaben nicht nach. Wieder und wieder versuchte er es, warf sich schließlich gegen die Türe, die allerdings weiter standhaft blieb.

"Also mit Gewalt werden wir das Tor nicht öffnen können, aber es muss hier etwas geben, vielleicht eine Art Mechanismus. Lasst uns die nähere Umgebung einmal genauer untersuchen. Immerhin haben wir ja nun etwas Licht zur Verfügung."

Beide Fackeln aus den Halterungen nehmend, gab er eine an seinen Gefährten weiter, während er die zweite in seiner Hand behielt und die Wände langsam absuchte, in der Vermutung dort etwas zu finden, dass ihnen helfen könnte, in die Kammer zu gelangen.
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Re: Die Chroniken von Daerost

Beitrag von Isildirion »

Die Düsternis im Innern

Nicht wissend, wie lange sie bereits nach einem Hebel, Knopf oder ähnlichem gesucht hatten, ließ sich Isildirion nachdenklich auf den steinigen, kalten Boden nieder. Weder er, noch sein Gefährte, hatten etwas finden können außer dem blanken Felsen.

"Hier gibt es nichts außer kahlem Gestein, kein Mechanismus, der es vermag diese Tür zu öffnen. Wir müssen nach einem anderen Weg suchen in die Halle dahinter zu gelangen, wollen wir den Waldgeistern helfen. Doch erschließt sich mir nicht, wo wir anfangen sollen zu suchen, es sei denn, wir gehen den Weg zurück und schauen, ob wir nicht irgendetwas übersehen haben."

Ein kurzes Nicken seines Gefährten war ihm Bestätigung genug es zumindest zu versuchen, auch wenn ihnen wohl nicht mehr allzu viel Zeit blieb. Sorgenvoll hatte sich Isildirion ihre Wasser- und Nahrungsvorräte in den letzten Stunden angeschaut und zu seinem Erschrecken festgestellt, dass kaum noch etwas davon vorhanden war. Sie mussten sich beeilen, wollten sie auch den Rückweg aus dem Wald heraus noch unbeschadet überstehen, denn aus diesem Gebiet nahe Daerost wollte er es vermeiden Früchte und Beeren zu sammeln. Die wenigen, die es noch gab, waren verdorben und ungenießbar, so fürchtete er zumindest.

Rasch nahm er die Fackel wieder auf, leuchtete den Weg vor sich und versuchte einigermaßen erkennen zu können, ob sich der Felsen an manchen Stellen etwas von dem übrigen Stein abhob. Doch vergebens und schon bald waren sie wieder an dem Torbogen mit dem Skelett des glücklosen Abenteurers angelangt.

"Jetzt stehen wir wieder am Anfang, mein Freund, und keine Abzweigung war zu sehen, die es uns ermöglicht hätte einen anderen Weg zu beschreiten. Müssen wir wirklich an diesem Punkt aufgeben, da es keinerlei Zugang mehr zu dem Heiligtum gibt? Waren die Alten wirklich so gründlich, dass sie niemandem mehr das Passieren der Hallen ermöglichen?"

Mit einer Art von leichter Niedergeschlagenheit ließ sich Isildirion an dem Torbogen zu Boden sinken, besah ihn sich mit traurigem Blick und dachte an die Geister, welche Flüche sie wohl aussprechen mochten, dass die Hilfe, auf die sie hofften, letztendlich doch keine wahr. Doch plötzlich runzelte er die Stirn und griff nach etwas, das teils unter Geröll verborgen lag und seinem Auge beim ersten Mal verborgen war. Ein altes, vergilbtes, fast schon zerfleddertes Pergament zog er hervor, entrollte es und überflog es eilig.

"Hm, dies ist eine alte Schrift, doch kann ich sie lesen. Und diese Zeichnung hier, das sieht aus wie der Torbogen unter dem wir uns gerade befinden. Vielleicht war dies der Grund für das Ableben dieses Kerls dort, denn die Schriftzeichen sind verwaschen und schlecht lesbar."

Seinem Gefährten bedeutend etwas von dem Tor zurückzutreten, las er die Schriftrolle, doch geschah nichts. Grübelnd und leise fluchend, rollte er sie wieder zusammen, befestigte sie an seinem Gürtel und wollte gerade wieder nach der Fackel greifen, als ihn eine Erschütterung fast zu Boden stürzen ließ. Etwas schweres, grollendes kratzte an den Steinen, verschob sie, ließ Geröll und Schutt auf die Gefährten hinabregnen und beruhigte sich so schnell wieder wie es gekommen war. Eilig schaute Isildirion in die Richtung, aus der das Geräusch erklang.

"Dies kam von der Türe, die wir nicht zu öffnen vermochten. Kommt zügig, mein Freund, ich glaube, wir haben den Zugang zu der Kammer gefunden dank dieses unglückseligen Wanderers hier."
gez. Isildirion Silberwind
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