Hoch oben, im Turm eines Hauses, das auf einem kleinen Felsvorsprung gebaut war, sassen zwei Elben neben dem Kaminfeuer.
Der eine war grossgewachsen und stattlich, sein grosses Schwert ruhte auf seinen Knien, er blickte mal ins Feuer, das lustig prasselte, mal hinaus aus dem Fenster, wo die Sichel der Valar gerade aufgestiegen war, und mal zu seinem Gast.
Dieser sass auf einem Stuhl und gab ein so verlorenes Bild, wie es ein Elb nur geben kann. Die Hände ruhte offen in den Schoss, sein Kopf war gebeugt wie von der Last vieler Jahre, Schlichtheit und eine leise Traurigkeit lagen auf ihn wie ein hauchdünner Schleier. Seine ausdrucksvollen Augen waren auf den Boden gerichtet.
"Baw, mellon." sagte er.
"Nein, mein Freund. Meine Aufgaben sind jetzt andere. Niemals wieder seither habe ich ein Schwert angerührt, und niemals wieder werde ich es tun. Um eine Waffe zu führen, müsste ich die alte Schärfe meiner verlorenen Augen haben.
Doch es gibt noch so viel zu heilen..."
Er schwieg eine Weile. Der andere betrachtete ihn. Dann sprach er weiter:
"Doch Du, Mindon, Du hast noch ein Teil der alten Stärke unserer Garde. Ein Jammer wäre es, würdest Du sie nutzlos vergeuden oder gar nicht einsetzen.
Mein Herz sagt mir, Deine Aufgabe ist eine andere, und sie liegt noch in den Nebeln der Zukunft verborgen."
"Mahael, mein Lieber.
Du weisst, wie sehr ich Deinen Mut und Deine Kraft bewundere. Du hättest längst eines der weissen Schiffe im Westen besteigen können, um für immer Ruhe und Frieden zu finden. Dennoch tatest Du es nicht."
Der grosse Elb mit dem Schwert schwieg und betrachtete die gezeichneten Züge seines Freundes. Leid, Entbehrungen und viele uralte, enttäuschte Hoffnungen hatten ihre Spuren hinterlassen, doch kamen sie in einer seltsamen Würde und Schönheit zum Ausdruck hier.
"Mindon, beschäme mich nicht. Es ist nicht meine Absicht, Grosses zu vollbringen.
Ich möchte nur meinem König dienen, bis dass Mandos mich heimruft. Die Dienste werden heute in vielen kleinen Dingen erbracht, in der Stille, in der Verborgenheit."
"Mae, Mahael. Und dennoch hat ein jeder von uns den Ruf zur Grösse in sich...denn die Erinnerung an Valariande, an Lindon, an Eregion - sie brennt wie nie sterbendes Feuer im Herzen.
Und nicht erfolglos wird sie bleiben, denn höre, was ich zu sagen habe."
Er schwieg, während der andere seinen Kopf wendete, um besser zu lauschen.
"Als unser König die Nachricht vom Angriff Gorthaurs auf Eregion erhielt, sprach er mehrere Tage mit niemandem. Denn er sah voraus, dass das blühende Reich der Noldor dem Untergang geweiht war. Vieles Schönes würde dort sein Ende finden...
Er ritt hinaus mit einigen seiner Edlen. Sie kamen an der Stelle vorbei, hier, in Lanthir-e-Nauth, wo der kleine Fluss entspringt. Du hast bestimmt schon seine murmelnde Stimme gehört, Mahael."
Ein Lächeln breitete sich auf des anderen Gesicht aus.
"Ereinion Gil-Galad sass nun auf seinem Pferd, und seine Edlen waren bei ihm.
Da rief der König: Ist denn alles in Mittelerde auf Gedeih und Verderb dem Schatten geweiht? Hoffnung Eriadors, wo bist Du geblieben?
Und siehe, wie als Antwort darauf ertönte ein mächtiges Getöse, und ein heller, reiner Stahl von Wasser schoss aus dem Felsen. Gebannt standen sie alle, denn sie wussten, Ulmo, der Herr der Gewässer, hatte ihnen im Namen der Valar ein Zeichen gegeben.
Da ward das Herz des Königs von Freude erfüllt, und er sagte: Gesegnet wird dieser Ort sein, da die Kraft Ulmos sich hier so deutlich offenbart hat.
Und er ritt wieder zurück, bereit, dem Feind ein weiteres mal gegenüberzutreten."
Mahael war aufgesprungen, die offenen Handflächen nach oben gerichtet.
Grosse Erregung zeigte sich auf seinem Gesicht, er rief aus: Elo!
Der andere erhob sich langsam, legte sorgsam den Arm um seinen Freund und half ihn, sich wieder hinzusetzen.
"Heute ist dieser Bach ein kleiner Fluss geworden, und in der Tat, die Hallen der Celebriaen sind um diesen Ort erbaut worden.
Lang ist's her, die Westmenschen vergassen dieses Ereignis nicht, für sie ist es eine Legende. Doch wir haben diese Tage gesehen..."
Er blickte aus dem Fenster. Seine Augen waren gerade und unverwandt auf die Sichel der Valar gerichtet, als er leise sprach: "Mahael, der Erinnerung dieser Tage willen würde Lugaidh niemals wieder sein Schwert niederlegen, bis der Schatten gewichen ist, der auf diesen Landen liegt. Bis Mandos mich heimruft..."
Ein warmer Wind drang durch das offene Fenster ein und die Kerzen an den Wänden flackerten, als würden sie aufgeregt tuscheln.
Eine alte Legende über Lanthir-e-Nauth
- Lugaidh
- Thirithaid

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- Registriert: Mi 22. Apr 2009, 12:37
- Nachname: Anorfael
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- Wissenstufe: 130
- Sippe: Celebriaen Elanesse
Eine alte Legende über Lanthir-e-Nauth
"Nai Nauval Immo ar á Hilya i Anar. Ceniessë Macilwa Mornië Rucuva! "- "Be yourself and follow the sun. At the sight of the sword darkness will flee!"
