Aiya Ereinion Gil-galad! (RP Mitschreibprojekt)

Eine Menge Schriftrollen seht ihr vor Euch auf dem Tisch liegen. Zögernd greift ihr Euch eine und beginnt zu lesen und zu verstehen.
Benutzeravatar
Lugaidh
Thirithaid
Thirithaid
Beiträge: 1589
Registriert: Mi 22. Apr 2009, 12:37
Nachname: Anorfael
Berufszweig: Rüstungsschmied(in)
Klasse: Hauptmann/Hauptfrau
Wissenstufe: 130
Sippe: Celebriaen Elanesse

Re: Aiya Ereinion Gil-galad! (RP Mitschreibprojekt)

Beitrag von Lugaidh »

Als der Kampfeslärm erbebte, stürzte Lugaidh aus dem Zelt, in dem er und seine Freunde schon seit Tagen lagerten.
"Glamhoth" rief er und zog sein Schwert, in einem hellen Ton erklang die Klinge, als sie sich nackt und fahl gen Sonne richtete.
Doch Lugaidhs Kampfesmut erstarb.
Das, was er hörte, war nicht der hässliche Ton der Horden Morgoths.
Helle Trompeten riefen Sturm, mächtige Fanfaren der Noldor aus dem Hause Fëanors. Schon einmal hatte er sie gehört, von weither während der grossen Schlacht in der Anfauglith.
Die Erde bebte unter ihrem Klang, doch seine einstige Reinheit war verloren. Ein gewaltiger Seufzer wohnte in diesen Rufen, denn der Schatten eines zähen Unheils lag auf ihnen. Lugaidh senkte das Schwert. Ihm war, als sähe er das schöne und schreckliche Gesicht des Schöpfers der Silmaril, als hörte er seinen donnernden Ruf, als er den furchtbaren Eid sprach, Worte der Macht, selbst von einer Flut von Jahren nicht verdeckt.
Fürst Maedhros selbst eilte seinen Brüdern und seinen Heerscharen weiter östlich voran, doch seine gewaltige, einst geläuterte Macht war umfinstert, denn gegen sich selbst und gegen sein Volk hatte er sein Schwert gezogen.

Die Vorhut hatte im Westen bereits die Flanken überrant, Zelte standen in Flammen, gepanzerte Noldor durchsuchten den Schutt.
Überall lagen Erschlagene, ihre aufgerissenen Augen blickten starr zum Himmel, der sich hinter dem Rauch der Brände verbarg. Die Sterne hatten sich verschleiert.
Ein hochgewachsener Krieger stürmte auf Lugaidh zu, doch dieser packte ihn mit aller Kraft am Schwertarm.
"Bruder!
Nicht kenne ich Dich, noch weiss ich, wie Du heisst.
Wir sind Euresgleichen. Du weisst das. Hör auf Dein Herz..."
Sein Blick begegnete den Augen des Gegners, und er sah in ihnen die Zeichen des entsetzlichen Eides, das Feuer unausweichlicher Verzweiflung.
Der Eid war mächtiger als die Freundschaft, und es gab keine Hoffnung in einer Welt, wo der Dunkle Feind Tag für Tag obsiegte.
"Verzeih mir, Freund. Verzeih Varda uns allen."
Kaum vermochte der Elbenkrieger, diese Worte zu formulieren.
Blitzartig rückte er vor, die Schneide seiner Klinge drang in Lugaidhs Schulter und warf ihn gegen die Zeltwand.
Als der tödliche Hieb niedersauste, sprang ein Speerschaft aus der Seite vor. Faradir lenkte die Waffe ab, sie fuhr tief in den Boden. Seine offene Hand traf den Noldo in die Seite und schleuderte ihn vom Zelt weg.
Vibrierende Macht schien um den alten Elben zu sein. Er half Lugaidh aufzustehen, zusammen mit den anderen Freunden flohen sie, denn sie mochten es nicht übers Herz bringen, ihresgleichen zu töten. Stets hatten in Gondolin Noldor und Sindar in unlöslichen Banden zusammen gelebt und gearbeitet; Unaussprechliches Grauen verfolgte sie nun, das Grauen des Sippenmordes.

Vielen gelang die Flucht, doch viele blieben erschlagen auf der Stätte des Unheils liegen. Die Söhne Fëanors hatten den Sieg davongetragen.




"Nai Nauval Immo ar á Hilya i Anar. Ceniessë Macilwa Mornië Rucuva! "- "Be yourself and follow the sun. At the sight of the sword darkness will flee!"
Benutzeravatar
Norliriel
Gast
Gast
Beiträge: 328
Registriert: Di 21. Dez 2010, 21:10
Nachname: n/a
Berufszweig: Kesselflicker(in)
Klasse: Runenbewahrer(in)
Wissenstufe: 75
Sippe: Symphonia et Gloria

Re: Aiya Ereinion Gil-galad! (RP Mitschreibprojekt)

Beitrag von Norliriel »

Auch Norliriel, so unerprobt im ernsten Kampf sie auch war, griff nach ihrem Schwert. Es war ein ebenso scharfes wie schönes Schwert, die schlanke, geschwungene Klinge einer Maid Gondolins. Einst, in der Sicherheit der verborgenen Stadt, hatte es zur Zierde gedient, doch nun war seine Trägerin zur Verteidigung entschlossen. Wer immer von Morgoths Horden es wagte, eine Gruppe von Flüchtlingen anzugreifen unter denen sich unschuldige Elbenkinder befanden, der hatte keine Gnade verdient.

Doch als sie die Angreifer sah, glitt ihr vor Entsetzen beinahe das Schwert aus der Hand. Norliriel zitterte. Es waren keine Orks. Es waren Noldor wie sie, ihre Brüder! Nimmer konnte sie gegen ihr eigenes Volk das Schwert erheben.

Und dennoch... auch die Angegriffenen, auch jene die bereits erschlagen am Boden lagen, waren ihre Brüder. Wie konnte sie tatenlos zusehen, während die tapferen Elben, die hier Zuflucht gefunden hatten, getötet wurden? Denn unter ihnen waren die Überlebenden, die mit ihr aus dem brennenden Gondolin entkommen waren, mit denen sie auf dem Weg den letzten Schluck Wasser geteilt hatte, die nachts neben ihr gewacht hatten.

Sie dachte an Glorfindels Opfer. Allein hatte er sich dem Balrog gestellt und sein Leben gegeben damit die wenigen, die vom prächtigen Volk der Weißen Stadt geblieben waren, weiterleben konnten.

Wie konnte sie nun diese wenigen Verbliebenen nicht beschützen, und würde es sie auch ihr Leben oder ihre Seele kosten? Norliriel stürzte sich zwischen die Kämpfenden.

Mit lang geübter Anmut traf ihre Klinge auf die Klinge eines Kriegers. Selbst in der Hitze ihrer Verzweiflung war Norliriel sorgfältig bedacht nur zu parieren, nicht zu verletzen, in ihrem Blick ein stilles Flehen - Zwingt mich nicht, bitte...

In den Augen ihres Gegners sah sie einen Hauch von schmerzhaftem Mitleid, doch stärker noch die verzweifelte Entschlossenheit von jemandem, der nicht anders handeln konnte als er es tat. So wie sein Fürst den schrecklichen Eid seines Vaters geschworen hatte, so hatte wohl auch dieser Krieger einen Eid geschworen, und konnte sich nun ebensowenig davon abwenden, wie Norliriel davon lassen konnte, sich ihm entgegenzustellen um die anderen zu schützen.

Sie konnte nur... Norliriel stieß hart vor, mit Tränen in den Augen und Übelkeit in der Kehle. Noch immer wollte sie nicht töten, nur verwunden, in der Hoffnung, dass es ihren Gegner zur Vernunft bringen würde, oder sie ihn wenigstens entwaffnen könne. Doch obgleich sie traf und das Blut des Kriegers die Klinge ihres Schwertes entlang rann und ihre Hand benetzte, gab er doch nicht nach. Er war ihr überlegen, denn er war ein erfahrener Kämpfer, und anders als sie war er entschlossen zu töten.

Schnell gewann er die Balance zurück, und sein antwortender Schwertstreich traf Norliriel tief. Der Schmerz raubte ihr den Atem, und sie wäre wohl gestürzt, hätte nicht ein starker Arm sie gepackt, um sie aus dem Kampfgetümmel zu ziehen. Halb blind stolperte sie mit, dann wurde sie ohnmächtig.

Als sie erwachte, befand sie sich auf einem der Schiffe. Berenlind, ihr Vater, saß besorgt neben ihr. "Wo ist Mutter?" fragte sie.

"Sie ist entkommen und in Sicherheit. Sie ruht sich aus, und das solltest du auch."

Trotz dieses Rates versuchte Norliriel, sich aufzurichten, doch Schmerz und Schwäche zwangen sie auf ihr Lager zurück. Dennoch lag es nicht an ihrer Wunde, dass ihr die Tränen in die Augen schossen. Sie wusste selbst nicht recht warum sie weinte - aus Entsetzen über das was sie getan hatte und das was sie womöglich getan hätte, oder weil ein Teil von ihr, trotz ihrer Schmerzen, immer noch danach schrie zurückzukehren um die anderen zu verteidigen. "Atarinya, ich wollte sie beschützen."

Ihr Vater strich ihr verstehend die Tränen aus dem Gesicht. "Nárillë... weine nicht. Sei vielmehr froh dass du keine solche Schuld auf dich gebracht hast."

Sie barg den Kopf an seiner Brust. Als die Tränen endlich aufhörten zu fliessen war es mehr aus Erschöpfung statt aus Ende der Trauer. "Ich begehre nicht länger ein Schwert zu führen." sagte sie.
---------
Quenya:
Atarinya - mein Vater
Nárillë - "Feuerglanz", ein Kosename für Norliriel
Ithilveril aus Lindon
Norliriel, nun heimisch in Imladris
Gilorniel aus dem Düsterwald, der einst der Große Grünwald hieß
Himdir aus Lórien
Nembain aus Lindon
Löwenmäulchen (Loewenmaeulchen), Hobbit
Antworten