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 Betreff des Beitrags: Zwei Hobbits auf Keilerjagd (Trollhöhen)
BeitragVerfasst: Di 20. Apr 2010, 22:45 
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OOC: Kurz vorweg, nochmals vielen Dank für Eure Hilfe und das schöne, wenn auch kurze, Zusammentreffen. Im Vorfeld zur der "Hobbitexpedition" hatten wir eine kleine Geschichte für den Reiseauftakt geschrieben und vielleicht gefällt sie Euch ja.
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Chasselas Schnuth galt im Auenland gemeinhin als verschrobener, wenn nicht gar gefährlicher Sonderling. Nachdem er seine Frau mit ebenso beharrlicher wie liebevoller Ignoranz aus dem Haus in Froschmoorstetten vertrieben hatte, was sicher an die 30 zähe Jahre dauerte, widmete er sich nun völlig seiner amphibischen Leidenschaft: den Fröschen und den Schnecken. Gerüchten zufolge soll er einst ein grossartiger und für einen Hobbit sogar weit gereister Koch gewesen sein, der in seinem bis unter die Decke mit allerlei Dingen und Obskuritäten vollgestopften Haus einer zweifelhaften Art militanten Müssigganges frönte. Demzufolge wurde er nach einer Weile konsequent gemieden und nur seine Nichte traute sich, meist mit einem Fass selbstgebrauten Bieres "bewaffnet", auf seinen Hof.

Und so kam es, wie es in solchen Dingen zumeist kommen musste: diese beiden Eigenbrötler besiegelten nach etlichen Jahren ihre merkwürdig anmutende Freundschaft mit ordentlich Auenland-Bier und dabei übergab der Alte, wenn auch betrunken, aber mit feierlicher Geste ein fadenscheiniges Stück Papier. Darauf zu lesen war das berühmt-berüchtigte Rezept, das seinen Erzählungen zufolge vor gut 35 Jahren während einer Festtafel für ein gerüttelt Mass an kulinarischer Ekstase im Auenland gesorgt hatte: gesottenes Keilerragout an frischen Pilzen mit einem Klacks Lauchcreme. Jahrzehnte hatte er ausgesessen, dieses Festmahl scheinbar aus purer Bosheit nie wieder zubereitet, nur um das begehrte Rezept jetzt aus einer Bierlaune heraus an einen ehrgeizfreien Emporkömmling weiterzugeben.

Das schien ganz nach Chasselas' Geschmack zu sein, sein unbändiges Lachen war noch an der Grenze des Moores zu hören. Währenddessen glühte Ligustra Schlammpaddels rundes Gesicht förmlich, als sie das alte Schriftstück immer und immer wieder fest an sich drückte. In dieser lauen Frühlingsnacht schien es, als sei im Auenland ein zweiter, ein Irrwischmond aufgegangen, der völlig selbstvergessen über die Felder tanzte, aber trotz allem recht zielsicher in die Gänseblümchenschlucht trudelte.

"Ooootilo, Du glaubst es nicht, mein alter Ohm, der olle Zausel aus Froschmoo..."

Die Hobbit hielt in ihrem Wortschwall inne, als sie ihren brummenden, vom Schlaf völlig zerzausten Ehemann ansah. Beide wussten nur zu gut, wie sie mit derartigen Situationen umzugehen hatten. Ligustra schaffte erst einmal etwas kalten Braten, einen Krug Bier und das beste Pfeifenkraut herbei, das sie im Haus hatten. So zügelte sie - auch wenn sie Otilos Anblick, der eindeutig etwas von einem aufgescheuchten Eichhörnchen an sich hatte, leise quietschend genoss - ihr Temperament und Otilo Schlammpaddel leistete seinen Beitrag zum Geschlechterverständnis, indem er ein stetiges, beruhigend monotones Brummen von sich gab, so wie er es auch tat, wenn sein Pony eine üble Kolik hatte.

Nach einer Weile, inzwischen zumindest halbwegs wach, aber frisch gestärkt, hielt nun Otilo das alte Papierstück in den Händen, drehte und wendete es ein ums andere Mal.

"Keiler auf einem grasbewachsenen Abhang südlich des Passes nach Bruchtal, sagst Du? Unweit einer Behausung von Riesen ... Riesen?"

Ligustra nickte zustimmend und versuchte mehr schlecht als recht das Zittern zu verbergen, das sie schon beim Gedanken an diese Reise befiel. Gut, sie hatte bereits die Wetterspitze bereist wegen dem vorzüglichen Bergbasilikum, das nur dort wuchs. Bree hatte sie gesehen, aber ausgerechnet die Trollhöhen?

"Also, ich weiss nich'..."

Mit diesen Worten auf den Lippen schlief sie ein, während Otilo entschlossen die wichtigsten Dinge für die Reise zusammenpackte. Der Harfuss war bekannt dafür, oftmals sein Bündel zu schnappen und wortlos in die Wildnis zu verschwinden und irgendwann, wenn man am Wenigsten damit rechnete, freudestrahlend wieder aufzutauchen, so als sei er nie fortgewesen. Nach getaner Arbeit strich er seiner immer noch schlafenden Frau übers Haar und murmelte leise:

"Ligustra, es gibt Dinge, die muss man tun. Sonst liegt man eines Tages jammernd auf dem Sterbebett und faselt von verpassten Chancen und solchen Dingen oder errichtet noch zu Lebzeiten solch' ein Zickenregiment wie Du weisst schon wer. Und das muss ich nicht wirklich nochmal haben."

Und so kam es, dass am nächsten Morgen in der Frühe ein Hobbit die andere aus dem Südviertel heraus in Richtung Trollhöhen schob...


Zuletzt geändert von Aerendir am Mi 21. Apr 2010, 09:53, insgesamt 1-mal geändert.
Sehr schön und nochmals herzlichen Dank für das schöne Zwischenspiel beim Event mit euch.


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