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 Betreff des Beitrags: Re: Lande im Zwielicht
BeitragVerfasst: Mi 15. Apr 2015, 20:37 
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Ein Ziel vor Augen
(Nahe Lin Giliath)

Bevor die ersten Sonnenstrahlen an diesen immer kürzer werdenden Tagen die nördlichen Lande in ihr warmes Licht hüllten, hatten sich Faraglor und Cuildis bereits aufgemacht, um die letzte Wache zu übernehmen. Auf einem Hügel von dem aus sie alles überblicken konnten, schauten sie in die Dunkelheit der schwindenden Nacht. Die Gesellschaft des fremden Elben genießend sprach sie leise mit ihm und erfuhr so, dass er bereits viel mehr Länder bereist hatte, als sie kannte.

"Ich habe mein gesamtes Leben in den Landen des Herrn Elrond verbracht. Lediglich nach Eregion führten mich meine Wege bisher."

"Euch entgeht so vieles brennil. Die Schönheiten anderer Länder, ihre Geschichten, ihre Bewohner..."

"Ich bin dabei, es zu ändern." Ein Lächeln huschte über das Gesicht der Elbe.

"Kennt Ihr meinen Bruder?" fragte Faraglor.

Cuildis schüttelte nur den Kopf.
"Ich bin selten in Imladris. Echad Candelleth ist meine Heimat. Dort begann auch meine Reise. Nach Lothlórien zog es mich nie, obwohl mein Vater diesen Weg einst nahm, um einen Freund im Grünwald aufzusuchen."

Nun war es Faraglor, der ein Lächeln zeigte.

"Im Gegensatz zu meinem Bruder war ich nie sesshaft. So folgt jeder seinem Weg, doch wir beide erfüllen unsere Pflichten, wenn sie auch unterschiedlicher Natur sind."

"Welche ist Eure?"

"Ich begleitete einst eine junge Elbe in den Westen, um ihr den Weg zu zeigen, den einst unsere Vorfahren genommen hatten. Seit der Ankunft in Mittelerde sind sie viele Pfade gegangen. Sie landeten in Lindon, um später nach Eregion zu ziehen."

"So seid ihr also den umgekehrten Weg gereist. Was aber trennte euch?"

"Ich entschloss mich, Annúminas aufzusuchen, denn meinen Schwur ihrem Vater gegenüber hatte ich in Mithlond erfüllt."

"Ihr bedauert es nicht wahr?"

Lange schaute Faraglor Cuildis an, denn sie hatte in gewisser Weise Recht.

"Sie ist stark und hat viel gelernt in all den Jahren. Mittlerweile dürfte sie selbst zu einer Reisenden zählen."

Cuildis wollte ihm raten, nach ihr zu suchen, aber die ersten Sonnenstrahlen erleuchteten die Hügel im Osten und erinnerten sie daran, dass sie selbst noch eine lange Reise vor sich hatte.

"Ich wünsche euch viel Erfolg in Othrikar."

"So lebt Wohl."

"Cuio vae!"



(Othrikar, kurz vor Sonnenaufgang)

"Es wird bald Winter werden. Wir benötigen dringend Vorräte Orndr."
"Ist Retir noch nicht zurück?" fragte der angesprochene.
"Er ist zurück seit gestern. Da. Es steht in Deinem Buch." Gávor drückte seinen Finger in die Seite des aufgeschlagenen Buches.
"Sag bloß, Havor hat die Sachen noch nicht abgeladen..."
Der Schreiber erhob sich von seinem Platz.
"HAVOR!" brüllte Orndr in der Hoffnung, dass der Gesuchte in der Nähe war.

"WAS IST?" erschallte es von der anderen Seite im Norden nahe der Mineneingänge.

"HAST DU DIE SÄCKE NICHT ABGELADEN?"

"NATÜRLICH HABE ICH DAS."

"WO SIND SIE?"

"IN DER KAMMER... DER LINKEN."

"Oh...", murmelte Orndr kleinlaut

"WAS IST JETZT? SOLL ICH DIR GLÄSER SCHLEIFEN?"

"ICH WOLLTE NUR WISSEN, WO SIE SIND!"

"Verdammt. Da habe ich nicht nachgesehen", murmelte Orndr und erntete damit ein hämisches Grinsen von Gávor und einigen anderen Zwergen, die gerade in der Nähe standen.

Nach und nach verschwanden die meisten der Zwerge unter Tage, während die restlichen sich auf die Stadtmauergänge begaben. Unten auf dem Platz wurden die Essen angeheizt. Schmiede begannen, ihre Werkzeuge zu überprüfen und Orndr der Schreiber vervollständigte seine Listen, um zu wissen, was sie für den Winter noch benötigen würden. Morí, einer der Zwerge, kümmerte sich darum, die Schaufeln, Pickel und Hämmer in Schuss zu halten. Er griff nach einem der Pickel und reichte sie wortlos einem anderen Zwerg, der gerade vorüber kam.


"Wunderbar. Dann mache ich mich gleich an die Arbeit", freute sich Flosir.
"Sie wollen heute noch vier Ladungen", mahnte Morí.
"Ich kümmere mich um die erste. Wethi um die letzten beiden und Golin..."
"Sie wollen von jedem vier...", fiel im Morí ins Wort.
"Hrm... dann wird das ein langer Tag. Also auf!"

Flosir verschwand schnell in der Mine, als sich im Süden einige der Elben reisebereit machten.



(Lin Giliath)

"Sind Daronart und die anderen bereits fort?"

"Sie sind bereits aufgebrochen", antwortete Amnen, der aus einem der Gebäude zu ihnen getreten war. Er würde sie begleiten, was dankbar angenommen wurde von den anderen, zumal sich ihre Gruppe spürbar verkleinert hatte. Die Männer der Wacht waren fort, Failwe und Collfindel wollten sie nicht begleiten und Sallasdel hatte andere Pläne. Auch waren andere nicht dabei wie jene, die im Süden verblieben waren wie Lothuilos oder Ansilvund. Auch Lugaidh war nicht zugegen, denn er war nach Dol Dínen aufgebrochen, um herauszufinden, ob von dort Gefahr droht.

Schwer fühlte sich der Brief in seiner blauen Robe an. Der Tag war also gekommen. Torendir hoffte, Glamnir zu treffen oder zumindest jemanden, der ihm sagen würde, wo er war. Der Waldläufer, der ihm diesen Brief gegeben hatte, hatte sehr ernst gewirkt.




    "Entschuldigt, mein Name ist Canhun und ich bin ein Reisender aus dem Norden. Ich komme aus Othrikar wo mich mein Freund Glamnir bat, einem bestimmten Elben einen Brief zu übergeben."

    "Es freut mich zu hören, dass es ihm gut geht. Doch sagt, ist Othrikar nicht eine Stadt der Zwerge?"

    "Das ist sie. Ich kann Euch nicht mehr sagen als dass ich den Elben Torendir aufsuchen muss, der sich hier aufhalten soll. Wisst Ihr wo ich ihn finden kann?"

    "Verzeiht... Le suilon mellon. Im Torendir", stellte sich Torendir vor. "Seid Ihr der Bote, von dem mir gesagt wurde, dass er mich suchen würde?"

    "Das bin ich. Ich nehme also an, dass jene, mit der ich am Stall sprach, Euch kennt."

    "Ihr habt also mit brennil Gildinfael gesprochen denn sie sagte mir, dass nach mir gefragt wurde."

    "Ich habe eine Nachricht von Eurem Freund von größter Wichtigkeit. Ihr solltet sie sofort lesen. Es war der Wunsch von Meister Glamnir."

    Als Torendir die Nachricht mit einem prüfenden Blick in das Gesicht des Mannes entgegengenommen hatte, hatte er die Sorgenfalten sehen können. Er hatte erschöpft ausgesehen von der langen Reise und auch wenn die Augen müde wirkten, so hatten sie feste Entschlossenheit gezeigt.

    "Habt Dank brannon Canhun. Vielleicht ist diese Nachricht ein Hinweis, den wir nun dringend brauchen."

    "Ich weiß zwar nicht wonach ihr sucht, doch bin ich sicher, dass es dieser Hinweis ist. Und nun entschuldigt mich bitte. Ich will Herrn Elrond meine Aufwartung machen."

    Kaum dass Canhun sich abgewendet hatte, löste er das Siegel. Der Mann wusste mehr, als er zu sagen hatte. Sie hatten das Ziel ihrer Reise vor Augen.




"Brannon Torendir?"

"Ja...? Oh... entschuldigt brennil Gildinfael."

Er konnte sehen, wie sich einige Köpfe zu ihm umgewendet hatten. Sie warteten auf ihn. Er gab seinem Pferd ein Zeichen.

Die Reise verlief friedlich. Der Pfad verlief durch ein flaches Tal. Westlich des Weges befanden sich weite Felder auf denen Auerochsen grasten. Am Himmel kreisten ein paar wenige Vögel, denn viele waren bereits in wärmere Gefilde unterwegs. Die Hügel im Osten lagen dagegen im Schatten. Vielerlei Kräuter wuchsen dort, die einen schattigen Platz bevorzugten. Der Wald war dicht und geübte Augen konnten einige Waldtiere sehen, die sich Vorräte für den kommenden Winter aneigneten.

An der Wegkreuzung angekommen, wo die Straße zwischen Esteldín und Schragen entlang führte, machten sie kurz Halt. Es war etwa mittags und der Wind aus dem Norden strafte die Sonne Lügen. Während sie ihre wärmenden Strahlen hinabsendete, blies der Wind diese Wärme fort. Es war beinahe ein Kampf zwischen diesen beiden Gewalten, den die Sonne noch für sich entscheiden konnte. Noch ein paar Wochen und die Sonne müsste nachgeben.

Radspuren führten von links nach rechts und nur wenig führte weiter nach Norden auf dem sichtbaren Pfad, der zur Regenzeit sicherlich schwer zu bereisen war. Weit im Norden war nichts zu erkennen von einer Stadt. Dies hatte für die Bewohner sicher auch etwas Gutes. Man konnte sie nicht so leicht entdecken.


"Wohin müssen wir nun?", fragte Cuildis die anderen.

"Othrikar liegt dort oben irgendwo in den Bergen." Torendirs Blick war auf den Norden gerichtet, wo er die Minenstadt vermutete.

"Ihr wisst es nicht genau?"

"Ich war nie dort. Ich weiß nur, dass es diese Stadt dort oben gibt, da sie auf der Karte eingezeichnet war", meinte Torendir entschuldigend.

"Dann wollen wir die Zwerge nicht lange warten lassen", sprach Cuildis.

"Ich bin sicher, sie werden uns nicht erwarten und ich habe auch nicht den Bedarf daran, sie zu studieren", erklang es von Amnen. Man musste ihn dabei nicht ansehen, um zu verstehen, wie es gemeint war.

"Dies ist aber unser Ziel. Also reisen wir hin, hören uns an, was sie zu sagen haben und verschwinden wieder, so wie wir es besprochen hatten", erwiderte Torendir. Er konnte verstehen, dass einige immer noch einen Groll hegten. Schließlich hatten sie am eigenen Leibe erfahren, wie es war, als sich die beiden Völker gestritten hatten.

Bringen wir es hinter uns dachte er sich, als er seinem Pferd ein Zeichen gab. Heute würden sie endlich das Ziel ihrer Reise erreichen und doch war er sich sicher, dass sie noch lange nicht beendet sein würde.

_________________
Eine kleine ABC-Musiksammlung - aktualisiert am 17.05.2011

Sidhril, Torendir, Mallthirion, Thrygrim Eisenschild
Adelgunde Rosenwind, Montegar Doldentau, u.v.m


Zuletzt geändert von Sidhril am Do 16. Apr 2015, 13:13, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lande im Zwielicht
BeitragVerfasst: Mi 15. Apr 2015, 23:19 
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Die Minenstadt

"Dogli, da kommen Reiter den Weg hinauf zu uns", raunte Orflaf seinem Nebenmann zu, der mit ihm zusammen im Süden auf den Mauern saß und den Weg bewachte.

"Ich sehe sie, aber wie viele sind das?"

"Es sind keine Menschen..."

"Was wollen die aus Lin Giliath hier? Wir haben sie nicht gerufen."

"Was weiß ich. Vielleicht wollen sie einen Handel eingehen."

"Orndr wird sich gewiss freuen über Besuch. Dann kann er Lauten zählen."

Raues Gelächter erklang hinter den beiden Wachen. "Ich werde hier gar nichts zählen. Ich habe meine Arbeit getan. Da kann sich jemand anderes drum kümmern... Havor zum Beispiel."

Orndr nahm es Havor immer noch übel, dass er die Säcke nicht wie besprochen verteilt sondern in der hintersten Kammer gelagert hatte. Dabei brauchten sie das Getreide ständig. Sein Magen meldete sich. Wortlos setzte er sich hin und nahm aus dem Suppentopf eine große Portion.

"Hauptsache jemand anderes. Ich habe keine Zeit, keine Lust und ich habe Hunger."

Damit war dies erledigt und kein Elb der Welt würde Orndr nun davon abhalten, sein Mahl zu verspeisen.



Als sich die Stadt vor ihnen zu erkennen gab, kaum dass sie eine kleine Mulde durchquert und den folgenden Hügel überquert hatten, stieg ihnen der Geruch von glühendem Eisen und Schwefel in die Nase. Keine der Wachen schien sich daran zu stören, dass sie sich näherten. Ein einzelner Mann winkte ihnen zu. Er schien sie bereits erwartet zu haben, denn er räumte gerade mit einer Mistgabel etwas Heu zur Seite in einem kleinen Verschlag, wo bereits einige Ponys untergebracht waren.

"Seid gegrüßt. Wir sind Reisende aus dem Süden. Wir suchen hier einen Verantwortlichen dieser Stadt, einen Anführer oder dergleichen."

"Oh da müsst ihr auf die Suche gehen. Orndr ist heute schlecht gelaunt..."
Es folgten einige Namen von weiteren Zwergen, doch es war immer noch nicht klar, an wen sie sich wenden müssten.
"Heute haben sie nur so viel zu tun. Der kommende Winter versteht ihr? Fragt einfach einen von ihnen, die nicht gerade bei den Essen stehen."

Kaum dass sich die Reisenden ein paar Schritte in den Ort begeben haben, wussten sie, was der Mann gemeint haben musste. Es erklang ein Pochen und Hämmern, beinahe einem seltsamen Rhythmus folgend, der das Lied der Arbeit begleitete. Einer der Zwerge schob gerade einen leeren Handkarren in Richtung der Minen, während ein weiterer fertiggestellte Werkzeuge eilig zu einem Tisch trug, wo er es akribisch sortierte. Keiner von ihnen schien sich daran zu stören, dass sie nun Besuch bekommen hatten.

Bei genauerem Hinsehen konnte man jedoch den einen oder anderen Kopf sehen, wie er sich einem anderen zuneigt. Worte wurden geflüstert, die wohl nur die Zwerge verstanden. Wer sich geschickt anstellte, konnte zusammengezogene Augenbrauen erkennen, wenn sich deren Besitzer unbeobachtet fühlte. Die Frage nach einem Verantwortlichen wurde geschickt ausgewichen. Die meisten hatten keine Zeit, sich darum zu kümmern, manche wussten es wohl nicht und manch einer schien auf diesem Ohr taub zu sein. Der Eindruck, einsam in einer vollen Stadt zu sein, drängte sich einem nahezu auf. Doch die Bewohner des Ortes wirkten teilweise auch sehr vertieft in ihre Arbeit. Nur die Augen der Wachen blickten sie ab und zu an.

Erneut öffnete sich eine der Türen zu den Minen im Norden. Ein Rumpeln und Quietschen ertönte, als ein schwer beladener Handkarren von einem Zwerg mit dunkelbraunen Haaren, die zu feinen Zöpfen geflochten waren, buschigen Augenbrauen und einem zweigeteilten Bart herausgeschoben wurde. Kurz hielt er an, um zwei Pickel neben den Eingang der Mine abzulegen. Eine dritte verblieb auf dem Karren, den er nun in die Mitte des Platzes schob, geradewegs zu einem Zwerg, der neben einer Ansammlung von Tischen mit Dutzenden verschiedenen Werkzeugen stand und gerade Hand an einer Zange legte.


"He Morí. Ich brauche einen neuen Pickel. Der hier ist zerbrochen."

"Flosir, Du sollst damit schürfen, nicht den Berg zertrümmern." Kopfschüttelnd nahm Morí den Pickel entgegen. Der andere Zwerg dagegen blickte sich nur um, als er der Reisegruppe aus Elben gewahr wurde.

"Was wollen die denn hier?" Ehe einer antworten konnte, neigt dieser den Kopf zum Werkzeugmacher, der ihm etwas zuraunte. Flosir gestikuliert wild mit den Armen und das eine oder andere unflätige Wort war zu vernehmen. Es ging offenbar um ein Vorkommnis in der Mine.

"Die Ladung hier ist für die anderen Schmiede. Sie sollen zusehen, dass sie da was rausholen können."

Flosir packt seinen Karren und wollte ihn gerade weiter schieben, als er sich dann mit ruppiger Stimme an die Elben richtete.

"He Ihr da! Ja genau ihr! Steht hier nicht so im Weg herum. Wir haben zu arbeiten. Dies hier ist kein Ort für eure sauberen Roben. Sagt was ihr wollt, aber stört uns hier nicht bei der Arbeit. Wir haben noch viel zu tun, bevor der Winter einbricht."

"Wir haben den weiten Weg aus Imladris nicht auf uns genommen, um hier wieder fortgeschickt zu werden", antwortet Torendir kühl.

"Aus Imladris? Ich hätte Lin Giliath geraten. Was auch immer ihr hier sucht, ihr findet es garantiert nicht und nun schert euch fort, wenn ihr nichts kaufen wollt."

Der Zwerg schien sich kurz zu besinnen, denn plötzlich deutete er auf einen anderen Zwerg, der vor einem Haufen von Listen saß.

"Ihr solltet mit dem Buchmacher dort drüben reden, wenn ihr Handel treiben wollt. Er weiß wer gerade Zeit hat."

"Wir sind nicht zum Handeln hergekommen. Uns wurde eine Botschaft geschickt, in der wir gebeten wurden, hierher zu kommen."

"Eine Botschaft? Kann ich das glauben? Zeigt sie mir", forderte Flosir den Elben auf.

"Seid Ihr hier verantwortlich in der Stadt?", fragte Gildinfael.

"Wie jeder andere auch. Selbst das kleinste Rädchen trägt Verantwortung denn wenn es ausfällt, drehen die großen Räder nicht weiter."

Noch zögerte Torendir in der Hoffnung, dass vielleicht Glamnir auftauchen möge.

"Was habt ihr? Angst vor etwas Schmutz und Schweiß? Was glaubt ihr wie wir schürfen?" Der Zwerg wischte sich wie zum Beweis nun mit dem Handrücken über die Stirn. Was vorher aussah wie ein dunkler Goldton, entpuppt sich nun aus einer Mischung von Schweiß und Dreck, der nun seine Stirn zierte.

"Aber nun her mit dem Wisch. Ich will wissen, ob ihr die Wahrheit sagt."

Erneut streckte der Zwerg die Hand aus, aber er überlegte es sich anders und deutete stattdessen ein paar Stufen hinauf, wo ein freier Platz zu erkennen war. An seinem Ende war eine reich verzierte Tür in den Stein gehauen.

Als der Zwerg das Schreiben überreicht bekam, hielt er noch eine Weile inne. Wenige Augenblicke betrachtete er jeden von ihnen, als wollte er sich alle Gesichter einprägen. Bei Aelwyna hob er gar eine Braue, wohl überrascht, dass ein Mensch mit Elben reiste. Letztendlich aber widmete er sich dem Schreiben.


"Er hat nicht gesagt, dass ihr gleich die ganze Sippschaft anschleppen würdet und fremde Menschen dazu. Ihr seid also dieser Torendir hm?"

"Das bin ich. Und wer seid Ihr?"

"Nun gut. Mein Name ist Flosir und ich bin nicht sehr erfreut darüber, dass ihr meine Arbeit unterbrecht, aber es muss wohl so sein." Mit einem Zucken seiner Schultern bestätigte er nur seine Ansicht darüber. Kaum aber dass er einen freien Blick auf den Buchmacher bekam, an den er sie noch eben erst verweisen wollte, brüllte er los, als sollte es bis nach Lin Giliath klingen.

"HLÁJÁ, SORGE FÜR MEINE ABLÖSE. ICH HABE… GÄSTE. WIR BRAUCHEN NOCH ZWEI LADUNGEN. HEUTE NOCH!"

Der angesprochen Zwerg musste nicht viele Worte verlieren. Er rief einer der Wachen etwas zu, die sich darauf wortlos abwendete und in einem Gebäude verschwand.

"Ob nun Wachen, Schmiede, Schürfer oder Werkzeugmacher. Es ist einerlei. Wir lösen uns ab, wo es nötig ist", erklärte Flosir den Gästen.

"Kommt mit, wir haben einiges zu bereden", herrschte er sie dann plötzlich an, als sei es keine Bitte sondern eher ein Befehl. Den Elben blieb nichts anderes übrig, als ihm in eine der Gassen zu folgen, wohin er verschwand.

"Wartet hier, ich bin gleich zurück. Hier steht ihr den andere wenigstens nicht im Weg", brummte er den anderen zu, ehe er in einer Tür verschwand. Ob er dabei die immer spitzer werdenden Bemerkungen von Amnen bewusst ignorierte oder einfach nur nicht wahrnahm, war nicht zu erkennen.

Flosir dagegen bemerkte sie natürlich. Jedes Detail blieb ihm im Kopf haften. Auch dass der Elb, den die anderen unter den Namen Amnen kannten, teilweise die Sprache der Elben verwendete, stieß Flosir übel auf. Wenn ihm nicht von Glamnir und dessen beiden Freunden das Versprechen abgerungen worden wäre, diesem Torendir und jeden seine Begleiter einfach nur die Geschehnisse zu berichten, egal was auch geschehen möge, dann... Sein Blick fiel auf eine Wandtafel. Es zeigte ein Bild einer Schlacht. Mit einem Mal wurde sie sehr lebendig. Das eiskalte Wasser aus der flachen Schüssel riss ihn wieder aus den Gedanken, als er seine Hände hineintauchte, nachdem er sich das schmutzige Hemd vom Leib gezogen hatte.

Kurz konnten die Besucher der Stadt den Fackelschein aus dem Inneren sehen, als sich die Tür wieder öffnete. Zwar ist noch immer sein Schweißgeruch zu vernehmen, doch das Gesicht Flosirs ist sauber und auch die Hände. Er hatte sich wohl notdürftig gewaschen. Mit einem frischen Hemd in der Hand kam er ihnen entgegen, welches er sich vor ihren Augen überzog. Das Hemd, welches seinen muskulösen Oberkörper umspannte, schien ihm beinahe zu eng zu sein, doch es waren eher die Muskeln als Fettmasse, die das Hemd ausfüllten.


"Ihr seid also Freunde dieses Glamnir ja? Hat der alte Kauz also tatsächlich Elben um Hilfe gebeten... wie dem auch sei, nun seid ihr hier und ich muss euch unterrichten."

"Was gibt es so wichtiges, als dass wir uns in eure Stadt begeben müssen?", fragte Torendir prüfend.

"Hört gut zu, denn ich werde es nur einmal berichten." Mit gesenkter Stimme fuhr er fort. Beinahe väterlich erklang die Stimme nun.

"Vor geraumer Zeit geschah hier etwas sehr merkwürdiges. Seht Ihr dort drüben den Hügel?"

Sein Arm war dabei auf einen hohen Hügel ein Stück weit im Osten gerichtet. Auf dem Gipfel befand sich ein hölzerner Aufbau.

"Das ist der höchste Punkt in der Nähe und das dort oben ist das Leuchtfeuer Othrikars. Einer unserer Späher berichtete von einer zunehmenden Ansammlung von Krähen. Widerliche Wesen. Ratten mit Flügeln wenn ihr versteht. Sie wurden immer mehr und mehr und als sie sich erhoben, verdunkelte sich der Himmel als würde ein Unwetter aufziehen."

Verschwörerisch gestikulierte Flosir mit den Armen, um das Ausmaß der Ansammlung deutlicher zu machen.

"Wir wussten nicht, was sie vorhatten, aber wir bezogen Stellung um den Hügel bewaffnet mit Armbrüsten.

Sie zogen ihre Kreise unweit der Spitze dort, als sich ein einzelner Vogel näherte. Wie auf ein Zeichen wechselte der Schwarm plötzlich seine Richtung und hielt auf den einzelnen zu.

Dieser änderte ebenfalls seine Richtung. Erst dachten wir, er sei ihr Leitvogel oder dergleichen."


Hatte Torendir bislang nur beiläufig zugehört, horchte er nun auf. Ein Leitvogel wäre möglich aber die Art der Worte ließen ihn zweifeln.

"Dann als sie die Spitze passierten, brach das Unwetter los und zwar wortwörtlich. Blitze zuckten in den Himmel. Ihr habt richtig gehört. In – den – Himmel", wiederholte Flosir.

"Wir fürchteten schon, dass ein Zauberer auf der Spitze sein Unwesen treiben würde. Ein Feuerwerk war es, wenn auch die Leuchtkörper andere waren, als wir erst vermuteten."

"Wie auf der Wetterspitze...", raunte Gildinfael leise.

"Kommt mit, ich zeige euch die Stelle", forderte der Zwerg die anderen auf, ihm zu folgen. "Keine Widerworte. Glamnir wollte es so, damit ihr versteht, was er vorhat… dieser Narr."

"Wo ist Glamnir nun?" fragte Torendir beunruhigt.

"Ich schätze oder hoffe für ihn in Esteldín, doch dazu später, erst will ich dort oben nach dem Rechten sehen."

Als sie sich in Bewegung setzten, begegneten ihnen einige Zwerge auf dem Weg nach oben, die dort Wache hielten. Sie sagten aber nichts, als sie Flosir voranstapfen sahen. Es schien wohl seine Richtigkeit zu haben. Einer von ihnen blickte hinauf zum Gipfel. Er schien zu verstehen, was ihr Kamerad vorhatte.

"Passt auf wo ihr hintretet. Es leben Raubkatzen in der Gegend. Weiter unten ist ein ganzer Luchsbau. Dort hineinzugelangen könnte einige üble Kratzer zur Folge haben." Es klang so, als hätte ihr Bergführer bereits damit Erfahrung gemacht.

Der Aufstieg ging recht flott, auch weil sie nahezu unsichtbare Stufen benutzten. Wie zufällig angeordnete Steine lagen manche herum, aber sie führten sie immer weiter hinauf. Oben angekommen waren sie trotzdem etwas außer Atem, selbst der Zwerg, der beim Aufstieg weitgehend geschwiegen hatte.

Als er wieder zu Atem gekommen war, deutet er auf zwei Stellen neben den Holzscheiten.

"Hier war es. Dort… und dort." Dabei deutete er mit den Händen auf zwei Stellen, wo sich Markierungen befanden.

"Hier fanden wir zwei seltsame schwarze Steine, aber wir wussten gleich, dass es sich um etwas Gefährliches handelte. So wollten wir am nächsten Tag zu den Waldläufern, um sie um Rat zu fragen.

Dazu kam es aber nicht, denn wir sahen eine Reisegruppe. Darunter ein Zwerg, der uns bekannt war – Glamnir. Er kommt öfter auf seine Reisen hier vorbei seit er wohl im Westen irgendeine Schreibarbeit angenommen hatte

Die Steine waren schwarz und flach. Es befanden sich Runenwörter darauf. Brandspuren führten zum Teil nach Süden, andere nach Osten."


"Bote und Offenbarung...", entfuhr es Torendir, worauf sich die Brauen des Zwerges wölbten.

"Aha. Also kanntet ihr die Antwort, noch ehe ihr hergekommen seid?"

"Wir fanden selbst solche Steine auf der Wetterspitze mit genau diesen Worten", antwortet Torendir.

"Oh ich verstehe. Nun das erklärt natürlich einiges von Glamnirs Gefasel. Es ist wohl doch mehr dran an dem Kerl als ich ihm zugetraut hatte. Das würde auch erklären, warum er partout nicht im Süden suchen wollte, sondern den Osten bevorzugte. Andererseits weiß er ja nichts von eurem Fund..."

Flosir zog die Stirn derart in Falten, dass sie durchaus ein Abbild des Gebirges im Norden sein könnte.

"Wir brauchen mehr Waffen. Eisen. Wenn nicht Mithril dann Eisen. Wenn die aus Angmar was vorhaben, müssen wir gewappneter sein als jetzt, zumal die Waldläufer fort sind. Nur noch wenige sind in ihrem Tal geblieben."

"Ihr redet von Esteldín?"

"Ihr kennt den Ort? Gut, dann erspare ich mir die Druckserei." Flosir wirkte fast zufrieden bei den Worten.

Kurz hielt er inne, um sich umzusehen. Es war eng auf dem Gipfel, kaum genug Platz für jeden von ihnen, sodass einige nicht bis hinauf gegangen waren. Der Fundort dieses Steinpaares war ernüchternd normal. Trotzdem ergab es nun einen Sinn. Es war erneut ein hoher Ort, genau wie die Wetterspitze. Es blieb zu vermuten, dass sich vielleicht noch weitere auf dem Weg befanden wie beispielsweise in der Feste Alagos, die schließlich ebenfalls in den Wetterbergen bis zum Gipfel ragte. Da sie aber vermutlich genauso erloschen sind wie die anderen, war hier nun ein Angelpunkt erreicht, an dem sich entschied, wohin die Reise führen würde. Da Glamnir den Osten erwähnt hatte, waren ursprüngliche Überlegungen in Richtung Fornost, Evendim oder gar noch weiter nach Forochel unwahrscheinlich.


"Lasst uns wieder hinunter, ich muss bald zu meiner Wachschicht", sprach der Zwerg, bahnte sich einen Weg durch die Reisenden und stapfte zielstrebig hinab so wie sie hinaufgelangt waren.

"Was ist mit dem Vogelschwarm noch passiert?", fragte Torendir unterwegs.

"Die Vögel verschwanden vermutlich aus Schreck größtenteils wieder in den Hügeln. Andere wurden von den Blitzen zerrissen. Nur die ersten gelangten weiter, während der einzelne sich waghalsig zu Boden stürzte, so dass wir die restlichen paar verscheuchen konnten."

"Und die Steine?"

"Einen hat Glamnir mitgenommen und den anderen...", Flosir zögerte kurz, ehe er fortfuhr, "...haben wir in unserer heißesten Esse zerstört. Ich hoffe dies war richtig."

"Das war richtig, denn er hätte erneut gefährlich werden können", meinte Gildinfael.

"Wir tun was wir können", antworte der Zwerg.

"Was ist mit diesem Freund, den ich hier finden sollte?" fragte Torendir erneut auf halben Weg nach unten. Beinahe wäre er dabei über den Zwerg gestürzt, der abrupt stehen geblieben war. Lange schaute Flosir den Elben an, als wüsste er nicht so recht, was er antworten sollte. Dann nickt er ihm zu und brummt etwas von 'unten'.

Als sie unten angekommen waren, waren sie immer noch nicht schlauer als zuvor, außer dass sie nun wussten, dass sich zwei Steine wie auf der Wetterspitze befunden hatten und Glamnir vermutlich in Esteldín war. Torendir hatte aber das Gefühl, dass es hier noch um etwas anderes ging als nur um die Magie von Runensteinen. Als er schon fragen wollte, kam ihm der Zwerg zuvor.


"Ich werde gleich eure Frage beantworten, doch zuerst will ich euch etwas zeigen. Dann wird sich die Frage vielleicht von alleine beantworten."

Kaum dass er es ausgesprochen hatte, ließ er die anderen einfach stehen und verschwand in dem Gebäude, wo er bereits schon einmal verschwunden war. Kurz darauf erschien er erneut. In den Händen hielt er nun ein aufgewickeltes feines sauberes Tuch aus feinster Seide. Flosir begann es dann langsam zu entfalten bis etwas zum Vorschein kam – eine weiße Vogelfeder.

Torendir starrte wie versteinert auf die Feder, denn er wusste nun, welcher Freund ihn hier erwartet hatte. Er streckte die Hand aus, um nach ihr zu greifen, doch der Zwerg zog das Tuch mit der Feder zurück.


"Moment, nennt mir erst den Namen des Freundes, denn ich muss sichergehen. Schließlich war eine dunkle Macht im Spiel...", sprach Flosir mit Blick auf Torendir.

Die Proteste der anderen nahm er gar nicht wahr. Es war beinahe so, als wäre er hier vollkommen alleine mit dem Elben, auf den sein strenger Blick gerichtet war. Endlose Sekunden später wiederholte er die Frage, doch diesmal ruhiger.


"Heledir", kam es über Torendirs Lippen. Er hatte den anderen manchmal von ihm erzählt, zuerst in Echad Candelleth, als der Ruf der Krähe zu vernehmen gewesen war, kaum dass sie Bar-e-Techir verlassen hatten. Er war sein ältester Freund, der ihn schon viele Jahre begleitet hatte. Er erinnerte sich an das Gespräch mit Lotiel am Nen Harn. Nun glaubte er, dass er seit Echad Candelleth eine Vorahnung hatte. Vorsichtig nahm er die Feder entgegen, um dann leise zu fragen: "Wie geht es ihm? Ich muss zu ihm..."

"Gebt Euch keine Mühe und mir nicht die Schuld. Er ist nicht mehr hier", brummte der Zwerg beinahe gleichgültig, was dem Elben nun sichtlich die Gesichtszüge verhärtete.

"Wo ist Heledir?!", fragte Torendir erneut. Die Art wie er fragte, ließ keinen Zweifel daran, wie es um sein Innenleben aussah. Er hatte Mühe sich zu beherrschen. Selbst Amnen schwieg in diesem Moment.

"Oh da ist es vorbei mit der Ruhe wie mir scheint. Es ist nicht so, dass ich ihn euch vorenthalten würde, doch schaut euch hier um. Dies ist eine Minenstadt. Wir haben hier nicht die Möglichkeiten, ein Tier dieser Art zu pflegen", antwortet Flosir schließlich mit einem heiteren Blick, da es ihn offenbar amüsierte, einen Elben aus der Fassung gebracht zu haben.

"Also lebt er?"

"Ja er lebt, wenn er auch einiges abbekommen hat, als er sich in den dornigen Sträuchern verfing. Seine Flügel waren ihm keinen Nutzen mehr. Unter normalen Umständen hätte ich ihm keine Chance im Luchsbau gegeben, doch dieser Abend war nicht normal – ganz und gar nicht normal.

Diese Katzen waren verängstigter als euer Freund. Hm... wenn ich es recht bedenke, dann ist er nicht ausversehen dort gelandet"
, sprach Flosir.

"Auch wenn es Euch vermutlich wundern wird, er hat einen Freund dieser Gattung. Sein Name ist Tarias."

"Er ist doch nicht etwa hier oder?", fragte der Zwerg etwas beunruhigt.

"Ich glaube ihm bekam der Geruch hier nicht...", antwortet Torendir lapidar.

Der Zwerg murmelte etwas Unverständliches in seinen Bart. Dem Gesichtsausdruck nach war es sicherlich keine Höflichkeitsfloskel. Triumphierend blickte Torendir zu Amnen, der sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.


"Wo ist er jetzt?"

"Einer unserer Leute hat ihn am zweiten Tag nach Schragen gebracht, als klar war, dass es hier kein Ort für ihn ist. Außerdem pflegen wir höchstens Pferde oder unsere Ponys, aber sicher keine Vögel."

"Nach Schragen? Warum nicht nach Esteldín?" Torendir war fassungslos.

"Ein Ort ist wie jeder andere. Außerdem war unser Meisterhandwerker sowieso unterwegs dorthin, um Werkzeuge im Tausch für Getreide und Gemüse zu liefern. Hätte ich etwas in Esteldín zu tun gehabt, hätte ich euren Freund nach Esteldín gebracht, aber ich stand an dem Tag an der Esse."

Mittlerweile waren die Gemüter wieder ein wenig beruhigt, der Ausflug auf den Gipfel des Hügels verdaut und die Sticheleien schienen in der Tat aufgehört zu haben. Tatsächlich war von Flosir eine schwere Last von den Schultern gefallen. Es hatte ihn Überwindung gekostet, diese... Elben herumzuführen, ihnen alles zu erklären und dabei ruhig zu bleiben. Er hatte eigentlich vorgehabt, sie nach der Übergabe der Feder einfach stehen zu lassen. Irgendwie aber wollte er es nun aber nicht mehr. Der blaue Elb, Torendir ob seiner blauen Robe so von ihm genannt, schien sehr an diesem Tier zu hängen. Echte Sorge hatte er in seinen Augen sehen können. Er war nicht so von der Idee eines verzauberten Steines eingenommen, wie es Glamnir war. Zwar schätzte er Pflichtbewusstsein, doch Freundschaft war etwas Wertvolleres.

Vielleicht hatte er sich anfangs falsch verhalten. Es war an der Zeit, die Schlacht im Bildnis zu lassen. Es gab schließlich genug Probleme andernorts und so nutzte dies Flosir für eine Prahlerei.


"Ja ich bin ein Meisterschmied. Meine Kunst ist hier beinahe unübertroffen. Es gibt nur wenige, die besser ihren Hammer führen können als ich", kam es über seine Lippen. Umringt von den Elben und Aelwyna wirkte es fast schon merkwürdig, wie sich der Zwerg groß fühlen konnte in diesem Moment, wo er sie zuvor noch am liebsten herumgeschubst hätte.

Einer plötzlichen Idee folgend sprach die Frau aus Gondor ihn an:
"Würdet Ihr Euch vielleicht einige Waffen anschauen, die wir gefunden haben? Ihr könnt uns doch sicher etwas über sie verraten wenn Ihr ein Meisterschmied seid nicht wahr?"

"Das kann ich für euch tun. Wo sind sie?"

"Bei den Pferden."

"Gut ich folge euch."

Aelwyna ging voran zu ihrem Pferd, während ihr die anderen folgten. Kurz darauf hielt sie einige der Waffen in den Händen, um dann eine der Waffen, die sie aus Imladris mitgeführt hatten, dem Zwerg zu überreichen.

Sorgfältig wog er das Schwert in der Hand. Vorsichtig hielt er es auch ins Licht, welches zu dieser Stunde langsam schwand, denn es war fast schon abends.


"Ha! Das nenne ich Kriegsbeutenverwertung

Seht, diese Schwerter sind vor langer Zeit in den Schmieden von Carn Dûm gefertigt worden... Solches Eisen findet man kaum anderswo, aber selbst in Bruchtal würden die dortigen Schmiede lieber etwas anderes verwenden, selbst wenn sie sonst nichts hätten."


Sein Blick ging dann zu den Gravuren, die er nun genauer betrachtete.

"Hrm... solche Arbeiten kenne ich doch. Das sind doch diese... Stammeszeichen", sprach er erstaunt.

"Das passt aber nicht zu... Moment!" Seine Augen hellten sich plötzlich auf, als hätte er einen Schatz entdeckt.

"Diese Stammeszeichen verheißen vielleicht etwas Gutes... wobei... Ihr habt sie aus den Händen toter Krieger genommen nicht wahr?"

"Es ist eine lange Geschichte, die ich Euch ersparen möchte. Aber es ist wahr. Die Männer sind nicht mehr am Leben und wir suchen jene, die sie geschickt hatten."

"Dann solltet ihr zuerst mit den Trév Gállorg sprechen, aber sie werden sicher nicht gerade erfreut darüber sein, wenn ihr ihnen die Waffen ihrer toten Krieger bringt", sprach er eindringlich zu den anderen.

"Ich kenne sie ein wenig, denn wir handelten oft mit ihnen. Sie sind etwas verschlossen Fremden gegenüber. Findet die richtigen Worte und sie werden sich erkenntlich zeigen."

"Habt Dank Herr Flosir für das anfänglich schwierige aber am Ende doch sehr hilfreiche Gespräch. Wir wissen eure Informationen sehr zu schätzen", sprach Torendir.

"Dankt nicht mir, sondern dankt der Weitsicht von Glamnir. Ich habe ihm versprochen, euch zu helfen und das habe ich getan... und ich habe es gerne getan."

Der Abschied fiel leicht, auch weil sie ihr Lager in Esteldín aufschlagen wollten, bevor die Nacht hereingebrochen war. Der Tag war anstrengend gewesen. Die Reise, eine Bergwanderung sowie die nicht gerade erfreulichen Gespräche mit diesem unwirschen Zwerg, auch wenn sie nun ein klares Bild vor Augen hatten, was sich zugetragen haben musste, hatte viel Kraft gekostet. Genau wie auf der Wetterspitze hatte Tirbethel dafür gesorgt, dass die Runensteine ihre Kraft blitzartig verloren – buchstäblich. Die Erkenntnisse, die man in Othrikar gewinnen konnte, bestätigten nur die schlimmsten Befürchtungen, die sie bereits hatten. Ihr Weg führt nach Nordosten ins dunkle Land Angmar, wenn sie auch in Esteldín eine sichere Zuflucht finden würden.

Torendir dachte, während sie sich auf der Straße bewegten, an etwas völlig anderes. Endlich hatte er Gewissheit. Sein Freund Heledir, der weiße Rabe, er war am Leben. Schragen lag nur in der falschen Richtung. Er schien mit sich zu ringen, doch letztendlich fing er sich wieder und wendete sich an seine Begleiter.


"Freunde, ich muss mich nun entscheiden, welchen Weg ich gehen soll. Euer Weg ist klar. Er führt nach Esteldín. Sucht meinen Freund Glamnir auf. Er wird euch sicherlich erwarten. Es dürfte wenige Zwerge in Esteldín geben. Aelwyna hat ihn bereits kennengelernt und wird ihn sicher erkennen.

Mein Weg führt mich aber heute noch nach Schragen. Ich werde nicht eher ruhen, bis ich meinen Freund gefunden habe, denn ich will wissen, wie weit er bereits genesen ist."


"Es ist schade, dass Ihr uns nicht weiter begleiten wollt. Passt auf Euch auf", sprach Gildinfael.

"Sorgt Euch nicht um mich, denn ich habe Tarias an meiner Seite. Gemeinsam werden wir euch folgen, sobald ich mit Heledir reisen kann. Wir sehen euch bald wieder."

Ohne sich noch weiter umzudrehen, lenkte Torendir sein Pferd nach Westen. Gildinfael dagegen lenkte gemeinsam mit den anderen ihr Pferd nach Osten, denn in diese Richtung lag Esteldín, das versteckte Tal der Waldläufer.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lande im Zwielicht
BeitragVerfasst: So 19. Apr 2015, 22:27 
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Bei Einbruch der Nacht

Kaum dass die anderen außer Sichtweite waren, hielt Torendir an. Sein Blick war in die Ferne gerichtet aber in Gedanken war er längst an einem anderen Ort. Er erinnerte sich an die alte Stadt der Menschen an der Grenze zwischen dem Breeland und den Nordhöhen unweit der Felder von Fornost. Damals war Heledir sein Späher gewesen und leitete ihn so sicher zur Stadt. Er hatte den Zwerg nicht gefragt, ob sie in Schragen jemand bestimmtes kannten doch wäre ein weißer Rabe gewiss auffällig genug. Warum aber Glamnir den Raben nicht mit nach Esteldín genommen hatte, war ihm ein Rätsel.

Er genoss die Stille der anbrechenden Nacht. Der Wind trug die kühle Bergluft herab. Beinahe glaubte er die Brandung zu hören, wie sie sich an den Felsen von Harlond brachen. Langsam kehrte er zurück. Sein Blick suchte seinen Gefährten, der den vergangenen Tag irgendwo auf die Jagd gegangen sein musste. Als er ihn nicht entdeckte, ließ er sein Pferd langsam die Straße gen Westen lostraben. Ob der Luchs spürte, dass er seinen gefiederten Freund bald wiedersehen würde?




Die Dunkelheit legte sich allmählich über das Tal. Gildinfael, die davon gesprochen hatte, dass sie den Ort kennen würde, hatte nicht zu viel versprochen. Bald schon hatten sie die Schlucht erreicht, die hineinführen sollte. Sie war noch zusätzlich mit Mauern verstärkt, durch die man auf mögliche Angreifer zielen konnte. Deutlich hatten sie sich als Elben zu erkennen gegeben, sodass sie nicht Ziel einer leichtfertigen Attacke hätten werden können. Es war für einige nicht der erste Besuch dieser Art. Schon Jahre zuvor hatte das Elbenheer der Thela Estel diesen Weg genommen. Diesmal trafen jene, die sich noch daran erinnerten, auf deutlich weniger Bewohner. Die Zeit hatte nicht stillgestanden. Viel war geschehen in all den Jahren und das Hauptaugenmerk war nun auf den Süden gerichtet. Dass sich jetzt im Norden etwas regte, war vielleicht kein Zufall.

Sie waren müde von der Reise und den Anstrengungen des vergangenen Tages. Cuildis dagegen sah sich neugierig um, schließlich hatte sie Esteldín noch nie gesehen. Die natürliche Beschaffenheit des Tals glich einer Festung. Nur der freie Himmel wirkte etwas ferner als außerhalb, was durch die beengte Sicht hervorgerufen wurde. Die beiden Wachen, die sie in Empfang genommen hatten, wiesen sie auf einen freien Platz weiter im Inneren hin, den sie nun aufsuchen wollten. Sie kamen an vielen Lagerfeuern vorbei, an denen sich Männer und Frauen niedergelassen hatten. Ihre Gespräche endeten kurzzeitig, als sie vorüberzogen mit einem freundlichen Gruß auf den Lippen. Nach einer engeren Gasse, die gerade durch die mauerverstärkten Felsen führte, öffnete sich vor ihnen ein noch viel größerer Platz als zuvor. Waffenlärm war zu vernehmen aber es waren nur Übungskämpfe zwischen heiter gestimmten Waldläufern die von ihren Freunden angefeuert wurden.

Bald hatten die Reisenden den Schlafplatz gefunden unweit einiger Gebäude von denen eines eigens erbaut sein musste, dessen Zweck sie nicht erkennen konnten. Die Zelte waren einladend um ein kleines Lagerfeuer angeordnet, welches bereits entzündet war. Mit freundlichen Worten begrüßten sie die bereits dort lagernden, während sie ihr Gepäck verstauten.

Die Ruhe kam gelegen. Ähnlich wie Torendir, der gerade einen der Höfe im Westen passierte, nutzten sie die Gelegenheit, über die vergangenen Stunden nachzudenken. Vieles von dem, was sie erfahren hatten, bestätigte nur ihre bisherigen Erkenntnisse. Und auch wenn man sich nun sicher sein konnte was das weitere Ziel sein würde, so schien die Jagd nach der Spur der Steine geradewegs in eine Bedrohung zu führen, von denen sie bisher nur ansatzweise etwas erfahren hatten. Dagegen erschienen die Sticheleien des Zwerges unbedeutend. Die Freude darüber, einen weiteren Zwerg aufsuchen zu müssen, hielt sich trotzdem in Grenzen.




Die Nacht senkte sich über die Felder. In der Nähe eines verlassenen alten Hofes dessen Mauern bereits verfallen waren, hatte sich Torendir niedergelassen. In den Händen hielt er das seidene Tuch, welches er vom Zwerg zusammen mit der Feder erhalten hatte. Sorgfältig wickelte er die Feder wieder aus, um sie noch einige Zeit nachdenklich zu betrachten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lande im Zwielicht
BeitragVerfasst: Di 5. Mai 2015, 23:22 
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Die Zusammenkunft in Esteldín

Kerzenschein spendete nur wenig Licht an diesem Morgen. Der Docht war bereits länger als das restliche Wachs. Die Pergamente lagen unordentlich auf dem Tisch verteilt. Eine alte hölzerne Tabakpfeife hatte bereits seit Stunden keine Glut mehr gesehen. Ein Schatten geworfen von einem Lichtschein auf der anderen Seite des großen Raumes ragte äußerst weit in den Gang. Vorsichtig näherte sich jemand der Gestalt, die am Boden zwischen einigen Decken lag.

Ein Brummen war die erste Antwort des leichten Stoßes mit der Hand der Ablöse der Nachtwache. Ein weiteres Brummen erklang, als der Stoß heftiger wurde, um den Zwerg endlich zu wecken. Seufzend machte sich Gebron daran, die Kerzen wegzuräumen. Allmählich wurde der Zwerg wach, als er das Rascheln der Pergamente vernahm. Ungehalten über die Störung seines Nickerchens wollte er den Mann, der es nur gut mit ihm gemeint hatte, zurechtweisen, aber freundliche Worte besänftigen ihn schnell.


"Ihr seid erneut während Eurer Arbeit eingeschlafen", sprach der Mann leise. Er war nicht sehr groß, etwas rundlich und wirkte noch recht jung.

"Ich habe nur ein kurzes Nickerchen gemacht", erwiderte Glamnir und rückte sich seinen Bart zurecht, der ihm irgendwie unordentlich vorkam. Als er schon fragen wollte, hielt ihm Gebron die Pfeife hin. Er konnte sehen, wie der Mann über die seltsame Definition des Zwergs von 'kurz' nachdachte. Wahrscheinlich hatte er Recht, denn die Decken, sein Bart, die erkaltete Pfeife...

"Ah habt Dank mein Freund, aber nun lasst mich die Schriften wieder zurückbringen. Es wird Zeit für ein kleines Mahl." So sprach es der Zwerg, rollte eine Rolle nach der anderen zusammen und hinterließ die unordentlichen Decken an der Stelle, wo er sie etwa sechs Stunden genutzt hatte.



Ein kühler Wind wehte von den Bergen herab. Die Zeit des Herbstes war wohl vorbei. Der Winter nahte, doch kaum einen schien es zu kümmern, waren sie doch hier geschützt in der Zuflucht der Waldläufer des Nordens. Bei genauem Hinhören konnte man den Wind wie einen anhaltenden Gesang wahrnehmen, der den Winter auf schaurige Weise ankündete wie ein Bote eine schlechte Nachricht. Verstärkt noch durch die Lage der Zuflucht wehte er förmlich die Gedanken an die wärmeren Tage der Vergangenheit fort – schneller als manch einem lieb sein konnte.

Der Wind ließ nach einiger Zeit nach und zurück blieb vielleicht ein leichtes Frösteln bei denen, die Kälte als ein unangenehmes Gefühl wahrnehmen würden. Tatsächlich sah man den einen oder anderen den Mantel etwas enger ziehen. Doch traf es nicht jeden, schon gar nicht die Elben, die hier in der Zuflucht der Waldläufer rasteten.

Im Lager der Reisenden wurden die ersten wachen Augen gesichtet. Aelwyna und Cuildis saßen bereits zusammen. Amnen, Gildinfael und die anderen kamen wenig später dazu. Die Erholung in der Sicherheit des Tales hatte ihnen gut getan. Es war viel Zeit vergangen, seit sie im Sommer noch den Weg eingeschlagen waren aus dem fernen Imladris, um dem Ruf eines fremden Zwerges zu folgen. Nach Othrikar hatte er sie gebeten und Torendir sollte ihn treffen. Dazu kam es jedoch nicht. Glamnir war in Esteldín und Torendir hatte nach dem Besuch der Minenstadt einen anderen Weg einschlagen müssen, den Weg nach Westen in die Stadt der Menschen am Rande des Breelands.

Sie waren gerade bei einer kleinen Mahlzeit, als ein bekanntes Gesicht zu ihnen trat. Der Meister der Rune, der Elb Mornalphor, der in den Wetterbergen dafür gesorgt hatte, die Waffen der Feinde zu einem nutzlosen Klumpen Eisen werden zu lassen, trat zu ihnen. Sorge war in seinen schwarzen Augen zu sehen, wenn man genau hinsah. Ansonsten sah man meist nur sich selbst denn die Iris wirkte wie ein Spiegel für jeden, der hineinblicken wollte. Des Rätsels Lösung war schnell gefunden, sah man ihn doch zumeist an der Seite seiner Frau Lotiel. Sie war nicht bei ihm und er wusste nicht, wo sie abgeblieben war. Zu Fuß wollten sie von Lin Giliath aus durch die Hügel östliches des Weges reisen, statt genau diesen Weg zu nehmen, den die Reisenden zuvor genommen hatten. In der Annahme, dass sie schneller gewesen sei, war er nun hier aber er musste feststellen, dass er sich geirrt hatte, denn niemand wusste von ihrem Verbleib.

Fern dieser Sorge und doch nicht weit von der Gruppe stapfte Glamnir an einigen anderen Zelten vorbei, wo am Abend zuvor noch die Übungskämpfe stattgefunden hatten. Er war in eine Karte vertieft und so war es fast ein Wunder, dass er jedem Hindernis gekonnt auswich. Ein kurzer Gruß nach links zu einem der Waldläufer folgte, ohne sich von der Karte abzuwenden. Abrupt blieb er stehen. Mit der linken Hand steckte er sich eine Tabakpfeife in den Mund und nahm, nachdem er sie entzündet hatte, einen tiefen Zug. Als er wieder ausatmet, umwölkte ihn weißer Rauch. Als er dann so abrupt weiter ging wie er angehalten hatte, folgte ihm die weiße Wolke für einen Moment, doch löste sie sich dann von seinem grauen Haupthaar und verblasste langsam in der Umgebung.


"Hier sind Eure Münzen für den Beutel feinsten Krauts", sprach Glamnir zu dem Mann, der gerade seine Waren in der Nähe der Händler am Westende des Tals ablud.

"Es ist mir eine Freude mit Euch Geschäfte zu machen. Ich habe die Ware gut verwahrt als der große Regen vor ein paar Nächten meine Reise verlangsamte. Ihr müsst Euch also keine Sorgen machen", erwiderte der Mann freundlich.

"Das will ich hoffen. Wer will schon nasses Pfeifenkraut in seine Pfeife stopfen?“

Der Mann hielt kurz inne, als er sich gerade einen Sack Rüben schnappen wollte, wohl um dem Zwerg seine Bedenken zu zerstreuen, aber er überlegte es sich anders. Er müsste sonst womöglich genaueres erklären. Glamnir kümmerte sich auch nicht weiter darum, war er doch in Gedanken schon längst woanders. Verloren darin stapfte er wieder zurück in die Richtung, wo er hergekommen war. Erneut würde er Schriften wälzen und Karten katalogisieren wie die eine, die er vor Empfang des Pfeifenkrauts in der Tasche verstaut hatte. Es würde ein Tag wie jeder der kürzer werdenden Tage werden, die er in den vergangenen Wochen erlebt hatte. So kam es ihm ganz recht, dass er neue Gestalten erblicken konnte.

Er versuchte einen tiefen Zug aus seiner Pfeife zu nehmen, doch diesmal versagte sie ihren Dienst. Die Glut war erloschen. Missmutig brummend musterte er die Fremden. Das neue Pfeifenkraut kam gerade Recht und in Gesellschaft ließ es sich gewiss besser aushalten. So entschloss er, auf sie zuzugehen.


"Seid gegrüßt Fremde. Mein Name ist Glamnir." Höflich verneigte er sich soweit es sein Rücken zuließ. "Elben in dieser Zahl, in diesen Zeiten, an diesem Ort... sind ungewöhnlich, es sei denn, ihr seid zu einem bestimmten Zwecke hier."

Jemand bot ihm einen Platz an und er nahm es dankend an. Am Ende eines Tisches rückte er sich einen Hocker zurecht, auf dem er dann platz nahm.

"Unsere Reise führte aus Imladris hierher doch der Weg war lang und ereignisreich. Wenn Ihr also Glamnir seid, der eine Botschaft nach Imladris sandte, dann solltet Ihr wissen, dass wir brannon Torendir bis vor kurzem begleitet hatten."

"Ihr seid also aus Imladris gekommen?", fragte Glamnir. "Wenn ihr also hier seid, wo ist dann Torendir?"

"Er hat sich entschlossen, nach Schragen zu reisen."

„Schragen?! Was will er denn in Schragen?“ Glamnir war entsetzt.

"Er will seinen Freund, einen Raben namens Heledir, aufsuchen, denn die Zwerge Othrikars haben ihn dorthin gebracht."

"Oh...", entfuhr es voller Überraschung dem Zwerg, während er an seinem Bart zupfte, "ich wusste doch, dass ich irgendwas vergessen hatte. Tja so ist also dieser Rabe tatsächlich sein Freund Heledir. Aber wie konnte ich vergessen ihn hierher zu bringen?"

Schweigend machte er sich nun daran, seine Pfeife zu stopfen. Nachdem er sie entzündet hatte, verbreitete sich allmählich der Geruch von sanftem aber würzigem Tabak. So waren sie also eingetroffen, wenn auch zahlreicher als zuerst vermutet. Sein Blick ging in die Runde und bis auf diesen seltsamen Elb mit den dunklen Augen schien ihm keiner wirklich zu den Gelehrten zu gehören. Er dachte an die Aufgabe, die er seinem Gefährten Canhun aufgetragen hatte. Sie waren sogleich weiter gereist – ohne Rabe.

"Dies ist wohl meine Schuld. Ich habe diesen Brief geschrieben und dann an andere Dinge gedacht. Diese Steine waren schließlich so in dieser Form noch eine Gefahr. Ich musste die Schmiede dazu überreden, den einen zu zerstören", fuhr Glamnir nachdenklich fort.

Amnen warf etwas in der Sprache der Elben ein. Es war weniger eine Nettigkeit als eine spöttische Bemerkung über den seltsamen Zwerg aus Othrikar, als sich Glamnir sehr genau anhörte, was er zu sagen hatte. Erneut strich er durch seinen Bart in dem silberne Fäden leicht im Sonnenlicht glitzerten. Die Antwort Glamnirs überraschte, sprach er doch ebenso in der Sprache der Elben, wenn auch bei weitem nicht so fein wie die Elben.

"Wenn ihr so in Gegenwart von Flosir gesprochen habt, dann wundert es mich nicht, dass er nicht gerade zuvorkommend war." Die Augen Glamnirs waren auf Amnen gerichtet, dem nun bewusst wurde, dass er sich nicht mehr hinter seiner Sprache verstecken konnte. Glamnir fuhr in gewöhnlichem Westron fort.

"Er ist ein Sturkopf der schneller redet als er denkt. Aber er hat das Herz auf dem rechten Fleck. Ihr hättet einfach nur seine Eingangstirade über euch ergehen lassen müssen, dann wäre bei ihm die Luft schnell raus gewesen. Freundlichkeit hat schließlich noch niemandem geschadet nicht wahr?

Irgendwer muss den Anfang machen. Sind die Elben nicht mit der Geduld der Valar gesegnet? Ich habe vieles in Imladris gelernt, so auch dass euresgleichen hinter die Fassade von jedem Blicken kann, wenn ihr euch nur die Zeit dafür nehmt."


Seelenruhig nahm Glamnir einen erneuten Zug aus seiner Pfeife. Lächelnd setzte er sie dann ab, denn nun war das Vorgeplänkel beendet.

"Reden wir also über Steine. Ihr habt schließlich erfahren, was sich in Othrikar zugetragen hatte, doch will ich euch über die Art des Zaubers unterrichten.

Ich fand keine weiteren Steine, aber ich vermute sehr, dass sich welche auf dem Gipfel des Ram Dúath befinden und auch welche im Süden."


"Wir fanden ein paar auf der Wetterspitze. Dies und Euer Brief waren der Grund, warum wir hergereist sind", sprach Gildinfael.

"Auf der Wetterspitze? Hmm... das klingt als wenn der Zauber noch weiter führte als ich erst gedacht hatte. Ihr habt nicht zufällig eine Ahnung, welche Pfade beschritten wurden?“

Ruhig hörte sich Glamnir nun die Geschichte der Blutsteine an vom Fund des ersten Steins in Bar-e-Terchir bis hin zu den Runensteinen auf der Wetterspitze.

"Ich verstehe... dann war euer Besuch auf Tinnudir vor geraumer Zeit kein Zufall", sprach er dabei Aelwyna und Gildinfael anblickend, denn langsam konnte er sich auch an ihre Gesichter erinnern, als er ihnen vor geraumer Zeit in den Ruinen auf Tinnudir begegnet war.

"Nein auch wenn wir damals noch nicht wussten, was sich alles ergeben würde und aus heutiger Sicht ist zu sagen, dass unser Weg hier nicht enden wird, sondern uns weiter führt."

Glamnir teilte diese Befürchtung, doch würde der Weg nicht einfach sein. Sie würden die Hilfe der Bergvölker brauchen, um in diesen Landen zurechtzukommen. Ihr Vertrauen zu gewinnen, würde nicht einfach sein. Das wusste Glamnir besser als viele andere.

"Glamnir spricht wahr. Die Trév Gállorg sind ein verschlossenes Volk. Nur die richtigen Verhaltensweisen helfen einem dort weiter", sprach plötzlich ein junger Mann, der sich wie zufällig zu ihnen gesellt hatte. Der Blick des Zwergs war nicht überrascht. Er kannte den jungen Mann schließlich. Es war der junge Waldläufer, der ihn vor nicht allzu langer Zeit aus Aughaire aus einer misslichen Lage herausgeholt hatte.

"Entschuldigt bitte meine Einmischung, aber ich kam nicht umhin, euer Gespräch mit anzuhören. Mein Name ist Cuthaldír. Ich diene Tinnudir seit vielen Jahren und begleite den Herrn Glamnir seit geraumer Zeit."

Als sie sich vorgestellt hatten, kamen sie erneut auf die Steine zu sprechen. Als Glamnir seinen schwarzen Stein aus der Tasche holte, legte er ihn vor sich auf den Tisch.

"Zeigt mir nun eure Funde und wir werden die Bedeutung der Worte mit euren Erkenntnissen aus Imladris vergleichen", sprach Glamnir und es war Mornalphor, der an seine Seite griff, wo er die Steine aufbewahrte.

"Die Bedeutung der Worte haben wir in Imladris erfahren. Eine Gelehrte von Hîr Elrond erklärte sie uns und es verwundert uns nicht, dass Ihr von der Zerstörung des Steines mit dem Wort der Offenbarung spracht."

"Ganz Recht. Er ist derjenige, der gefährlich werden könnte, überbringt er doch Nachricht an seinen Herren. Der Bote tut dies in die andere Richtung. Es ist eine Kette von Steinen, die über verschiedene Orte den Blick auf eine lange Reise schicken können.

Die Fundorte an erhöhten Punkten ist hierbei kein Zufall. Dass sich aber Blutsteine, die so anders sind als jene schwarzen Steine, die wir fanden, in diese Kette eingegliedert haben, ist seltsam. Wir werden sicher einige Zeit benötigen, um hinter das Geheimnis zu kommen."


"Warum seid Ihr Euch so sicher, dass wir in Angmar suchen müssen?", fragte Mornalphor.

"Weil er die Spur bis auf den Ram Dúath verfolgt hat", antworte Cuthaldír nicht ohne Glamnir einen Blick zuzuwerfen.

"Hrm erinnere mich nicht daran. Diese geschuppten Wesen sind zahlreicher als ich gedacht hatte", brummelte Glamnir in seinen Bart.

So erzählte der Zwerg von seinem Abenteuer auf dem Ram Dúath, der Begegnung mit den Jorthkyn, den Wächtern der Straße nach Aughaire und wie er erfolglos versucht hatte, etwas in Aughaire zu erfahren. Lange dauerten noch die Gespräche an. Sie hatten nun Gewissheit. Die Worte Faeniels waren dem des Zwerges gleich, wenn auch das letzte Rätsel um die Verbindung der Steine an dem Tag nicht gelöst werden konnte. So legten sie sich erneut schlafen, jeder in seinem eigenen Zelt. Und Glamnir? Er hatte für den Tag genug von Schriften. Er genoss einen Tee und lauschte den Gesprächen in dem Tal, bis sie verstummten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lande im Zwielicht
BeitragVerfasst: Mo 18. Mai 2015, 21:19 
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Der Kreis scheint sich zu schließen

Sie waren nicht untätig, während sie in Esteldín Rast machten. Cuildis reiste den Weg zurück, den sie gekommen waren, um nach Lotiel Ausschau zu halten, Cuthaldír und Aelwyna gingen auf die Jagd im Gebiet nordöstlich von Esteldín, Glamnir studierte weiter die Schriften, um etwas mehr über dieses Bergvolk herauszufinden – und dabei hätte er sich besser mit Cuthaldír unterhalten sollen, aber warum sollte ein alter Gelehrter einen jungen Jäger fragen? – Gildinfael kümmerte sich um den Proviant für die kommende Reise und Mornalphor steuerte eine Flasche köstlichen Honigmets bei. Sie wollten etwas zum Handeln haben, um nicht mit leeren Händen in ein fremdes Land zu reisen. Von den Trév Gállorg war bekannt, dass sie nicht gerade offen waren für Fremde, die in ihr Land kamen. Doch man konnte ihr Vertrauen gewinnen, durch Taten, durch Handel und vielleicht auch durch das eine oder andere Geschenk.

Amnen hingegen lenkte sein Pferd auf einen anderen Weg fort aus Esteldín nach Westen, ohne ein genaues Ziel zu nennen. Vielleicht kannte er es auch nicht. Sein Wesen war dem des Faraglor nicht unähnlich, war dieser Elb, den sie in Lin Giliath getroffen hatten, schließlich auch ein rastloser Reisender, der sich nicht allzu lange an einem Ort aufhielt.

Die Sonne stand noch tief, sodass die beiden Menschen aus Gondor ihre Hände schützend über die Augen halten mussten, als sie ins Tal hinabblickten. Die meisten Bäume hatten ihr Laub schon verloren. Es schien fast, als wäre hier schon der Winter eingezogen und wagte es nur nicht, über Esteldín hinweg zu ziehen. Deutlich konnte man in der Ferne die alte Schneise vom Gebirge im Nordosten bis hinab nach Dol Dínen erkennen, die sich wie eine Narbe durch das Tal zog. Ihr Ziel waren vereinzelte Auerochsen, die man leicht von der Herde fortlocken konnte.

Dabei waren sie nicht die einzigen Jäger in dieser Zeit. Zwei Klans der Erdsippe lagen hier im Streit. Ähnlich wie bei den Bergvölkern von Angmar waren es die Suuri-lehmä, die den Pass nach Angmar freihielten, während die Rauta-lehmä sich der Eisernen Krone angeschlossen hatten, nur dass es bei den Bergvölkern die Trév Gállorg waren, die in Aughaire der Eisernen Krone die Stirn boten und die Trév Duvárdain ihr folgten.

Cuthaldír hatte bereits den Bogen und einen Pfeil in der Hand. Einen der Ochsen sogleich tödlich zu treffen war wahrscheinlich unmöglich aber er vertraute seiner ruhigen Hand. Lange wartete er ab, um den richtigen Augenblick abzupassen. Der Pfeil traf, wo er treffen sollte, kaum dass er von der Sehne geschnellt war. Erwartungsgemäß fand sich das Jagdopfer nicht mit seinem Schicksal ab und stürmte auf den Jäger zu, der einen weiteren Pfeil auf die Sehne legte. Kurze Zeit später lag der Ochse am Boden und neben ihm der Waldläufer, der nicht damit gerechnet hatte, dass dieser Ochse schneller war als er gedacht hatte. Sein Überlebenswille hatte ihn zu Boden geworfen und das auf eine schmerzhafte Weise. Aelwyna stand nun über dem Haupt des Ochsen, blickte hinab auf den am Boden liegenden Waldläufer und schüttelte nur den Kopf.

Leichtsinnig war er, aber wann war er schon mal mit einer Frau auf Jagd gewesen und dazu noch eine aus seinem Volk? Er wollte mehr erfahren aus seiner Heimat, aus Pelargir, woher er stammte und von den Bergen, die sie vielleicht beide gesehen hatten als sie noch dort waren. Als sie ihr Knie in seinen Rücken drückte, um dann mit aller Kraft seine Schulter wieder einzurenken, die der Ochse beinahe gänzlich ausgekugelt hatte, war es nicht unbedingt diese Art von Nähe, die er zu einer Frau gesucht hatte. Innerlich enttäuscht und auch verärgert über seine Dummheit, die ihm Glamnir sicher tagelang vorhalten würde, bat er sie, über die genauen Umstände zu schweigen. Wenn dann wollte er ihm es berichten und den Grund dafür nennen, dass er wohl die nächsten Tage ein wenig ruhen müsste.




Cuildis brauchte derweil nicht weit zu reisen. Sie fand Lotiel sitzend auf einem Stein nicht weit vor Esteldíns westlicher Pforte gedankenverloren auf die Weite schauend, die sich ihr von ihrem Platz aus bot. Beinahe glaubte die Jägerin, dass sie alles um sich herum vergessen hatte. Wenn sie aber etwas vergessen hatte dann war es die Zeit. Wenig später reisten sie gemeinsam zurück nach Esteldín, wo Mornalphor bereits auf seine Frau wartete.

Glamnir hingegen erzählte von früher, als die Berge noch bewohnter waren von den Zwergen. Er hatte sie verlassen, um an anderen Orten nützlicher sein zu können. Er war noch jung gewesen, als er sich vor der Schlacht im Erebor verstecken sollte. Zumindest hatte er es sich solange eingeredet, bis er davon selbst so sehr überzeugt war, dass es ihm erst vor wenigen Jahren vergönnt war, in Imladris, im Beisein der Elben zuzugeben, dass er sich aus Feigheit versteckt hatte, um den Orks und Schlimmerem zu entgehen. Statt aber in die Ered Mithrin, das graue Gebirge, zurückzukehren von wo er stammte, hatte er sich entschlossen, mit vielen anderen nach Westen zu reisen. Als sie in Imladris Halt machten, blieb er vorerst dort und nannte daher Bruchtal seitdem seine zweite Heimat. Das Tal war für ihn reich an Wissen und die Elben teilten dieses Wissen mit ihm.

Natürlich war ihm nicht entgangen, dass sich Cuthaldír verletzt hatte. Häme und Spott für den jungen Mann war der Lohn des Zwergs, wenn er es auch mit einem kräftigen Augenzwinkern tat. Der Dank folgte wenig später, zog Cuthaldír den Zwerg genüsslich mit seinen Missgeschicken auf dem Ram Dúath und in Aughaire auf. Schließlich war es nicht Glamnir gewesen, der die richtigen Worte bei den Bergmenschen gefunden hatte.


"Interessant war jedoch das Gespräch mit dem Jäger. Du erinnerst Dich?", fragte Cuthaldír seinen zwergischen Freund, nachdem sie ihr kleines verbales Duell beendet hatten.

"Erzähle Du nur, ich stopfe mir jetzt lieber eine Pfeife und betrachte Deine Verbände. Vielleicht fällt mir eine interessante Geschichte dazu ein für später, die ich dann Canhun erzählen kann." Kaum dass er es ausgesprochen hatte, war der Beutel mit dem Pfeifenkraut schon geöffnet.

Cuthaldír begann dann von einem Jäger der Bergmenschen zu erzählen, der sich beinahe dem Tode nahe wähnte, als er bei der Jagd von einem Warg überrascht wurde. Statt aber angegriffen zu werden, hatte er dieses gefährliche Wesen nur auf schwachen Pfoten stehen sehen. Der Geifer war ihm aus dem Mund gelaufen, übelriechend und beinahe faulig. Ihn zu erlegen war ein leichtes gewesen. Auf nähere Nachfragen hatte der Jäger aber nicht viel mehr sagen können, als dass hier wohl Gift vermutet wurde. Doch wer sollte Gift verwenden? Es wäre nicht die Art der Bergmenschen, sich solcher Mittel zu bedienen.

Es war vielleicht Zufall aber es erinnerte sie an den ersten Bären in den Trollhöhen, der ebenfalls innerlich zerfressen war, und mit dem erst diese ganze Suche begonnen hatte. Sollte sich der Kreis also schließen, indem jemand mit Hilfe der Blusteine das Wissen um die Machenschaften des Gauredain nach Angmar gebracht hatte? Doch warum nur wurde es gegen Feinde der Menschen gerichtet? Glamnir musterte noch lange den schwarzen Stein mit dem Wort des Boten darauf. In Gedanken aber war er bei den Blutsteinen.


"Irgendwie passt da etwas nicht zusammen", murmelte er in seinen Bart, erhob sich mit seiner Pfeife und ging ostwärts fort. Wenig später konnte man stetig weißen Rauch hinter einer Mauer aufsteigen sehen, denn dort war das Lager des Zwerges und er würde noch lange weißen Rauch in die Luft atmen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lande im Zwielicht
BeitragVerfasst: Sa 6. Jun 2015, 22:15 
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Unerwartetes Wiedersehen

Der Blick Torendirs schweifte über die Lande südlich des Weges. Sein Pferd war ruhig wenn es auch im Inneren wünschte, davonzulaufen. Eben hatten sie einen frischen Kadaver eines Ochsen gefunden. Der Gestank war dem Luchs, dann dem Pferd in die Nase gestiegen, als die Sonnenstrahlen des Morgens das silberne Band des kleinen Flusses trafen, den er zu überqueren gedacht hatte.

Es wäre nicht ungewöhnlich, das Vieh eines Bauern an dieser von den Höfen entfernten Stelle am Fluss zu finden, wenn es einige Jahre her gewesen wäre. Doch dies sollten andere Zeiten sein. Auf der Stirn des sonst ebenmäßigen Gesichts Elben zeichnete sich eine spitz zulaufende Furche ab. Er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Gefahr drohte von Jägern, die man sich nicht in der Gegend wünschte.


"Tarias, sei vorsichtig!", sprach der Elb eindringlich, nachdem der Luchs eine Warnung von sich gegeben hatte. Die Ohren waren gespitzt, aber kein Laut drang an ihr Ohr außer dem Rauschen des Wassers. Der Ochse war nicht an dieser Stelle verendet. Er musste hergeschleift worden sein. Die Spuren führten nach Osten, in eine Senke. Als andere Spuren zu erkennen waren, wusste er, was der Luchs bereits gerochen hatte. Vor seinem Auge sah er die orkischen Jäger, wie sie den Ochsen von seiner Herde trennten. Blutdurst in den Augen, die Klinge schartig und tödlich zugleich in ihren Händen. Der Stoß mit einem Speer, der Tod, wie er sich über den Ochsen legte.

Es mussten drei oder vier sein, die auf die Jagd gegangen waren. Wilde Orks waren nicht weniger gefährlich als andere, die einem Anführer folgten. Die Befürchtung, die er in Lin Giliath vernommen hatte, kam ihm wieder in den Sinn. Es benötigte nur einen, um eine Gefahr zu sein. Doch dies war nicht Beruhigung genug. Selbst ein erzürnter Ochse war eine Gefahr so man sich ihm leichtfertig in den Weg stellen würde. Wie sah es dann erst bei einer Gruppe Jägern aus, die ein gemeinsames Ziel verfolgten?

Sie hatten sich keine Mühe gemacht, ihre Spuren zu verwischen. Er konnte erkennen, dass sie sich umgesehen hatten. Immer wieder hatten sie angehalten, wohl um zu spähen. Dann kreuzte sich die Spur mit anderen, sodass er genau hinsehen musste um zu erkennen, welcher Gruppe er nun folgte. Eine führte geradewegs nach Osten, um dann nach Norden abzubiegen.

In Gedanken war er den Weg zurück gereist als folge er der Spur, die er gefunden hatte. Er erinnerte sich an das Licht in einem der Fenster. Dort waren die Menschen in Gefahr. Heledir würde warten müssen. Entschlossen schwang sich Torendir auf sein Pferd, welches die ganze Zeit hinter ihm hergelaufen war und reiste quer über die Felder direkt zu dem Hof, den er glaubte, in Gefahr zu wissen.

Seine Augen erkannten bald die Mauern, die um die Felder erbaut worden waren. Dahinter folgten einige Obstbäume, die bereits jegliches Laub verloren hatten. Der Zaun, der einen Gemüsegarten abschloss, hatte seine Farbe verloren. Das Holz musste erneuert werden, sofern sich noch jemand dazu finden konnte. Seine Befürchtung, zu spät zu kommen, sollte ihm aber anders als gedacht Freude bereiten, denn er erkannte einige Knechte, wie sie über einen Orkkadaver gebeugt waren und ihn mit ihren Mistgabeln anstupsten. Kaum dass er sich ihnen näherte, ertönte ein Rumpeln aus dem Inneren und ein hellhaariger Hühne stürmte durch die Tür, blieb aber sogleich stehen, als er den Elben erkannte.


"Brannon Lorron!", rief Torendir erfreut aus. Nach und nach kamen der Bauer und zwei weitere Männer aus der Tür. Es waren Daronart und Morwes. Kurz berichteten sie, was geschehen war. Noch vor dem Morgengrauen, als die Knechte die erste Arbeit verrichten wollten, waren die Männer eingetroffen, um nach dem Rechten zu sehen. Sie hatten sich das Klagen des Bauern angehört, wie erneut eines seiner Tiere verschwunden war. Ein unruhiges Stampfen eines der Pferde hatte sie dann auf die nahende Gefahr aufmerksam gemacht. Vier Orks waren gekommen, um noch mehr Vieh zu stehlen oder gar mehr. Die Überraschung war auf ihrer Seite und das Ergebnis lag vor dem Haus und im Kräutergarten.

"Eure Tiere kann ich Euch nicht zurückbringen, aber ich kann Euch einige meiner Kräuter hier lassen, um den Schaden wieder gut zu machen, den die Orks angerichtet haben", sprach Torendir freundlich. Es waren nicht nur Kräuter die er ihnen gab, sondern auch Samen, um neue Beete anpflanzen zu können.

"Habt Dank Herr Torendir. Dies sind schwere Zeiten. Wir befürchten, dass sich erneut etwas in den Bergen sammelt so wie es bereits vor einigen Jahren war." Die Stimme des Bauern klang bedrückt.

"Wir halten unsere Augen offen. Aus Lin Giliath wissen wir, dass der Pass in die Berge bewacht ist. Sollte sich von dort etwas auf die Ebene hier wagen, werden sie euch gewiss nicht schutzlos dem Feind überlassen", sprach Daronart beruhigend auch wenn er wusste, dass es alleine mit der Bewachung des Bergpasses nicht getan war. Doch ihnen blieb nichts anderes übrig, als dieses riesige Gebiet von wenigen Punkten aus zu beobachten. Sie konnten nicht überall Wachen aufstellen.

"Die Zwerge in Othrikar wachen ebenfalls über das Gebiet, wenn auch eher nördlich. Entsendet eine Nachricht an sie und die Elben in Lin Giliath. Mein Weg führt mich nach Schragen. Ich muss einen Freund aufsuchen, den ich lange nicht mehr gesehen habe."

Kurz darauf trennten sich ihre Wege wieder. Torendir reiste mit Tarias wieder nach Westen, während die anderen ihren Rundgang fortsetzten. Bald waren sie verschwunden.

Die Knechte fingen dann an, etwas abseits des Hofes in einer Mulde ein großes Grab auszuheben, denn die Leiber der Orks würden bald Aasfresser anlocken. Am liebsten hätten sie ein Feuer entzündet, doch dies hätte man weithin gesehen und vielleicht sogar noch weitere Feinde angelockt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lande im Zwielicht
BeitragVerfasst: Sa 6. Jun 2015, 22:56 
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Die Jagd nach den Jägern

Etwa zur gleichen Zeit, als Torendir die ersten Spuren gefunden hatte, begann Lotiel in Esteldín damit, einem jungen Elb einige Verbände anzulegen. Sein Name war Colhelech und er war aus dem Gefolge von Gildor Inglorion. Verletzt war er nach Esteldín gelangt, nachdem ihm ein fremder Elb den Weg gewiesen hatte. Er hatte aber nicht damit gerechnet, dass er hier weitere Elben antreffen würde. Umso glücklicher war er um ihre Gesellschaft.

Sie hatten sich wieder zusammengefunden, nachdem sie weitere Vorräte besorgt hatten. Sie wussten schließlich nicht, ob sie in dem kargen Land, in das sie vorhatten zu reisen, auf die Gastfreundschaft der Bergmenschen setzen konnten. Auch Lugaidh war wieder eingetroffen. Dol Dinen war sicher soweit er das beurteilen konnte. Zumindest drohte keine unmittelbare Gefahr von dort aber für den Feind war es sicher einfacher, diesen Weg einzuschlagen, als sich durch die Hügel zu schlagen, um zwischen Esteldín und Othrikar hindurch zu gelangen.

Colhelech lauschte den Gesprächen, während er etwas aus seiner Tasche fischte, um es immer wieder durch seine Finger gleiten zu lassen. So erfuhr er von den Steinen und dem Vorhaben dieser Gemeinschaft und bot letztendlich an, mit ihnen zu reisen. Widerspruch regte sich nicht aber dafür bestand auch kein Grund. Lediglich seine Verletzung bereitete ihm Sorgen, die ihm Lotiel zu nehmen versuchte... und sie sollte Recht behalten.




Am nächsten Tag brachen Lugaidh, Cuildis, Aelwyna und Colhelech auf, um bei den Höfen westlich von Esteldín um Saatgut und Getreide zu bitten. Es sollte den Trév Gállorg als Geschenk dargeboten werden. Doch statt Saatgut fanden sie ein größeres Loch im Erdboden vor. Die Knechte waren gerade dabei, die Überreste von vier Orks hineinzuwerfen. Es war eine undankbare Aufgabe aber sie war notwendig.

Aelwyna trat zu ihnen während die Elben zurückblieben, um die Menschen nicht zu verschrecken. Doch statt verwunderten Blicken ernteten sie einladende Gesten. Sie seien nicht die ersten Elben in diesen Tagen gewesen. Ein Elb mit einem Luchs war dort und fremde Menschen hätten die angreifenden Orks daran gehindert, weitere Untaten zu vollbringen. Schnell begriffen die vier, dass es sich hier um Torendir und die Menschen aus Falkenruh handeln musste, da auch noch eine Augenklappe erwähnt wurde. Die Bauern konnten jedoch nicht sagen, ob die Fremden dafür sorgen wollten, dass diese Angriffe aufhören würden.


"Was ist, wenn sie einen neuen Anführer gefunden haben?", fragte einer der Knechte. "Dies wird nicht der letzte Angriff gewesen sein."
Die Entscheidung, statt einen Handel abzuschließen dafür einen Ork zu jagen, fiel ihnen nicht schwer.

"Geht ihr nur auf die Jagd. Ich werde hier bleiben für den Fall, dass weitere Orks auftauchen", sprach Aelwyna. An die Bauern gewandt fragte sie: "Habt Ihr bereits Boten nach Lin Giliath und Othrikar gesandt?"

"Nein, dazu sind wir noch nicht gekommen. Wir müssen uns erst um diese Kadaver kümmern. Ich weiß nur, dass diese Menschen die uns halfen, sich hier weiter umsehen wollten", antworte der älteste der Männer, dem wohl der Hof gehörte.

"Dann begeben wir uns auf die Jagd und danach kümmern wir uns um die Botengänge. Brennil Aelwyna wird hier Wache halten, bis wir zurückkehren." Lugaidhs Worte erweckte in den Männern neue Hoffnung.

Bald sah man die drei Elben der Spur folgen, die diese Orks hinterlassen hatten. Immer wieder hielten sie an, damit Cuildis sich orientieren konnte. Ihre Augen waren nicht nur auf die Spuren gerichtet. Sie bezog auch die Umgebung ein, als versuchte sie nachzuvollziehen, welchen Weg die Feinde wohl genommen hatten. Es dauerte auch nicht lange, da standen sie an der gleichen Stelle wie Torendir zuvor, als er die sich kreuzenden Spuren gefunden hatte. Wäre sie der anderen Spur gefolgt, hätte sie einen verendeten Ochsen gefunden. So aber führte ihr Weg immer weiter durch eine Senke auf eine Anhöhe zu, an deren Rändern man in der Ferne bereits hölzerne Barrikaden erblicken konnte. Colhelech meinte, dass dies früher ein befestigtes Lager der Orks war. Erneut hatten sie sich dort niedergelassen. Sollte dort ihr Ziel sein, müssten sie das Lager stürmen... aber Cuildis hatte einen anderen Plan.


"Bleibt zurück, denn ich sehe einen einzelnen Ochsen."
"Wir fürchten uns nicht vor diesem Tier aber ich glaube Ihr habt etwas anderes vor nicht wahr?", mutmaßte Lugaidh.
"Ganz Recht. Ich werde ihn erlegen und die hungrigen Mäuler der Feinde werden die Beute dankbar annehmen. Dann wissen wir, wo wir suchen müssen."

Es gefiel ihr zwar nicht, ein Tier dafür zu opfern, aber die andere Möglichkeit wäre gewesen, in das Lager einzudringen ohne zu wissen, wie viele Gegner dort auf sie lauerten. Kurz nach diesen Gedanken pirschte sie schon voran nach Norden etwas abseits der künstlichen Grenze aus altem Holz. Als der Ochse in Schussreichweite war, schnellten daraufhin zwei Pfeile nacheinander in den Leib des Tieres. Er lebte lang genug, um aufzubrüllen, doch der zweite Pfeil beendete sein Leben schon. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Rufe erklangen aus dem Lager, woraufhin einige der schmächtigeren Orks herauseilten und die Beute verwundert begutachteten. Als sie jedoch keinen Schützen fanden, schleppten sie den Kadaver zurück... gefolgt in sicherem Abstand von drei Elben, die diese Gelegenheit nutzten in der Hoffnung, dass sie ihr eigentliches Ziel schnell fanden.

Im Lager herrschte nun reges Treiben. Ein halbes Dutzend von ihnen eilte umher. Sie suchten Messer und Beile, um den Ochsen zu zerteilen. Einer aber stand Befehle rufend an einem Lagerfeuer. Er war von stattlicher Natur. Lugaidh maß ihn aus der Distanz mit seinem Auge. Er wäre für ihn kein Gegner. Nur die anderen waren ihnen zahlenmäßig überlegen. Colhelech und Cuildis spannten ziemlich zeitgleich ihre Bögen. Kurz darauf fielen zwei der Orks tot zu Boden. Noch ehe ihr Anführer verstand, was dies zu bedeuten hatte, fielen die beiden nächsten. Nun war klar, was es für ihn bedeutete. Wütend stürmte er auf die Schützen zu, doch Lugaidh lauerte ihm auf halbem Wege auf.

Der Kampf entbrannte. Der Lärm von Stahl auf Stahl dauerte nur solange, wie keine weiteren Orks zu Hilfe eilten. Für einen Moment mussten sie befürchten, dass aus dem Süden weitere Feinde herankommen würden, nachdem zwei weitere Wachen in das Kampfgeschehen eingriffen, die sie zuvor nicht gesehen hatten, aber dann war es vorbei. Der große Leib dieses Anführers hatte den Waffen des gewandten Elben nichts entgegenzusetzen gehabt. Cuildis zog ihr schlankes Schwert aus dem Leib eines der Orks, der zuvor noch den Ochsen geschleppt hatte, während Colhelech die Pfeile einsammelte, die noch nutzbar waren.


"Ich hatte keine bessere Idee als diese. Es war Glück, dass der Anführer hier war", flüsterte Cuildis, so als ob sie mit einer lauten Stimme die Feinde erwecken könnte.

"Macht Euch keine Gedanken brennil. Euer Plan war nicht durchdacht, aber er hat funktioniert. Ich gebe zu, es hat mich ebenfalls überrascht." Kurz lächelte Lugaidh, ehe er sein Schwert an den Zeltplanen reinigte, die nun in Fetzen von einem provisorischen Holzgestänge herabhingen. Sie vergewisserten sich, dass auf dieser Seite des Lagers niemand mehr war. Dann zogen sie wieder ab und nahmen den Weg zurück, den sie zuvor gekommen waren. Als sie dann am Hof von Aelwyna empfangen wurden, sprach die Erleichterung in den Augen der Bauern Bände, kaum dass Lugaidh vom Ableben des Anführers berichtet hatte.

"Brennil Cuildis, ich ziehe nach Lin Giliath. Würdet Ihr nach Othrikar reisen?", fragte Lugaidh.
"Gut, ich habe sowieso noch ein Wort mit diesem Zwerg zu reden", antwortete sie.

Lugaidh der die Umstände in Othrikar nur aus den Erzählungen kannte, musterte sie kurz. "Am besten ihr richtet auch noch einen Gruß von brannon Glamnir aus. Es wird sie sicher interessieren, wohin unsere Reise führen wird."
"Ich werde ihnen nicht mehr sagen als nötig. Morgen bin ich zurück in Esteldín es sei denn, unsere Wege kreuzen sich im Morgengrauen."
"Dann sehen wir uns im Morgengrauen an der Kreuzung wieder."
"So sei es."

"Wartet noch einen Moment", sprach Aelwyna. "Ich habe mit diesen tapferen Männern gesprochen und sie haben angeboten, uns etwas der letzten Ernte zu überlassen."

Die Elben bedankten sich gebührend bei den Männern, denn beinahe hatten sie ihr eigentliches Ziel vergessen, weswegen sie gekommen waren. Es war ihnen hoch anzurechnen, dass sie trotz der Umstände mit ihnen ihr Gut teilen wollten. Es war genug, um zwei Pferde damit zu beladen. Etwas Getreide, Saatgut und einige Feldfrüchte waren darunter. Als alles verstaut war, trennten sich ihre Wege. Lugaidh reiste gen Süden nach Lin Giliath, um Bericht zu erstatten. Cuildis zog es zu den Zwergen aus gleichem Grund und Aelwyna und Colhelech reisten zurück zu den anderen, um ihnen die Güter zu bringen, wo sie am späten Nachmittag von ihnen empfangen wurden. Ihr Ausflug füllte den Abend mit Gesprächsstoff, sodass die Zeit im Fluge verging. Als selbst der Zwerg seine Pfeife nicht mehr stopfen wollte, um sie erneut zu entzünden, war es Zeit für die Nachtruhe.



Und Torendir? Er hatte nicht geruht seit der Begegnung am Hof. Er hatte zwei Tage verloren. Sein Pferd aber trabte stetig gen Westen den Weg entlang. Ihm kam es einsam vor auf der Straße aber es tat auch gut, den Gedanken nachzuhängen. Erst als sein Pferd vor Erschöpfung nicht weiter wollte, suchte er sich einen Ort, wo er rasten konnte. In der Ferne sah er bereits einige Lichter. Sie mussten vom Dorf jenseits der Brücke stammen – Schragen. Während sein Pferd und Tarias ruhten, saß er aufrecht da und blickte mit wachem Auge gen Südwesten.

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BeitragVerfasst: Mo 15. Jun 2015, 21:31 
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Blick in die Schatten
(Angmar, Thyrn Luigh)

Alte zittrige Hände griffen nach der Schatulle so wie sie es in den letzten Tagen immer wieder getan hatten. Seit ihrem seltsam schlafwandelnden Traum und dieser unerschütterlichen Unbekümmertheit des Mädchens hatte sie viele Tage damit verbracht abzuwägen, was zu tun sei. Es war lange her, dass sie versprochen hatte, im Exil unter den Leuten, die stets ein Auge auf sie hatten, die Geheimnisse der Kette zu ergründen. Einerseits fürchtete sie sich vor der Gefahr, die sie eine Untersuchung mitbringen würde. Schließlich wusste sie selbst am besten, was sie bewirkt hatte. Eine erneute Entfesselung dieser Macht wollte sie auf keinen Fall zulassen. Sie schüttelte fassungslos den Kopf als sie an all die Jahre dachte, in der ihre Gedanken womöglich durch eine fremde Macht gelenkt wurden.

Andererseits hatte sie ein seltsames Vertrauen in Almaré, welches sie nicht genau begründen konnte. Sie wusste dass sie unerfahren war. Ja sogar am Anfang eines langen Weges stand sie. Und doch hatte sie mit vielem Recht behalten, was sie gesagt hatte. Andere Dinge waren noch nicht eingetroffen. Sie hatte von der Rückkehr der Steine gesprochen, doch glaubte sie nicht wirklich daran. Wer sollte sie ausgerechnet zu ihnen zurückbringen? Sie wusste es nicht. Aber wenn sie Recht hatte mit dem, dass die Kette keine Gefahr mehr bedeuten würde, dann hinderte sie nur ihre eigene Furcht davor, sie zu untersuchen. Sie war gebrannt. All die Jahre hatte man sie benutzt und sie schämte sich dafür, dies erst jetzt erkannt zu haben.

Eruna stand kurz darauf erneut an dem Abgrund, den sie bereit gewesen war, hinabzustürzen aber diesmal war es freiwillig. Sie hätte alles beenden können. Ihr Leben, ihr Leiden. Ihre Strafe wäre verdient gewesen. Irgendwas hatte sie davon abgehalten. Dieser Drang in den Tod zu gehen war stark gewesen. Dieses Gefühl, zurückzukehren zur Schatulle, war jedoch deutlich stärker geworden, als hatte ihr jemand immer und immer wieder etwas zugeflüstert. Es hatte letztendlich gesiegt. Das Gefühl beobachtet zu werden von jemandem, den sie nicht sehen konnte, war nicht neu für sie gewesen. Diese Macht war jedoch anders. Weder war sie bedrohlich noch fordernd. Im Gegenteil. Sie hatte für eine Sekunde vergessen, dass sie eben noch am Abgrund stand. Sie hatte erst geglaubt, dass alles nur ein Traum gewesen war. Othgall aber hatte ihr nach langem Zögern berichtet, was er auf seiner Wache gesehen hatte. Er hatte eine alte Frau gesehen, die bereit war, zu sterben. Die sich plötzlich, kurz vor dem letzten Schritt, umwandte und ins Zelt zurückging. Ein huschender Schatten verschwand hinter dem Zelt, was sich später als ein junges Mädchen herausstellen sollte. Erst später hörte sie davon, dass ein schwacher muffiger Geruch in der Luft gelegen hatte, den sie nicht zuordnen konnten.

Die alte Frau ging zur Schatulle und stand erneut vor ihr. Zweifel plagten sie. Zweifel und Mutlosigkeit ob ihrer Vergehen, ob der Macht, die sie geglaubt hatte, trotzen zu können.


'Ich glaube sie wird Dir noch nützen.'

Die Worte des Mädchens schwangen in ihren Gedanken mit, als das Für und Wider miteinander rang. Ihre Finger öffneten die Schatulle nach einem Zögern, welches sich wie Stunden anfühlte. Zeit war ein kostbares Gut. In ihrem Alter hatte sie nicht mehr viel davon. Als wäre ihr dies plötzlich erst jetzt klar geworden, begann sie hektisch die einzelnen Kettenglieder zu berühren. Nach und nach spürte sie die noch immer vorhandene Gefahr, die für andere, selbst empfindsame Wesen, kaum bemerkbar war. Dieser Fluch der auf der Kette gelastet hatte, war zwar verblasst, doch noch immer schlummerten Reste davon in ihr. Ein Ziehen am Hals, als sie kurz den Kopf zum Zelteingang wandte, erinnerte sie daran, dass nicht nur die Kette verdorben war. Auch sie hatte davon über Jahre hinweg gekostet. Die Spuren waren nun deutlich zu sehen. Die Haut war gräulich an den Stellen, wo die Glieder ihre Haut berührt hatten. Einzig die Fassungen, die sie selbst vor beinahe zehn Jahren hineingefügt hatte, hatten gesünder wirkende Flecken hinterlassen. Anfangs hatte sie die Stellen mit einem Tuch bedeckt, weil sie sich dessen schämte. Erst vor wenigen Tagen hatte sie den ersten Schritt getan und sich ohne das Tuch gezeigt.

Die Kette war der Schlüssel, doch so sehr sie ihn nutzen wollte, so sehr fürchtete sie sich. Gerade als sie sich in Gedanken verlieren wollte, so wie sie es in den letzten Wochen getan hatte, geschah es. Einem plötzlichen Schwindel erliegend legte sie die Kette vor sich auf einen kleinen Tisch und stützte sich mit beiden Händen an seinen Rändern ab. Rasend schnell flog eine ihr fremde Landschaft vor ihren alten Augen vorbei. Als diese plötzlich anhielt, stürzte sie vornüber, riss den Tisch um und blieb dann am Boden in einer unnatürlichen Stellung liegen.

Momente vergingen, als sie erst graue Schleier, dann raues Gestein erkannte. Sie musste in einem dunklen Gang sein. Das Licht einer Fackel erhellte plötzlich die Umgebung. Weite Schritte führten sie nun einen langen Gang voran, als dieser sich verzweigte. Sie konnte den alten modrigen Geruch riechen, der an diesem Ort scheinbar vorherrschte. Sie hatte Durst, doch konnte sie nichts trinken. Der Tümpel sah erst einladend aus, aber der Blick trog. Plötzlich schrie er sie förmlich an, davon abzulassen. Mit Grauen sah sie eine Hand eines Mannes, der diese in den Tümpel tauchte. 'Trinke nicht Du Narr' Kurz darauf wurde ihr Übel. Es wurde noch heller. Sie sah zwei weitere Fackeln und unscharfe Schemen, die schwammige Schatten an die Wände warfen. Es mussten drei Gestalten sein und sie war eine von ihnen. Sie erlebte was er erlebte. Sie spürte ein starkes Verlangen nach Abenteuer. Zuversicht, Vorfreude, Verlangen, Gier. Es wurde immer stärker bis es dann plötzlich abbrach. Es war etwas dunkler geworden und anhand der Schatten konnte sie erkennen, dass einer fehlte. 'Warum merken sie es denn nicht?'

Unsicherheit. Argwohn. Angst. Furcht ergriff ihr Herz, ja beinahe panisch wurde sie, während sie sich langsam in ihrer eigenen Welt aufgerappelt hatte, um nicht zu wirken wie ein zuckender Leichnam, der sich gleich erneut erheben will. Das Bild verschwand für einige Sekunden, als sie mit einer Bewegung des linken Armes diese Gedanken fortscheuchte, als wären es lästige Insekten. Als sie die Rolle der Seherin einnahm, die sie über viele Jahre beherrscht hatte, bekam sie eine gewisse Distanz zu dem Geschehen, sodass ihr die Kontrolle erhalten blieb, denn sie wusste nicht, was er tun würde und wie stark sie mit diesem Mann verknüpft war, der dort durch dunkle Gänge huschte.

Mit einem Seufzen kniete sie sich nun vor dem Tisch hin. Es dauerte eine Weile, bis sie wieder anknüpfen konnte. Als sie es geschafft hatte, konnte sie zwei Männer sehen. Der eine deutete in den Gang zurück, aus dem sie wohl gerade gekommen waren. Der andere aber schien wie fasziniert von einem seltsamen Stein zu sein, der in der Mitte eines riesigen Raumes platziert war. Dahinter konnte sie eine Tür erkennen die aus massivem Holz zu sein schien. Allgemein war es hier auch heller als zu beginn. Sie konnte sehen, dass sie Fackeln entzündet haben. Und obwohl das Feuer rötlichgelb über die Wände tanzte, lag ein gespenstischer Schleier vor ihnen, der diesen Stein und die Tür umhüllte, sodass sie nur vage Umrisse erkennen konnte.

Mit einem Mal spürte sie ein starkes Verlangen. Schon war der Mann, dem sie gedanklich folgte, in der Nähe des Steines, aber irgendwas hielt ihn noch ab. Dann spürte sie etwas seltsam Vertrautes. Es wirkte wie ein Lockruf. Es war etwas, was ihr zugleich Angst einjagte. Sie konnte es nicht gleich einordnen und so traf sie die Wucht der Erkenntnis in dem Moment, als die Tür plötzlich geöffnet war. Die Dunkelheit, nicht nur jene in der Tür sondern auch das, was sich daraus ergoss, war vollkommen, saugte sie leer... bis sie in einen tiefen Schlaf fiel.




Stunden später blickten sie drei Augenpaare an. Luvania hatte ein nasses Tuch in der Hand. Die Flüssigkeit war kühl und tat ihr gut. Der Mann zu ihrer rechten, Lannán der Heiler, legte gerade einen Verband an. Sie hatte sich verletzt durch den Sturz über den Tisch. Allmählich kamen die Erinnerungen wieder und was sie darin fand, lähmte ihre Zunge. Die dritte Person schaute sie nur streng an. Es war Tharmun.

Sie fühlte sich so hilflos in diesem Moment. Es war nicht nur dieser kraftzehrende Blick in die Vergangenheit gewesen. Sie hatte ihn gespürt. Es war so vertraut gewesen aber sie konnte nicht zuordnen, welche dieser Gestalten es war. Dann legte sich Dunkelheit über ihre Sinne. Sie konnte sie fast greifen. Sie wagte es, da sie nichts zu verlieren hatte. Bruchstückhaft tauchten die Bilder wieder auf. Sie sah diesen Mann, jung und voller Tatendrang, wie er auf die Tür zuging. Kurz darauf sah sie den entsetzten Blick des anderen als er am Boden lag. Das Leben schwand aber als er starb, hatte sie den Hunger des anderen gespürt. Doch war es diesmal kein Hunger nach Nahrung wie sie es kannte. Es war der Hunger nach Macht. Erneut sah sie die Augen des anderen Mannes. Sie waren vor Entsetzen weit aufgerissen, so als wäre er einem Schrecken erlegen, der sich an seiner Furcht gelabt hatte. Es schien absurd. Eruna versuchte sich zu besinnen. Doch mehr als den leeren Blick des Mannes, der wieder aus der Höhle kam, wollte ihr nicht in den Sinn kommen... nur dass er ihr bekannt vorkam.

Erschöpft schloss sie die Augen und rasch war sie in einen tiefen traumlosen Schlaf gesunken. Luvania erhob sich. Sie konnte für Eruna nichts weiter tun. Kurz darauf gingen sie und Lannán wieder hinaus. Nur Tharmun blickte die alte Frau noch lange an, ehe auch er sich zu den anderen gesellte.

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BeitragVerfasst: Mo 30. Nov 2015, 00:45 
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Alte Bande
(Schragen, an der Grenze zwischen dem Breeland und den Nordhöhen)

Die Nebel der Felder nördlich der Brücke lagen selbst hier noch über dem welken Gras. Der Winter war nahe. Die letzten Gefechte des Herbstes dauerten zwar noch an, aber er war bereits auf dem Rückzug. Winzige Augen spähten auf die Straße hinaus, als sie ein dumpfes Geräusch vernahmen. Die Tiere, die noch auf Nahrungssuche für den Winter waren, zogen sich ein Stück weit zurück und beobachteten aus der Ferne den Reiter, der sich langsam dem Dorf von Norden her näherte. Dass neben dem Pferd noch jemand auf vier Pfoten am Rand des Weges dahinschritt, machte sie nicht nervös. Nur ein Vogel erschrak sich. Mit heftigem Gezeter und anschließender Flucht trieb er auch noch andere Tiere zurück in den Schutz des Waldes nahe dem Berghang im Westen.

Das Aufscheuchen der Tiere im Wald blieb den Wachen an der Brücke nicht verborgen. Schnell waren die Armbrüste gespannt und zielten in die Richtung, aus der sie eine Gefahr vermuteten. Als dann der Reiter näher kam, blickten die Männer misstrauisch auf ihn. Der Reiter hob eine Hand.


"Senkt Eure Waffen. Ich bin kein Feind", sprach Torendir in einem ruhigen Ton.

"Wer seid Ihr und wohin wollt Ihr?", kam sogleich die Frage von einer der Wachen.

"Mein Name ist Torendir und ich möchte einen Freund besuchen, der in eurer Obhut sein soll", antwortet der Elb wahrheitsgemäß.

"Ein Freund sagt Ihr? Einen der Euren sahen wir lange nicht", sprach eine männliche Stimme aus dem oberen Bereich der Brücke. Der Mann winkte mit der behandschuhten Hand und gab den Wachen ein Zeichen, dass sie den Platz freimachen sollten. Augenscheinlich war er der Wachführer.

"Es wäre verwunderlich, wenn diese Art von Freund, die ich meine, zu euch sprechen würde... genau so wenig wie jener, der bereits eure Linie passiert hat."

Kaum dass Torendir es ausgesprochen hatte, klirrte etwas metallenes auf Holz und ein 'Herrjeh' war zu vernehmen.
"Sorgt euch nicht, er tut keinem etwas zuleide, sofern er es nicht muss."

Mit einem Fluchen fuhren zwei der Männer herum, aber erst als sie genauer hinsahen, bemerkten sie den Luchs, der ungeachtet der auf ihn gerichteten Waffen über die Brücke schritt und die verdatterte Frau, die gerade vor Schreck einiges an Blechgeschirr über den Boden verteilt hatte.

"Dies ist Tarias. Er ist einer meiner treuesten Begleiter und ich würde gerne zu dem Heiler gebracht werden, der sich um einen verletzten Raben kümmert."

"Ein Rabe sagt ihr?" Der Mann oben auf der Brücke machte Anstalten hinabzusteigen.

Einer der jüngeren Wachleute, nicht mehr als mit einer Armbrust und einem Lederwams ausgerüstet, wandte sich ihm zu.

"Weißt Du was von einem Raben?"
Als der Wachführer hinabgestiegen war, fuhr er sich über das Kinn.
"In der Tat. Einer der Zwerge brachten ihn uns vor einiger Zeit. Er gehört also Euch Herr Torendir?"

Torendir musterte den Mann ein wenig. Er trug ein Kettenhemd, doch bot es ihm kaum noch Schutz. Zahlreiche Glieder waren verbogen. An manchen Stellen fehlten sie ganz. Er musste für einen Moment an Daronart und seine Freunde denken. Ob sie auch in Schragen Halt machen würden?

"Ich bin nicht sein Herr wenn Ihr das meint. Er ist mein ältester Freund seit ich meine Heimat verlassen habe und er folgte mir lange bereitwillig bis vor wenigen Monaten. Nun erfuhr ich von den Zwergen aus Othrikar, dass er hier sein soll."

"Nun... dann folgt mir bitte. Ich bringe Euch zu der Frau, die sich um die verletzten Tiere kümmert."

Es dauerte nicht lange, da trat der Elb in die Stube eines der Häuser, welches eine Mischung aus Krämerladen, Verbandsstube und Schlafkammer darstellen sollte. Bei seinem Weg zu dem Haus konnte er die Häuser sehen, die wieder errichtet waren, nachdem sie vor geraumer Zeit von den plündernden Orks niedergebrannt wurden. Es hatte sich einiges getan in Schragen, aber die Gefahr drohte noch immer. Er musste dazu nicht erst die geschundenen Körper sehen, die unter frischen Hemden verborgen waren. Der Blick in die Augen derer, die er sah, genügte vollkommen.

"Seid gegrüßt junger Herr", sprach die ältere Stimme einer Frau. Als die Frau näher kam, weitet sie die Augen für einen Moment.

"Oh... seid willkommen. Ich bin Irmel. Was kann ich für Euch tun Herr Elb?" Während sie sprach, musterte sie Torendir mit geschultem Blick, was offenkundig möglichen Verletzungen gelten sollte.

"Verzeiht die Störung, mein Name ist Torendir. Sorgt Euch nicht, denn mir fehlt nichts. Weder Verletzung noch Leid plagt mich."

"Er ist gekommen, um nach dem Raben zu sehen, den Du seit einigen Wochen pflegst", sprach der Mann neben ihm.

Vorsichtig zog Torendir die weiße Feder aus seinem Hemd, die ihm Flosir gegeben hatte und reichte sie der Frau.


"Er hat ein weißes Gefieder wie dieses hier. So nannte ich ihn einst Heledîr", sprach Torendir mit sanfter Stimme.

"Ja das muss er sein. Ich wunderte mich schon, warum die Zwerge ihn gepflegt haben wollten aber sie nannten als Grund nur, dass ihn wohl jemand vermissen würde."

"Kommt mit"
, forderte die Frau ihn auf ihr zu folgen.

"Irmel, brauchst Du mich noch?" rief der Mann von der Tür her, aber er war schon im Begriff zu gehen.

"Geh Du nur zurück. Nicht dass die Jungspunde Unsinn treiben, während Du hier faulenzt", scherzte sie.

Kaum dass er fort war, drehte sie sich schon zu einem kleinen Verschlag um, der im hinteren Bereich des Raumes zu finden war.


"Dort ist er. Er sieht irgendwie traurig aus findet Ihr nicht? Meine kleine Schwester Hilda hat sich oft mit ihm unterhalten, denn er war anfangs sehr scheu. In einen Luchsbau soll er gestürzt sein wisst Ihr?"

"Und doch waren die Luchse wohl nicht die Ursache für seine Verletzungen sondern das Gestrüpp in dem er gelandet war."

"Das stimmt. Seltsam nicht wahr? Nun wie dem auch sei. Fliegen kann er noch nicht. Das wird noch etwas dauern."

"Heledîr mein Freund. Erkennst Du mich?"



(Tyrn Luigh, Angmar)

"Ich werde nicht länger tatenlos zusehen Eruna. Eure Verbohrtheit, euer aller Verbohrtheit hat uns dies erst eingebrockt."

Othgall blickte mürrisch auf die alte Frau hinab, die sich an einem Feuer etwas abseits der Zelte wärmte. Eruna schaute in die Flammen, als suchte sie dort eine Antwort. Doch ehe sie etwas erwidern konnte, hob Othgall erneut seine Stimme.

"Deine Träume sagen mir nur, dass Du langsam aber sicher dem Wahnsinn anheimfällst." Theatralisch hob er seine Arme.

"Böse Mächte, grausame Geister... ja ich weiß um die Macht der Hexer in Carn Dûm, aber Du redest von längst vergangenen Dingen. Was nützt es uns?"

"Ich frage nicht, was es uns nützt. Ich weiß nur, dass es sich so zugetragen hat, ob genauso wie ich es gesehen habe oder im übertragenen Sinne spielt keine Rolle. Was daraus geworden ist, siehst Du nun heute. Dazu benötigst Du nur einen einigermaßen wachen Verstand, um zu erkennen, dass hier Mächte am Werke sind, die wir früher schon bekämpft haben. Wenn ich nur wüsste, was sie vorhaben..." Hustend brach sie ab.

Ihre Stimme wirkte kränklich und Othgall war es nicht entgangen. Leise entfuhr ihm ein Seufzen deswegen.


"Lass dies nicht Dechan hören. Ich sage Dir, das gibt Ärger und nicht nur mit ihm also behalte Deine Gedanken für Dich", maßregelte sie den Krieger.

In Gedanken aber war er bereits bei seinen eigenen Plänen und nahm ihre Worte kaum mehr als ein Hintergrundgeräusch wahr. Er wünschte sich, dass er sich jemandem anvertrauen könnte. Aber wem? Wortlos wandte er sich schließlich ab und ließ Eruna alleine.




(Schragen, an der Grenze zwischen dem Breeland und den Nordhöhen)

Währenddessen blickten die Augen eines weißgefiederten Raben auf eine ihm dargebotene Hand. Etwas kam ihm vertraut vor. Vielleicht war es ein Geruch oder der Klang einer Stimme. Mit der Sprache der Menschen oder der Elben konnte er wenig anfangen aber sein Instinkt sagte ihm, dass er sich nicht fürchten brauchte. Als er dann aus dem Haus getragen wurde, spürte er die Gegenwart eines anderen Tieres. Hektisch bewegte er seinen Kopf und seine Augen suchten alles ab.

"Ruhig Heledír. Er ist keine Gefahr."

Der Luchs gab einen Laut von sich, als wollte er die Worte Torendirs bestätigen, doch es würde noch einige Zeit andauern, bis der Rabe die alte Bande wiederfand, die sie früher verbunden hatte. Bald trabte das Pferd an der Seite des Elben gen Norden, denn die Nacht wollte dieser nicht im Dorf verbringen.

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Eine kleine ABC-Musiksammlung - aktualisiert am 17.05.2011

Sidhril, Torendir, Mallthirion, Thrygrim Eisenschild
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 Betreff des Beitrags: Re: Lande im Zwielicht
BeitragVerfasst: Mo 4. Jan 2016, 02:13 
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Eine immerwährende Gefahr
(In der Nähe von Othrikar)

Als Cuildis ihr Pferd aus der Minenstadt führte, fühlte sie sich erleichtert. Auch wenn dieses Land nicht ihre Heimat war und die Menschen auf den Höfen nicht ewig beschützt werden konnten, so sah sie diese stille Bande zwischen den einzelne Völkern die hier lebten. Faraglor hatte wohl Recht gehabt mit seinen Worten. Ihr war vieles entgangen in ihrer Abgeschiedenheit in Echad Candelleth. Doch kann dieses Gefühl zutreffen, wenn es sich um etwas Unbekanntes handelt?

Sie schüttelte leicht den Kopf. Aber bedauerte sie es nun? Sie hielt kurz an, um einen Blick zurück auf die Minenstadt zu werfen. Für einige Momente änderte sich das Bild und die vergangenen Stunden kehrten zurück.




    (Othrikar, einige Stunden zuvor)

    "Heda. Wer seid Ihr und was wollt Ihr?"

    "Die kenne ich. Sie war doch schon mal hier nicht wahr?" Zwar leise aber nicht leise genug für die noch auf dem Pferd sitzende Elbe raunte dies einer der Zwerge seinem Nachbarn zu.

    "Das ist richtig. Man nennt mich Cuildis und ich kam vor einiger Zeit mit den Elben aus Imladris hierher."

    "Wenn sie erneut hier ist, scheint es ja dringlich zu sein", murmelte einer der anderen Zwerge.

    Die Elbe ging jedoch nicht darauf ein, denn für solch ein Geplänkel wie beim letzten Besuch war sie nicht zu haben. Stattdessen stieg sie ab und überließ das Pferd seinem freien Willen. Der Geruch von frischem Futter führte es etwas abseits zu den Ställen, als würde es jemand lenken.


    "Meine Reise führte mich schon einmal hierher doch diesmal bin ich gekommen, um euch über etwas Wichtiges zu unterrichten."

    "Geht zu Orndr dort drüben...". Einer der Zwerge deutete in einem Halbkreis um den großen Platz herum.

    "Es geht euch alle etwas an", fuhr sie unbeirrt fort. "Die Orks sind nicht müde zu plündern und zu morden..."

    "Das wissen wir. Wir haben ein Auge auf..."

    "Dann ist es euren Augen vermutlich nur entgangen, dass sie einen starken Anführer hatten, der sie zu gefährlichen Kampfverbänden formen wollte", erwiderte sie vielleicht eine Spur zu scharfzüngig.

    Für eine kurze Zeit schauten sich alle an, dann wuchsen Berge aus Stirnfalten über den Augen der Zwerge. Einer von ihnen näherte sich ihr langsam. Er war umhüllt von Leder und schwerem Eisen.


    "Wisst Ihr was Ihr da behauptet? Dies bedeutet Ärger wenn es stimmt und noch mehr, wenn Ihr unsere Aufmerksamkeit verschwendet."

    Nun war es Cuildis, die den Zwerg und auch die anderen musterte. Da unterbrach ein Federkiel schwingender Zwerg die angespannte Stille.

    "Halt‘ den Mund Golin. Du weißt was man über Elben sagt."

    "Ist ja gut Morí."

    "Verzeiht. Mein Freund hat sich wohl den Kopf gestoßen unter Tage. Aber nun berichtet und lasst nichts aus", forderte Morí die Elbe auf.

    Es dauerte einige Zeit, bis die Geschichte erzählt war. Angefangen vom Treffen mit Glamnir - denn auch nach seinem Verbleib wurde sie gefragt – über den Fund der Orkleichen vor dem Bauernhof, bis hin zum Fall des Anführers der Plünderer erzählte sie also alles was geschehen war.




(Othrikar, kurz nach dem Aufbruch von Cuildis)

"Wie ich schon sagte. Der Feind wird nie müde werden. Er ist eine immerwährende Gefahr", murmelte Orndr mit Blick auf die Straße.

"Es ist kein Geheimnis, dass diese Plünderer nur auf eine Gelegenheit warten", antwortete Gávor darauf.

"Ich werde mit Golin und Wethi nach dem Rechten sehen. Mich beunruhigt, dass sie unbemerkt von uns und auch unbemerkt von den Elben aus Lin Giliath immer noch in der Lage dazu sind", brummelte Flosir mehr als dass er sprach.

Während die meisten Zwerge wieder an die Arbeit gingen, machten sich drei Zwerge auf den Weg am Berg entlang nach Süden.




(Kreuzung vor Esteldîn)

Die Sonne stand bereits tief aber die Nacht würde noch etwas warten müssen. So war es auch mit der Rückkehr nach Esteldîn für Cuildis. Kaum dass sie an der Kreuzung vor Esteldîn angekommen war, wurde ihre Aufmerksamkeit auf einen eiligen Reiter gelenkt, der aus dem Süden kam.

"Lugaidh! Es freut mich Euch zu sehen, aber warum diese Eile?"

"Mae govannen brennil Cuildis. Es gibt keinen Grund, noch längere Zeit hier zu verweilen."

"Gut dann lasst uns zu den anderen zurückkehren." Schon wollte sie ihr Pferd nach Esteldîn wenden, da hielt Lugaidh sie zurück.

"Nein. Reitet bitte Richtung Westen. Drängt Torendir zur Eile sofern es ihm möglich ist. In Esteldîn dürften wir schon bereit sein für den Aufbruch."

"Einverstanden. Wo wollt ihr euer Lager aufschlagen?"

"Wir werden einen Weg nach Aughaire finden. Folgt uns sobald ihr könnt."

Kaum dass Lugaidh fort war, ging ihr Blick erneut zu den Bergen hinauf, wo die Zwerge lebten. Sie bedauerte es nicht, dass sie all die Jahre nicht weiter als bis zu den Ruinen Eregions gereist war. Sie konnte noch so viele Lande bereisen, wenn ihr danach war. Ihr Platz war in Echad Candelleth. Das würde sich nicht stark ändern. Vielleicht würde sie nun aber neugieriger werden.

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